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Heimatgeschichte

von Alexandra

Frankenhain

Die verbreitete Auffassung, dass sich im Zeitraum von 531 – 834 durchziehende Franken niederließen und den Ort Frankenhain gründeten, ist durch nichts zu beweisen und unwissenschaftlich. Auf die fränkische Kolonisation in jener Zeit weisen Ortsnamen mit den Endungen auf -hausen, -feld, -dorf, -bach usw. hin.

Siedlungen mit den Endungen auf -roda, -hain, -hardt, -winkel, -ried, -berg, -burg, -eck, -stein usw. fallen in die Zeit der Rodungen von 800 – 1300. In die Frühzeit dieser Periode dürfte die Gründung Crawinkels fallen. Noch älter ist Gossel. Es zählt zu den ältesten Gründungen in unserem Teil des Kreisgebietes. Crawinkel und Gossel waren schon im frühen Mittelalter bedeutende Handelsplätze. Die Franken legten anfangs ihre Siedlungen auf den Höhen, in günstiger Verkehrslage und wirtschaftlich nutzbaren Gebieten an. Die Täler werden infolge ihrer Unwirtschaftlichkeit, Versumpfung, dichter Bewaldung, schlechten Verkehrslagen und geringer wirtschaftlicher Nutzung später erschlossen und gerodet. Erst im Zeitraum von 1050 – 1300 begann die Rodung dieser Wälder und die Erschließung der Täler. Die Orte Gräfenroda, Liebenstein und Frankenhain entstanden in der zweiten Hälfte dieser Periode. Die Erwähnung der Nachbarorte Frankenhains ist deshalb so wichtig, weil ohne sie die Entstehung und erste Entwicklung Frankenhains unverständlich bleibt.

Die Gründung Frankenhains erfolgte nach der Jahrtausendwende mit zunehmendem Handel und der Schaffung zusätzlicher Verkehrs- und Handelswege. Sie dürfte in den Zeitraum von 1100 – 1250 fallen.

Urkundlich wird Frankenhain zum ersten mal 1308 erwähnt.
(Andere Angaben sprechen auch  von 1301 bzw. 1289)

Handelsverbindung Norddeutschland – Süddeutschland

Die Entstehung und Entwicklung Frankenhains ist eng mit dem Ort Liebenstein und dem Handelsplatz Gossel verknüpft. In unserer engeren Heimat spielte schon sehr früh der Handel eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Produktivkräfte und neuer Produktionsformen. Hier liegen die Ursachen für die Entstehung Frankenhains.

Um die Produkte schneller als bisher an den Verbraucher zu bringen, schoben sich zwischen Produzenten und Verbraucher die Händler. Es entwickelte sich ein innerer Markt. Die Notwendigkeit des Handels ergab sich auch daraus, dass sich einzelne Städte auf bestimmte Gewerbe spezialisierten. So herrschte im Vogtland die Textilindustrie vor, in Nürnberg das Kunstschmiedehandwerk und Erfurt verdankt seine Bedeutung und seinen Reichtum dem Weidbau und -handel.

Von diesem Handelszentrum aus führte schon recht früh ein weit verzweigtes Netz von Handelsstraßen in alle Teile unseres Vaterlandes. Allgemein bekannt ist, dass für den Verkehr im Mittelalter nur die Höhenwege benutzt und die sumpfigen Täler gemieden wurden. Die alten Straßen führten also auch über den Kamm des Thüringer Waldes und kreuzten den Rennsteig bei Oberhof. Von diesem Punkt führten sie dann weiter nach dem Süden.

Die östliche Straße ging von Erfurt aus, sie wird bereits 1221 geschichtlich erwähnt. Sie verband den wichtigen Handelsplatz Mitteldeutschlands mit Nürnberg, der Handelsmetropole Frankens.

Eine zweite Straße, die ebenfalls Erfurt berührte, ging der Apfelstädt entlang, führte über Wandersleben und Mühlberg und kam schließlich über Horst und Klipper nach Crawinkel.

Dieser Ort war ehemals ein bedeutender Handelsplatz. Dort stand das Fuhrmannswesen in hoher Blüte. Diese Strecke Erfurt – Crawinkel war für die Handelsleute eine Tagesreise. Hierbei wurde Geleit gestellt, so dass diese Strecke einen besonderen Schutz genoss. In Crawinkel wurden auch die Geleitsleute gewechselt. Die neuen Begleiter führten die Kaufmannszüge über die Wegscheide nach Oberhof. Diese Wegstrecke war nur mit den größten Beschwernissen zu benutzen. Dazu kam, dass sie zu den unsichersten Wegstrecken von Norddeutschland bis Nürnberg gerechnet werden musste. An der Ochsenwiese bei Friedrichsanfang begann zudem der steile, mit vielen Schwierigkeiten verbundene Aufstieg durch den langen, tiefen und engen Steiger. Hier spielte sich der Verkehr nach einem „Fahrplan“ ab. Bis Mittag musste jeder Handelszug von Crawinkel auf der Wegscheide sein, ebenso musste der von Oberhof kommende dort Halt machen. So konnte es an dieser gefährlichen Wegstrecke zu keinen Stockungen kommen. Auch die Straße von der Wegscheide weiter nach Oberhof stellte hohe Anforderungen an Mann und Tier.

Notwendigkeit der Gründung Frankenhains

Ein weiterer wichtiger Höhenweg war auch die Verbindung Arnstadt über Gossel nach Oberhof mit der Zwischenstation Crawinkel. Da die andere Straße durch das Tal der Wilden Gera, die Waldschlucht der Wildwässer oft unzugänglich war, musste von Liebenstein über das „Läusebühl“, Frankenhain und den Diebstieg eine Nebenstraße geschaffen werden. Die Nebenstraße entlastete die Hauptstraße über Gossel und Crawinkel und wurde so dem zunehmenden Handel gerecht. Nun konnte man das Tal der Wilden Gera mit all` seinen Gefahren und Schwierigkeiten meiden. Das unwegsame Gisseltal eignete sich schon gar nicht als Handelsweg.

So wurde Frankenhain eine notwendige Gründung. Von hier aus begann der steile Aufstieg über den Diebstieg zur Wegscheide. Um den Anstieg überhaupt zu schaffen, musste im Ort vorgespannt, die Pferde gewechselt und beschlagen, Wagen repariert u.a. gemacht werden. Außerdem werden wegekundige Frankenhainer als Führer tätig gewesen sein. Die ersten wenigen Gehöfte waren ganz auf diese Dienste eingestellt. So wuchs Frankenhain neben der Burg Liebenstein zum wichtigen Stützpunkt des Handelsweges Arnstadt – Liebenstein – Frankenhain – Wegscheide – Oberhof.

