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Als Gäste beim (N)OSTALGIE-Konzert des Geraberger Musikvereins am Palmsonntag in Gräfenroda

von Alexandra

Als Fans, Mitglieder im Förderverein und als regelmäßige Gäste der böhmischen Frühlingskonzerte in Martinroda vor der großen Pandemie ließen wir uns vom Plakat des Musikvereins anlocken. Man warb für ein Kaffeekonzert im „Deutschen Hof“ frei unter dem Motto: „Jugendliebe – (N)OSTALGIE in 1000 Takten“ und versprach einen „tollen Nachmittag zu bereiten“. Soweit der Plan. „Dein Freund: der Plan!“ – hieß es früher, und siehe, der Plan ging auch so was von auf, mit einer mehr als hundertprozentiger Planerfüllung – und ich meine sogar: Übererfüllung!  (Am Applaus gemessen.) Soweit vorweg.

Also fuhren wir, zwei hoch betagte Ehepaare aus Elgersburg und Geraberg, pünktlich vor zur Saalfreigabe eine Stunde vor Konzertbeginn, und wir kamen überhaupt nicht zu früh an und bei gerade noch freier Platzwahl. „Kaffeekonzert“ klingt recht intim, aber es brummte schon vor den ersten Takten, und der große Bühnenaufbau ließ ein größeres Event erahnen. Und so erlebten wir es dann auch tatsächlich.

Pünktlich um drei setzte sich dann der musikalische Zug in Bewegung und wir saßen zunächst in Glenn Millers „Chattanooga Choo Choo“, der damals nach dem großen Krieg auch nach Kötschenbroda fahren wollte, und der viel später dann noch einmal aufs Gleis gesetzt wurde, um als „Sonderzug nach Pankow“ eingesetzt zu werden. Uns sollte die Mitfahrt recht sein. Und: Wir brauchten uns um Pünktlichkeit und Zielrichtung nicht zu bangen, denn der Fahrplan war wohldurchdacht, ja regelrecht streng und präzise durchkomponiert. Der Zug hielt an fast allen wichtigen Themenschwerpunkten, den der wunderbar vorbereitete Rahmen vorgab, nämlich ein fiktives Programm des „Deutschen Fernsehfunks“. Dabei erfreulich, dass in allen Beiträgen die politischen Selbstherrlichkeiten früherer Tage weggelassen war. So konnte jeder der Mitreisenden bei 100-prozentigen Sitzplatzbesetzung die Zugfahrt, sagen wir es ruhig: „genießen“, und auch auf einer großen Leinwand als Fernsehbildschirm, gemütlich verfolgen. Die durchs Programm führende geputzte Moderatorin, Ramona Witting, überzeugte professionell ohne Fehl und Tadel. Sie muss beim Auswahlcasting zu Recht als Allerbeste durchgekommen sein.

Das Programm konnte nun seinen Lauf nehmen, eingeleitet von den Musiküssen, den Nachwuchsmusikanten, die sich ausführlich die „Bummi“-Geschichte vornahmen und lebendig präsentierten. Das wärmte die Gäste erst einmal fahrplanmäßig auf. Für den Rest der insgesamt zweieinhalbstündigen Fahrt war wohl für jeden etwas dabei:  u.a. die Volksmusik von Slavko Avsenik, einige Kult Hits des Ostrocks, Filmmusik und vieles mehr.  Als großartige Solisten erlebten wir den Pop-Barden mit dem Schlapphut und der hängenden Lippe  (Uwe Senglaub), und Nina Hagen (Susann Wagner), die ihren vergessenen Farbfilm bejammerte.  „Über Sieben Brücken“ durfte natürlich auch nicht fehlen, sie wurden begangen und erfreulich: sie hielten. David Haselhoff (Kevin Wehrmann) erschien abschließend mit „Looking for freedom“ und sorgte damit nochmal abschließend für ein großes Spektakel – bravo !

Noch ein Wort zu den Akteuren auf der Bühne: Es sollte mich nicht gewundert haben, wenn sie nicht vorher hinter den Kulissen mit Verpflichtungen im Kollektiv und auch mit Selbstverpflichtungen aufeinander eingeschworen worden wären. Das zeigte sich auch öffentlich, denn keiner versuchte den anderen zu überholen oder vom Stuhl zu drängen. Und sehr bemerkenswert:  In „Moll“ war insgesamt weniger zu hören, weil das zuversichtliche und frische „Dur“ dominierte. In einer sehr durcheinander gekommenen Welt konnte das Publikum die dargebrachte Harmonie als sooo wohltuend erleben. „Mit Musik geht alles besser…“ und kann wohl auch Narben glätten.

Und erst der Speisewagen!  Nur freundliches Kellnerpersonal. Mich hätte es letztlich nicht überrascht, wenn nicht auch Trüffelgerichte gereicht worden wären. Sehr lecker, vielfältig und ausreichend!  Wie auch die Gesamtorganisation mit historischem „Tanzbändchen“, Tischdekoration, freundlichen Einweisungen und Kaffeehausbetrieb. Nicole Göpfert, die Dirigentin und musikalische Moderatorin, verriet mir, dass die Grundidee von ihr stammte und sich Vorstand, Musiker und Förderverein in die Ausgestaltung des Konzertes ideenreich eingebracht haben. Großartig! – Es hat in uns einen so freudigen Nachklang. Applaus, Applaus und Dank!

Dr. Bödrich  –  Gast aus Geraberg