Politische und wirtschaftliche Entwicklung

Unverkennbar bleibt über Jahrhunderte die enge wirtschaftliche, politische und kirchliche Bindung Frankenhains zu Gossel, Crawinkel und Liebenstein erhalten. Während viele notwendigen Lebensmittel von Gossel kamen, übten die Gerichtsbarkeit über Frankenhain bis zum letzten Jahrhundert die Besitzer des Gutes Liebenstein aus. Die Erwerbsmöglichkeiten der Frankenhainer blieben sehr gering. Die enge Bindung an die Nachbarorte war eine Lebensnotwendigkeit. Die Einwohnerzahl war ca. 150. Die ewigen Unruhen im 14. Jahrhundert in Thüringen brachten viel Leid und Not. Die Kriege der Landgrafen und die Festigung ihrer Hausmacht förderten Hunger, Elend, Armut und Seuchen.

Am 25. Juni 1348 wurde auch Frankenhain von einem großen Erdbeben heimgesucht. Über das Ausmaß der Schäden ist nichts bekannt. Zu allem Unglück brach 1349 die Pest aus. Die erste große deutsche Revolution 1524 / 25 erfasste auch die wenigen Frankenhainer, die sich den revolutionären Aktionen in den Nachbarorten für die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage anschlossen.

Luthers Reformation fand schon 1529 Einzug in Frankenhain. Zum Gottesdienst gingen die Frankenhainer nach Crawinkel, da sie keine eigene Kirche hatten.

Der 30-jährige Krieg verschonte den Ort nicht. Sengend, raubend und mordend zogen die Söldner der verschiedenen Parteien durch unser Dorf.

1630 bricht erneut die Pest aus. In jenen Jahren wurde die schon geringe Bevölkerung stark dezimiert. Furcht, Aberglaube, Not und Elend waren die Geißel, die schrecklich auf allen lagen.

Die Waldarbeit fasste immer mehr Fuß. Dadurch verbesserte sich die wirtschaftliche Lage.

Am Ende des 17. Jahrhunderts, nach der Aufteilung des Erbes Herzog Ernst des Frommen, war unser Thüringen zerstückelter denn je.

Da nun die Flüsse sich wenig nach den Grenzen richteten, mussten die einzelnen Ländchen eines Flußgebietes Flößkontrakte abschließen. Bisher war das Holz aus dem Herzogtum Gotha auf der Gera durch schwarzburgisches Gebiet geflößt worden. Im Anfang des Jahres 1691 stellte aber die Gräflich Schwarzburgisch – Arnstädtische Kammer so schwere Bedingungen, dass der damalige Leiter der Gothaischen Flößer, der Berghauptmann Georg Christoph von Uetterodt aus Ilmenau sie als unerträglich und es als schimpflich bezeichnete, wenn man „selbige eingehen und sich gleichsam als Sklaven machen sollte“. Uetterodt sollten 1692 / 93 und 1694 jährlich 600 Klafter nach Erfurt flößen dürfen und dafür für jeden Klafter 4 gute Groschen, macht 1000 Taler in „einer unzertrennten Summe an gangbaren unverrufenen groben Sorten zahlen“, auch wenn weniger Holz geflößt würde, 1000 Taler Kaution stellen, für alle Schäden aufkommen und anderes mehr.

 Uetterodt schlug daher der herzoglichen Kammer den Bau eines Flößgrabens von der Lütsche über Frankenhain bis in das „heringische Wasser“ (die Ohra) vor. Der Graben sollte nur Gothaisches Gebiet berühren. Die Richtung wurde mit Hilfe der Wasserwaage bestimmt. Innen war der Graben mit Brettern ausgeschlagen, damit die Scheite überhaupt fortschwammen, denn viel Wasser hatte man nicht zur Verfügung. Der Graben begann etwa am heutigen Langen Grundteich, führte dann am Hang des Borzels, Diebstiegs und Eisenbergs hin durch die Rumpel, oberhalb Friedrichsanfang am Kienberg entlang und mündete hier in die Ohra. Im Jahr 1712 wurde zum ersten Mal geflößt und schon 1706 waren Reparaturen in der Aue und am Kienberg nötig.

Es wurde mit der rückwärtigen Verlängerung des Grabens von der Lütsche bis ins Kehltal begonnen. Man wollte noch mehr Waldungen am Schloßberge, am großen und kleinen Löffelbühl, Eckhartsberg, Tragberg usw. für die Flöße erschließen und dadurch die vorderen Waldungen schonen. Dieser Bau ist nie beendet worden, er scheiterte an der Geldfrage.

Eine Merkwürdigkeit, wie sie in Thüringen wohl einzig dasteht, ist eine Stelle am Tragberg: der Ausgebrannte Stein. In einer Länge von 35 Metern (Höhe 2,30 m, Breite 2,20 m) hat man hier einen Tunnel durch den Porphyr gebrochen. Das Gestein wurde durch Feuer erhitzt, hierdurch ausgedehnt und erhielt durch die nachfolgende Abkühlung, vielleicht durch Übergießen mit Wasser, Sprünge und Risse. Dann konnte mittels der gewöhnlichen Werkzeuge der Bergleute das Gestein herausgearbeitet werden.

Den Betrieb auf dem Flößgraben hatte man sich folgendermaßen vorgestellt: Das den Sommer bis Winter über geschlagenen Holz wurde an bestimmten Einwurfstellen aufgestapelt. Fing nun im Frühjahr die Schneeschmelze an, so leitete man im Kehltal Wasser in den Graben und begann mit der Flöße. Bewohner der Dörfer in der Nähe sollen strafweise dazu mit angestellt worden sein, die mit Stangen die Scheite vom Ufer aus lenkten. Der Flößmeister zu Pferd beaufsichtigte die Arbeiten. Das Holz schwamm dann weiter auf der Ohra in die Apfelstädt, bis zu seinem Bestimmungsort, meist Erfurt, wo es verkauft wurde.

In den Jahren von 1702 – 1719 wurde nur 11 mal insgesamt 13 858 ¹/2  Klafter geflößt. (1 Klafter = 40 000 m³) Der Uetterodtsche Graben soll über 50 000 Taler gekostet haben. Da umfangreiche Reparaturen notwendig waren und das Verhältnis Aufwand – Nutzen ungünstig war, wurde der Betrieb wieder eingestellt. Außerdem erhielt Uetterodt nur spärliche Unterstützung. Der Herzog brauchte alles Geld für seinen Hof und für das Heer. Damals suchten die thüringischen Kleinfürsten den Prachtaufwand von Versailles und Dresden nachzuahmen. Das Wohl der Landeskinder aber galt wenig.

Um 1706 starb Uetterodt. Bald danach verfiel auch sein Werk. Die Verschalung wurde gestohlen oder verfaulte. In den Jahren 1743 – 45 schien es, dass der Graben noch einmal in Betrieb kommen sollte, allerdings zu einem anderen Zweck. Der Crawinkler und der Wölfissche Müller bemühten sich lange um Erlaubnis, im alten Flößgraben den Wasserabfall aus den Teichen im Langen Grund auf ihre Mühlen leiten zu dürfen. Acht Tage hatten sie schon an der Wiederherrichtung gearbeitet, als ihnen die Erlaubnis wieder entzogen wurde. Der Lütscher Müller und andere hatten Protest erhoben. In der Nähe des Gossler Springs zeigt heute der Flößgraben noch eine tiefe Kerbe. Es ist möglich, dass man hier das Wasser herunter leiten wollte. Der Crawinkler Müller hatte nur „ein geringes Flüßgen, welches man im Sommer mit der Handt schätzen könne“, zur Verfügung. Er musste das Wasser, wenn er mahlen wollte, erst in einem Teich sammeln. Heute sind nur noch wenige Spuren einer Mühlenanlage zu finden.

Nachdem der Versuch der beiden Müller gescheitert war, wurden lange Teile des Kunstgrabens zum Straßenbau verwandt.

Der Flößgraben bietet noch heute die Möglichkeit zu reizvollen Wanderungen am Hange des Hochwaldes unserer schönen Heimat.

Bevölkerung, Industrie und Landwirtschaft

Auch im 18. und 19. Jahrhundert besserte sich die wirtschaftliche und soziale Lage der Frankenhainer nur unbedeutend und sehr, sehr langsam. Noch bis zu Beginn unseres Jahrhunderts bestimmten feudale Verhältnisse die Lage der Einwohner.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigten sich die ersten Anzeichen einer spärlichen industriellen Entwicklung. Sie war jedoch ganz auf die Rohstoffe der heimischen Wälder abgestimmt, den Unstetigkeiten der kapitalistischen Entwicklung in den Städten und den Witterungsextremen jener Zeit in unserem Ort unterworfen.

1750 bestand Frankenhain aus 75 Häusern und 316 Einwohnern.

Bis 1799 war die Häuserzahl auf 80 angewachsen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl 380.

1852 zählte man in Frankenhain 105 Häuser mit 581 Einwohnern.

1860 hatte Frankenhain 618 Einwohner und

1868 bestand nach amtlicher Zählung der Ort aus:

  • 119      Eheleuten,
  • 36        Witwen,
  • 110      Knaben,
  • 90        Mädchen,
  • 146      ledigen Personen,
  • 6          ausländischen Personen. (insgesamt 626 Einwohner)

1877 wurden 724 Personen in 138 Häusern gezählt.

1882 steigt die Einwohnerzahl vorübergehend auf 965, da 164 Ausländer, die beim Bahnbau Erfurt – Meiningen eingesetzt wurden, untergebracht waren.

1890 waren 820 Seelen in Frankenhain.

Jahr Einwohner Häuser
1750 316 75
1799 380 80
1852 581 105
1860 618
1868 626
1877 724 138
1882 965
1890 820

Im 19. Jahrhundert konnte die Waldarbeit die Ernährung der Einwohner nicht mehr gewährleisten. An landwirtschaftlicher Nutzfläche standen dem Ort nur 250 a zur Verfügung. Für mehr als

2000 Taler wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Ankauf eines Gutes die landwirtschaftliche Nutzfläche auf 750 a vergrößert.

Der Viehbestand war aber sehr gering.

1892 zählte man 134 Rindvieh und 167 Ziegen.

Bis 1897 stieg der Viehbestand auf 12 Pferde,132 Rinder, 2 Schafe, 240 Schweine, 205 Ziegen.

58 Kaninchen und 1166 Stck. Federvieh.

Das eigene landwirtschaftliche Aufkommen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte den Lebensmittelbedarf der Bevölkerung jedoch nicht decken. Die Lebensmittelpreise waren entsprechend dem Einkommen sehr hoch und je nach Ausfall der Ernte recht unterschiedlich.

Marktpreis für Gotha 1885 Marktpreis für Gotha 1911
1 dz Weizen 15 – 16 Mark 19 – 20 Mark
1 dz Roggen 14 – 16 Mark 17,60 – 18,40 Mark
1 dz Gerste 14 – 15 Mark 19 – 21 Mark
1 dz Hafer 13 – 15 Mark 18 – 20 Mark
1 dz Erbsen 15 – 16 Mark 30 – 38 Mark
1 dz Linsen 20 – 28 Mark 32 – 48 Mark
1 dz Bohnen 22 – 23 Mark 28 – 34 Mark
1 ztr. Stroh 1 – 2 Mark 2,60 – 3,20 Mark
1 ztr. Heu 2 – 3 Mark 4,20 – 5,20 Mark
1 ztr. Kartoffeln 3,80 – 5,00 Mark

Arbeitslohn einer Handschuhanfertigen pro Woche = 1 Taler 10 Groschen.

Die Landwirtschaft war von den Witterungsextremen abhängig. Im Jahr 1860 musste in den Sommermonaten geheizt werden; im Sommer 1863 tobten heftige Stürme mit Hagel. Am Eisenberg wurden 250 Bäume niedergeworfen, auf den Feldern die Körner ausgeschlagen.

Ein sehr langer Winter und heißer Sommer prägte das Jahr 1865. Ein heftiges Gewitter im August 1870 lässt die Gissel so ansteigen,, dass mehrere Brücken weggerissen wurden in Frankenhain. Starke Nachtfröste im Frühjahr und Frühsommer prägten das Jahr 1884. Der August dieses Jahres wurde der heißeste Monat genannt. 1892 tobte ein schweres Gewitter; durch Blitz wurden am 17. Juli 17 Ziegen getötet. 1911 erlebten die Frankenhainer noch einmal ein ähnlich heißes Sommerwetter. Die Schäden für die Landwirtschaft waren in jenen Jahren oft beträchtlich. Die Hausbettelei und Vagabundage nahmen beträchtlich zu.

Neben der Landwirtschaft gab es noch eine kleine Zahl Holzhauer, Handwerksleute, Harzscharrer, Pechmacher, Kienrußbrenner, Kienrußfaßmacher, Fichtensamensammler, Kräutersammler und Mühlsteinhauer.

Meist musste die Arbeit unter Einsatz des eigenen Lebens ausgeführt werden. (1855 Friedrich Wilhelm Langenhan; 1860 Heinrich Christian Fischer)

1881 stirbt im Alter von 84 Jahren Christian Hoffmann. Seinen Angaben gemäß hatte er in 70 Jahren 500 Botengänge nach Arnstadt besorgt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Fabrikation von Pech und Kienruß zu. Die Gebrüder Morgenbrodt erweiterten ihr Geschäft durch zwei neue Hüttenbauten.

Der Kaufmann Friedrich August Morgenbrodt betrieb 1860 ein Knopfgeschäft in großem Maßstab. Für ihn arbeiteten 90 Familien.

In den 70er Jahren nahm die Fertigung von Delikatessenfäßchen aus Pappelholz zu.

In den 80er Jahren geht die Ziegelei von Gottfried Sommer ein, Christian Möller richtete sie zu einer Faßfabrik ein.

Ungefähr 20 Mädchen fertigten Handschuhe für die Handschuhfabrik an in Arnstadt.

1895 wurde von einem Zugezogenen Gräfenrodaer eine Tierkopffabrik gegründet.

Soziale Verhältnisse

Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse förderten auch ständig Krankheiten und Seuchen. 1856 erkrankten 100 Frankenhainer an Blattern, 23 starben. 1867 starben 7 Kinder an Scharlach und Rachenbräune. 1879 starben 2 an Diphterie und einer verhungerte. Bei der 1885 ausgebrochenen Masernepidemie starben 5 Kinder im Alter von ein bis eineinhalb Jahren.

Nicht zuletzt waren es Armut und Elend, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts 6 Frankenhainer zum Auswandern nach Amerika zwangen. Unter ihnen waren die Gebrüder Kehl, Eduard Fischer und Franz Möller. Noch vor der Auflösung des Dorfes Lütsche kamen 3 Familien nach Frankenhain.

Der Lütschegrund ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Die Steinbrüche am Borzel und an der Hohen Warte wurden zur Gewinnung von Mühlsteinen genutzt. Am Eingang zum Ensebach stand bereits im 16. Jahrhundert eine Siedlung, die aber im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dort eine Schleifhütte errichtet, später siedelten sich Waldarbeiter an und gründeten das Dorf Lütsche.

Die feudalen Zustände noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bedrohten die Existenz dieses Ortes und führten schließlich in den Jahren 1859 bis 1865 zur Auflösung des Ortes. Im Jahr

1867 wurde der ehemalige Schulze der Lütsche am 3. August beim Wildern am Schloßberg erschossen.

Kommunalpolitik

 Durch die ungünstige Lage und schlechten Verkehrsbedingungen des Ortes, die ungerechte Besitzverteilung und Machtausübung der gothaischen Herzöge war es kaum möglich, eine selbständige und eigenverantwortlichen, dem Wohle der Einwohner dienende Kommunalpolitik zu führen. Nur sehr langsam gelang es den Einwohnern und den in der Gemeinde tätigen Verantwortlichen durch Fleiß, Strebsamkeit und Ausdauer, die Lebensbedingungen allmählich etwas zu bessern. Der Einfluss der Kirche auf die Schulbildung, der Aberglaube, der Untertanengeist und die politische Unkenntnis hemmten die kommunale Entwicklung. Nach dem Verkauf von 120 a Land und 90 Ruthen Holz an den Staat für 6000 Taler besaß die Gemeinde Frankenhain in der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch 300 a Waldungen. Die Bestände befanden sich im Wolfstal, im Grafensgrund, Müllersgrund, Gisselgrund und in der Rumpel.

Dem Schenkwirt wurde der „Frusch“ verpachtet. Verpachtet wurden die Obstpflanzungen am Kirchberg, an der Straße nach Gräfenroda, an der Trift und in der Gissel.

Verschiedene Gerechtigkeiten mussten die Einnahmen der Gemeinde erhöhen:

  1. Die Schenkgerechtigkeit für jährlich 100 Taler
  2. Die Schaftriftgerechtigkeit für jährlich 23 Taler
  3. Die Weidegerechtigkeit für rinder in herrschaftlichen Waldungen
  4. Die Leseholzgerechtigkeit

Außerdem bestand noch Lehensherrlichkeit über einige Häuser.

Im Jahre 1826 wurde die Schenke mit Brauhaus, Armen-, Spritzen- und Hirtenhaus neu erbaut.

1863 wurde eine neue Gewerbeordnung eingeführt.

Durch den Bau von 2 neuen Brunnen (1866) besaß Frankenhain nun 8 Brunnen.

Für 80 Taler wurde die Spritzenmannschaft im gleichen Jahr neu organisiert. Im Jahr 1886 forderte man wegen schlechter finanzieller Lage der Gemeindekasse eine bisher nicht zu zahlende Kommunalsteuer (Klassensteuer und Grundsteuer). Ebenso musste Schulgeld entrichtet werden, und zwar 50 Pfennig für ein Kind im Jahr. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann nun eine rege Bautätigkeit, eine Aktivierung des sportlichen und kulturellen Lebens. Immer deutlicher wurde der Trend zum künftigen Kur- und Erholungsort sichtbar. Die ideale ruhige Waldlage, die klare, würzige Luft, das eisenhaltige Bergquellwasser, die Gastfreundschaft der Einwohner und die Aussicht auf neue Erwerbsmöglichkeiten ließen den Kurbetrieb schon um die Jahrhundertwende seinen ersten Höhepunkt erreichen. So wurde 1873 für 500 Taler die Triftstraße gebaut.

Am 29. Juli 1877 fand auf dem Gänserasen das Jahresfest des Sängerbundes „Vor dem Walde“ statt. 17 Gesangsvereine beteiligten sich an dieser Veranstaltung. Die 13 zum Sängerbund gehörenden Gesangsvereine überreichten den Frankenhainern die Bundesfahne.

Im Jahre 1891 wurde der Konsumverein gegründet (Vorstand: Maurer Hermann Kiesewetter und Tüncher Louis Fischer)

1892 erfolgte die Gründung der Postagentur, welche von Schuhmacher Wilhelm Landmann verwaltet wurde. Der Schneidemüller Hugo Seyfried übernahm dies später.

In den ersten drei Jahren des 20. Jahrhunderts entfaltete die „Liedertafel“ eine rege Tätigkeit. Sie wurde gekrönt durch das große Sängerfest 1902. Schon 1901 erregte die Aktivität des „Thüringer Waldvereins“ (Kurverwaltung) große Aufmerksamkeit. Auf sein Wirken ist die Fertigstellung der Badeanstalt im Jahre 1903 zurückzuführen.

1902    wurde die Jägerstraße gebaut.

1908    weilten bereits viele Kurgäste im Ort. Die Bautätigkeit hatte einen besonderen Höhepunkt erreicht.

1910    erfolgte die Gründung des Wintersportvereins.

1911    begann der Bau der Wasserleitung.

Die „Liedertafel“ feierte 1912 ihr 50-jähriges Bestehen.

Es gab noch keinen Anschluss an die elektrische Überlandleitung.

Kirche

Frankenhains Kirche gehört zu den schönsten Barockbauten Thüringens. Der Bau der Kirche begann im Jahr 1719 und wurde 1722 beendet. Der Preis dafür betrug 4116 Taler, 12 Groschen und 10 Pfennige. Der Einfluss der Kirche war im 18. und 19. Jahrhundert besonders stark. So führten die Vertreter der Kirche die Oberaufsicht über die Schule und beteiligten sich an kleinen privat-kapitalistischen Unternehmungen. Das Vermögen der Kirche betrug zu dieser Zeit ungefähr 40 TM Sie besaß 1827 allein am Eisenberg 244 a und 73 Ruthen Wald, außerdem 240 a Ackerland, 15 Grabländer und 2 Wiesen, die sie verpachtet hatte. Gemeinsam mit der Gemeinde führte sie zu dieser Zeit eine Pechhütte. Seit 1725 besaß Frankenhain einen eigenen Pfarrer.

Von 1725 bis 1728 wirkte der über die Grenzen Thüringens hinaus bekannte Organist und Komponist Johann Peter Kellner in unserem Ort.

Von 1725-27 wurde das erste Pfarrgebäude erbaut.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es zahlreiche Reparaturen und Veränderungen, die der Kirche ihr heutiges Gesicht gaben. 1837 erfolgte die Verlegung der Sakristei unter die Kanzel. Der erste Orgelbau aus dem Jahre 1720 für 441 Taler und 12 Groschen wurde im Jahre 1839 durch einen neuen Orgelbau für 1200 Taler ersetzt. 1851 wurden die Kirchenstände vermehrt. Die Vergoldung der Kuppel und des Ziffernblattes erfolgte 1864.

Schule

1730 wurde aus Kirchenmitteln das erste Schulhaus gebaut. (324 Taler, 2 Groschen und 6 Pfennige) Das Schulhaus hatte nur 2 Stuben, 4 Kammern, eine Scheuer, einen Kuhstall, einen Futterboden und einen Holzstall. 1846 bis 47 wurde ein neuer Schulsaal angebaut. (805 Taler, 10 Groschen und 5 Pfennige) = Schule Ohrdrufer Straße. Zur Schule gehörten 15 a Land, 1,5 a Wiesen, 5 Grabländer auf der Heide und im Wolfstal und ein Gras- und Grabgarten an der Wohnung.

Durch den Eisenbahnbau erhielt Frankenhain 1882 einen Zuwachs von 20 Kindern, meist katholischer Konfession. Die Schülerzahl stieg somit auf 165.

Eisenbahn

Durch den Bau der Eisenbahn Gotha – Gräfenroda bekam Frankenhain Verbindung an die Städte Ohrdruf und Gotha sowie an die Bahnlinie Erfurt – Meiningen und damit besonders an die Kreisstadt Arnstadt. Dies begünstigte Handel und Gewerbe. Ein erstarkendes politisches Bewusstsein war zu verzeichnen durch die hier tätigen Fremdarbeiter und den Anschluss an die Städte. 164 „Ausländer“ waren als Bahnarbeiter, Steinhauer in Frankenhain wohnhaft (Tschechen, Italiener, Bayern, Schwaben, Tiroler)

Im Jahr 1880 wurde mit dem Bau der Bahnstrecke Erfurt – Ritschenhausen – Meiningen begonnen. Die Bahnstrecke Gräfenroda – Ohrdruf wurde 1886 abgemessen und abgesteckt. Die Eröffnung dieser Strecke fand am 01.11.1892 statt. Im Jahr 1894 fuhr Herzog Alfred mit seiner gesamten „erlauchten Familie“ durch Frankenhain. Schultheiß Landmann begrüßte ihn.

Politische Entwicklung

 Im Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 blieb der Ort verschont. Die Frankenhainer wurden wochenlang  von den Bayern, die durch den Thüringer Wald zu brechen suchten, um sich mit den Hannoveranern zu vereinen, in Furcht und Schrecken gehalten. Aber es folgte kein Durchmarsch und es gab keine Einquartierung.

14 Frankenhainer nahmen am Deutsch – Französischen Krieg 1870 / 71 teil. Einer wurde verwundet. In den folgenden Jahren wurden auf herzogliche und kaiserliche Anweisung regelmäßig in Schule und Öffentlichkeit die deutschen Siege während des Deutsch – Französischen Krieges in chauvinistischer und nationalistischer Manier gefeiert. Die Gedenkfeiern zu Ehren der Völkerschlacht bei Leipzig blieben ohne Würdigung der deutsch – russischen Waffenbrüderschaft. Preußische Traditionen, Respekt vor dem Glanz der Uniform, Existenzangst, unpolitische Schulerziehung unter Einfluss der Kirche hielten den Untertanengeist wach. Politische Bekenntnisse gab es zu Beginn der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht. Gewonnene Kenntnisse Einzelner formten ganz allmählich ein ständig wachsendes politisches Bewusstsein der Bewohner. Am 21.02.1887 wurde ein gothaischer Abgeordneter für den Deutschen Reichstag aufgestellt.

  • 98        Stimmen für   nationalliberalen Kandidaten Henneberg
  • 46        Stimmen für   sozialdemokratischen Kandidaten     Bock
  •   2        Stimmen für   deutschfreisinnigen Kandidaten        Wolff

 

Reichstagswahl 1890 Reichstagswahl 1893 Reichstagswahl 1898
91 St. f. Kand. Bock 98 St. f. Kand. Kerkhoff (nationall.) 101 St. f. Kand. Bock
26 St. f. Kand. Henneberg 39 St. f. Kand. Bock
  6 St. f. Kand. Heller (deutschfreis.)

 

  • Landtagswahl 1904:
    • Sieg der Sozialdemokratischen Partei
  • Reichsstagswahl 1912:
    • 175 Stimmen Kandidat Bock
    • 30 Stimmen Kandidat Prof. Krüger-Kahlenberg
    • 9 Stimmen Fabrik Krause

Lütsche – Steinbrüche:

  • Fertigung von Mühlsteinen durch Crawinkler und Frankenhainer Maurerfamilien von 1366 – 1861
  • Versand in alle Welt bis Amerika – Erwerbsmöglichkeiten als Steinbrecher und Fuhrleute für viele Bewohner der umliegenden Orte.

Flößgraben:

  • Gebaut auf Initiative des Ilmenauer Berghauptmanns Georg Christoph von Uetterodt, 1702 – 1719 in Betrieb
  • Beginn des Flößgrabens: Kehltalsteich – Ausgebrannter Stein – Sieglitzteich – Lütsche – Borzel – Diebstieg – Eisenberg – Rumpel – Friedrichsanfang – Ohra.
  • Länge: ca. 26 km
  • Baukosten: 50 000 Taler
  • geflößte Holzmenge: ca. 40 000 m³
  • 1719 Verschuldung von über 100 000 Talern

Dorf Lütsche:

  • Erste urkundliche Erwähnung 1587 (Mühle), Zerstörung im 30-jährigen Krieg
  • 1665: 2 Häuser (Schleifhütte und Backhaus), 9 Einwohner
  • 1758:  7 Häuser mit 40 Einwohnern
  • 1858: 9 Häuser mit 128 Einwohnern
  • Not und Elend bringen Waldarbeiter in Konflikt mit feudaler Gesetzgebung.
  • Herzog Ernst II. Von Sachsen – Coburg – Gotha beschließt die Auflösung des Ortes, 1859 – 1864 erfolgte die Aussiedlung der Einwohner und Abriss der Gebäude.

Diebstieg:

  • Gefährlichster Teil der mittelalterlichen Handelsstraße Arnstadt – Liebenstein – Gräfenrodaer Berg – Frankenhain – Diebstieg – Oberhof
  • Pferdewechsel und Reparaturen erfolgten im Ort Frankenhain.
  • Entlastung der Hauptstraße Erfurt – Arnstadt – Crawinkel – Oberhof – Nürnberg

Lütsche-Talsperre:

  • Baubeginn März 1935 – Bauende September 1937
  • Einsatz von 400 Arbeitern
  • Ursprünglicher Zweck: Kalkfreies Wasser für die Reichsbahndirektion Erfurt
  • Becken (Fassungsvermögen): 1,1 Mio. m³
  • Länge: 1,0 km
  • größte Breite: 300 m
  • größte Tiefe: 22 m

Seit dem Jahre 1366 wurden von Maurerfamilien am Borzel Mühlsteine in den dortigen Steinbrüchen gehauen. (bis zum Jahre 1891) Der Versand ging fast bis in die ganze Welt. Viele Mühlsteine gingen nach Amerika. Sie wurden in Holland und teilweise in Hamburg verfrachtet. Das Brechen der Steine bis zur Anfertigung des Rohlings war eine sehr schwere, anstrengende und gefährliche Arbeit. Die Rohlinge wurden dann in die Mühlsteinhütte gefahren, um von erfahrenen Mühlsteinhauern versandfertig gemacht zu werden. Der letzte Mühlsteinhauer war Max Schwarz (geb. 27.05.1890 – 1983). Der Steinbruch wurde von den Gebrüdern Schwarz geleitet. Dieselben hatten den Betrieb vom Vater übernommen.

Die Gebrüder Schwarz hatten drei Steinbrüche:

  • 1 Bruch an der Hohen Warte
  • 1 Bruch in der Sieglitz
  • 1 Bruch über dem Brandleitetunnel in Richtung Schmücke

Der 92-jährige Max Schwarz erzählte:

Als Lehrling musste er erst in der Schmiede arbeiten, um die verschiedensten Werkzeuge zu schärfen und zu härten. Die tägliche Arbeitszeit betrug 9 bis 10 Stunden. Der Anmarsch von Frankenhain bis zum Arbeitsplatz etwa 2 Stunden, das gleiche galt für den Heimweg. Der wöchentliche Verdienst betrug 18 bis 20 Mark. Oft hatte man viele Stunden und Tage gearbeitet, um einen Rohling zu gewinnen. Wenn dieser noch zersprang, war alle Mühe umsonst.

Die herausgearbeiteten Rohlinge wurden nach Frankenhain transportiert und in der Mühlsteinhütte auf der Trift (jetzt Triftstraße 20) versandfertig gemacht. Die kleinsten Steine hatten eine Größe von 60 cm und eine Stärke von 18 – 20 cm.(2 Steine senkrecht und 1 Stein waagerecht). Für Getreidemühlen wurden die Steine meist 95 cm bis 105 cm groß gemacht (galt für Mühlen mit Wasserantrieb). Die größten Steine wurden für Windmühlen mit einem Durchmesser von 120 cm gefertigt. Ein solcher Mühlstein kostete 100 bis 120 Mark.

Die letzten Mühlsteine in Frankenhain wurden 1907 gehauen. Urlaub oder sonstige soziale Einrichtungen gab es damals noch nicht, auch keine bezahlten Feiertage.

In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde die Gemeinde Frankenhain (am 10.04.1945) von amerikanischer Artillerie beschossen. Durch den Beschuss entstand großer Sachschaden an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Außerdem wurden mehrere Personen verletzt und 11 Einwohner erlitten tödliche Verletzungen.

  • Gründung des Turnvereins „Gut Heil“ am 23.05.1884 mit 12 Mitgliedern. „Gut Heil“ war gleichzeitig der Sportgruß. Die sportliche Betätigung lag vorwiegend in Gymnastik, Geräteturnen, Kraftübungen, Wandern, Freiübungen. Der Verein hat sich selber finanziert. 1905 fand die erste Fahnenweihe des Vereins „Gut Heil“ statt. Vereinslokal war die Gaststätte „Thüringer Wald“- jetzige Inhalatorenfabrik. Der Turnplatz war auf der Heide.
  • 1910 fand die Gründung des Arbeitersportvereins „Frei Heil“ statt. Der Verein musste sich auch ausschließlich selbst finanzieren. Sportgeräte, Sportbekleidung, Fahrkarten u.a.m. wurden von den Vereinsmitgliedern bezahlt bzw. entstammten aus Einnahmen von Turnfesten und Tanzveranstaltungen mit vorangegangenen sportlichen Übungen.
  • Der erste Weltkrieg legte die sportliche Betätigung im Ort lahm. Die Aktivierung des sportlichen Lebens erfolgte nach dem ersten Weltkrieg.
  • Die Turnriege war die beste der ganzen Umgebung = Turnverein „Frei Heil“.
  • Der Turnverein „Gut Heil“ spielte nur noch Fußball.
  • Im August 1925 wurde auch unser jetziger Sportplatz eingeweiht. In den Jahren ab 1920 wurde auch in Frankenhain ein Wintersportverein durch die  Gebrüder Friedrich und Alfred Langenhan gegründet. Es wurde Rodel- und Bobsport sowie Skilanglauf betrieben.
  • Walter Heißner organisiert bereits im Herbst 1945 die ersten Fußballspiele. Innerhalb kurzer Zeit hatte Frankenhain wieder eine:
    • 1. und 2. Mannschaft Fußball
    • 1 Jugendmannschaft Fußball
    • 1 Schülermannschaft Fußballel1
  • 1946 wurde die Sportgemeinschaft „Eintracht Frankenhain“ ins Leben gerufen. Vorsitzender war bis 1949 Fritz Bickel. Ihm ist es auch zu verdanken, dass in Frankenhain und im Kreis Wintersport wettkampfmäßig und in großer Breite betrieben wurde. Bei allen Sportveranstaltungen war trotz materieller und finanzieller Schwierigkeiten eine große Begeisterung vorhanden.
  • 1949 – 52 leitete Otto Kühner die Sportgemeinschaft, er war gleichzeitig Sektionsleiter Fußballel1
  • 1952 – Gründung der BSG „Motor“ Frankenhain
    Trägerbetrieb wurde das Schraubenwerk . Es war eine Wende im sportlichen Leben des Ortes eingetreten. Der Trägerbetrieb gab nun materielle und finanzielle Unterstützung. Erster BSG-Leiter bis 1955 war Willi Landmann. Von 1955 – 64 war es Huldreich Zimmermann. An seiner Seite stand als Leiter des Fußballs Walter Pflügner.
  • 1952 erfolgte der Bau der Sprungschanze.
  • Die Sektion Ski wurde unter Leitung von Willi Haak, Joachim Balzer, Klaus Schlundt, Wolfgang Graf zur größten und erfolgreichsten Sektion der BSG.
  • 1966 erfolgte die Gründung des Stützpunkte Biathlon des ASK Oberhof, der später vom Trainingszentrum Biathlon / Nordisch abgelöst wurde. Die Wintersportler errungen viele Meistertitel bei Kreis- und Bezirksspartakiaden sowie Bezirksmeisterschaften. Aus der Sektion wurden:
    • Matthias Meister: DDR-Meister im Schüler-Biathlon; Spartakiadesieger im Jugend-Biathlon
    • Andreas Reutermann: DDR-Meister im Schüler Biathlon
    • Heike Schlundt: Spartakiadesieger im Schüler-Langlauf
    • René Rosendorff: Spartakiadesieger im Jugend-Biathlon
  • 1958 erfolgte die Gründung der Landgemeinschaft Schach Frankenhain / Gräfenroda, die sich im Kreis- und Bezirksmaßstab einen guten Namen verschafft hat.
  • 1964 übernahm die Leitung der BSG Walter Pflügner, der gleichzeitig über viele Jahre der Organisator des sportlichen Lebens in Frankenhain mit war.
  • 1968 erfolgte die Einweihung der neuen Turnhalle im Bereich des Schulgeländes, deren Bau durch Initiative der Sportler und der Bevölkerung des Ortes mit unterstützt wurde.
  • 1968 erfolgte auch die Gründung einer Sektion Turnen / Gymnastik durch den Sportlehrer Hans Bichler und die Bildung einer Frauen-Gymnastikgruppe.
  • 1972 – 74 wurde Heinz Passerini mit der Leitung der BSG „Motor“ beauftragt. 1974 übernahm Klaus Schlundt die Leitung. Durch zielstrebige und organisierte Leitungstätigkeit sowie kollektive Verantwortlichkeit entwickelte sich die BSG „Motor“ zu einer der erfolgreichsten Landsportgemeinschaften im Kreis Arnstadt. Sie wurde mehrfach Sieger im Wettbewerb der Kreisorganisation des DTSB der DDR.
  • Unter der Leitung des DTSB entstand 1983 / 84 ein Mehrzweckgebäude für das TZ Biathlon.

Das Schraubenwerk Frankenhain

Die Werktätigen dieses Betriebes konnten ihre Warenproduktion und Arbeitsproduktivität in den letzten Jahren kontinuierlich erhöhen und die Auszeichnung

„Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“

erringen. Umfangreiche Investitions- und Rationalisierungsvorhaben wurden realisiert, wie z.B.: 

  • neue Automatensäle
  • das Werkrestaurant einschließlich Küche, Umkleideräume und Heizhaus sowie Um- und Ausbauten einer Vielzahl von Produktionsräumen und
  • 1984 der erste Roboter im Betrieb

Die Gemeindeschenke

 Umfangreiche Werterhaltungsmaßnahmen wurden in der Gemeindeschenke durchgeführt, u.a. 

  • neue Fenster
  • neue Außenbeschieferung
  • neue Sanitäranlagen
  • neue Kücheneinrichtung
  • Umbau der Gasträume

 Enorme Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen für das Kollektiv der Konsum-Gaststätte!

Der neue Urlauber-Clubraum (Mai 1980)

Für die bessere Betreuung der Urlauber wurde ein Clubraum errichtet. Dieser Clubraum ist besonders für den Aufenthalt an Tagen mit ungünstiger Witterung gedacht. Es sind Räume vorhanden für den Ausleihdienst von 

  • Liegestühlen
  • Kleinsportgeräten
  • Skiern
  • Schlittschuhen
  • Schlitten

In Abstimmung mit dem FDGB-Feriendienst können die Räume und Einrichtungen außerhalb der Saison von gesellschaftlichen Organisationen genutzt werden.

FDJ (Juni 1976)

Als Grundvoraussetzung einer guten Jugendarbeit wurde durch den RdG in Zusammenarbeit mit der FDJ-Ortsleitung ein Jugendzimmer geschaffen. Hier werden Leitungssitzungen und Versammlungen durchgeführt.

Der Kinderhort (am Roßbach)

Der Kinderhort der POS „Louis Fürnberg“ Frankenhain wurde in den Räumen neu hergerichtet. Dazu wurde:

  • eine neue Sanitäranlage gebaut
  • ein neuer Schuppen errichtet
  • eine neue Raumaufteilung durchgeführt
  • der Fußboden instand gesetzt, Belag gelegt
  • die vorgesehene malermäßige Instandsetzung realisiert
  • ein Projekt für die Außenanlagen erarbeitet

Die geschmackvoll gestalteten Räume und die guten Arbeitsbedingungen des Erzieherkollektivs geben die Voraussetzung für eine gute Erziehungsarbeit.

Die Schulspeisung – (Bau 1977)

Für die Schüler der POS „Louis Fürnberg“ Frankenhain wurden die Bedingungen für die Esseneinnahme durch die Schaffung eines Speiseraumes wesentlich verbessert. Gleichzeitig wurden die Küchenräume erweitert und damit die Arbeitsbedingungen des Küchenpersonals günstiger gestaltet.Der Speiseraum hat 60 Sitzplätze, so dass damit eine niveauvolle Speiseneinnahme gewährleistet ist.

Die Turnhalle (im Objekt der POS Frankenhain, Hauptstr. 7)

  • Baubeginn: 1965
  • Fertigstellung: 1968

Die Turnhalle der POS „Louis Fürnberg“ wurde mit einer neuen Dachhaut versehen, das Parkett geschliffen und versiegelt, die Halle und alle zugehörigen Räume malermäßig hergerichtet. Die Turnhalle entspricht somit voll den Erwartungen.

Die Nutzung erfolgt durch die POS, die BSG und den ASK Oberhof.

Unsere Bücherei

  • 1952-82: Nebenraum Rat der Gemeinde
  • 1982/83: in einem Wohnhaus
  • 1983-88: in einem ehemaligen Klassenraum
  • 1988: im Urlauberclubraum am Sportplatz

In Zusammenarbeit des RdG mit Betrieben des Gemeindeverbandes wurde eine neue Bibliothek eingerichtet. Sie umfasst 3 Räume; 1 Raum dient als Lese- und Gesprächsraum. Damit wurden die Bedürfnisse unserer Einwohner und Urlauber voll befriedigt. Der Buchbestand wird mit der Zentralbücherei des Gemeindeverbandes Gräfenroda laufend durch Leihgaben ergänzt.

„Auf der Heide“ (Gelände – Weg zum Friedhof)

 Die Gartenanlage „Auf der Heide“ besteht seit dem 24.03.1974. Durch die Mitglieder wurden in mühevoller Kleinarbeit

  • die Einzäunung
  • die Wasserversorgung
  • die Zufahrtswege
  • die Gartenhäuser und
  • die Stromversorgung

geschaffen.

1983 wurde

  • der Parkplatz vor der Gartenanlage fertiggestellt
  • ein Gartenfest durchgeführt

Bei der Eigenversorgung mit Obst und Gemüse einschließlich der Mitglieder in den individuellen Hauswirtschaften der KGA u.a. privaten Kleinstproduzenten gibt es in der Gemeinde Frankenhain gute Beispiele. So wurden 1983 16.800 kg Gemüse angebaut.

Unsere Arztstation

  • Einweihung 1976/77
  • Betriebsgelände des VEB Schraubenwerk, Kleine Waldstraße

Mit dem VEB Schraubenwerk wurde auf der Basis eines Kommunalvertrages eine Arztstation geschaffen. Damit wird den erkrankten Einwohnern, den Werktätigen der Betriebe und auch den Urlaubern der Weg zum Landambulatorium Gräfenroda erspart. Weiterhin wurden hier die Mütterberatungen wie auch  die Impfungen für jung und alt durchgeführt.

Auch die Gemeindeschwester hält ihre Sprechstunden hier ab. Die medizinische Betreuung der Bürger wurde grundsätzlich verändert.

Der Kindergarten

  • von 1945 bis ca. 1956: im Jugendheim am Eisenberg
  • ab 1956: Gebäude in der ehemaligen Bahnhofstraße 8

Der Kindergarten erfreute sich großer Beliebtheit bei allen Kindern. Ein großer Garten mit den erforderlichen Spielgeräten gibt vielseitige Möglichkeiten der Beschäftigung im Freien.

Der Treppenaufgang wurde mit neuen Stufen versehen und der Weg vom Treppenaufgang bis zum Gebäude mit Gehwegplatten belegt.

1985 ist es gelungen, eine neue Spielfläche zu schaffen, die mit Gehwegplatten ausgelegt wurde. Die Kinder hatten nun die Gelegenheit, auch bei schlechter Witterung im Garten zu toben.

Die Freiwillige Feuerwehr

  • Gründungsjahr: 1869
  • Bau Gerätehaus am Plan 1: 1975-78

Mit der Errichtung des Gerätehauses der FFW wurde ein Löschfahrzeug zugewiesen. Am Bau dieses Gebäudes beteiligten sich viele Einwohner in Verbindung mit den Kameraden der FFW. Im Gebäude sind außer den Räumen der FFW 1 Zimmer für die ZV und 1 Zimmer für das DRK.

Der große Schulungsraum wird für die Beratungen der FFW, der ZV, des DRK und der Gemeindevertretung genutzt.

Die Einsatzfähigkeit dieses Gebäudes im Ort führte dazu, die Arbeit der FFW und der ZV wesentlich zu intensivieren. Die Sicherheit im Territorium wurde somit enorm erhöht.

Schöner unsere Gemeinde -“Mach Mit“ –

Im Bereich unserer Gemeinde wurden die verschiedensten Straßen mit einer Schwarzdecke versehen. Damit konnten die Verkehrsbedingungen im Ortsbereich wesentlich verbessert werden.

Vorhandene Baulücken wurden durch die Errichtung von Eigenheimen geschlossen. In der Schillerstraße gibt es eine Konzentration, so dass hier ein neuer Straßenzug entstand.

Durch die Erschließung bzw. Rekonstruktion der Abwasserleitung in der Querstraße konnten die Lebensbedingungen der Anwohner wesentlich verbessert werden. Die Anwohner zeichneten sich durch großen Eifer aus.

Große Initiative im „Mach- Mit“ – Wettbewerb zeigten die Rentner Paul König, Hans Diener und Walter Reutermann

1985: Sie haben den gesamten Bereich der Hauptstraße und den Plan mit Gehwegplatten belegt. Vor dem Grundstück Plan 8 haben sie eine neue Mauer geschaffen.

Die Verkaufsstelle in der Waldstraße

  • begonnen  am:           17.09.1980
  • beendet am:               07.10.1980

In dieser Zeit wurde eine Initiative der Einwohner entwickelt, wie sie der Ort Frankenhain noch nicht erlebt hat. Alle Fachleute des Ortes, besonders Tischler und Zimmerer erklärten sich bereit, mitzuhelfen. Angefangen bei den Schachtarbeiten, Betonarbeiten, Stellen der Fertigteile, Fußboden- und Malerarbeiten, Dacharbeiten, Klärgrube usw. wurde alles in 21 Tagen geschafft. In den ersten Tagen war das Wetter günstig, dann setzte eine Regenperiode ein. Aber die Helfer ließen sich nicht aufhalten, sie arbeiteten mit Gummistiefeln und Wetterjacken weiter.

Am 7. Oktober war die Verkaufsstelle erstellt. An diesem Tag konnten die Einwohner ihre ersten Einkäufe tätigen.

Es halfen insgesamt 140 Bürger an der Errichtung dieser Verkaufsstelle mit.

Ergebnisse in der Bürgerinitiative „Mach – Mit“ – 1983

Bereich ÖVW 

  • Durch da Legen von Gehwegplatten konnte eine wesentliche Verbesserung der vorhandenen Gehwege im Ort erreicht werden. Walter Reutermann war der Initiator.
    (Wert 5 TM)
  • Im Bereich des Straßenwesens wurden die Zufahrtsstraßen zur Lütsche, z. B. der Steiger, der Flößgraben und die Straße am Campingplatz instand gesetzt.
    (Wert 6,3 TM)
  • Zur weiteren Verbesserung des Zustandes der Straßen wurde durch die Initiative der Bürger die Straßen- und Grabenmahd durchgeführt – 3,4 km.
    (Wert 1,2 TM)

SERO

  • Flaschen: 25000 Stück
  • Gläse: 15000 Stück
  • Altpapier: 14,0 t
  • Alttextilien: 6,0 t
  • 14-tägiger Aufkauf Küchenabfälle: Plan: 100 t; Ist: 100 t

Volkseigene Wohngebäude

  • Plan 4
    • Dacharbeiten und Einrichtung eines Bades
    • Durchführung von Putzarbeiten
  • Plan 5
    • Verlegung von Platten im Flur
    • neue Fenster
  • Querstraße 5
    • Malerarbeiten von außen
    • Installationsarbeiten für 3 WC-Anlagen
  • Wohnungswerterhaltung VE Gebäude: insgesamt 69,2 TM

Im ehemaligen Schulgebäude wurden durch Um- und Ausbau 2 Wohnungseinheiten mit Bad und WC für junge Ehen geschaffen.
(Wert 30 TM)

Volksbildung

Im Bereich des Schulhortes Frankenhain wurden

  • ein neuer Luftschachtofen, heizbar für 3 Räume, gesetzt
  • die neue Elt- Installation abgeschlossen
  • ein zusätzlicher Raum durch eine Trennwand im Flur gewonnen
  • Malerarbeiten innen durchgeführt
  • (Wert 5 TM)

Werterhaltungsarbeiten, ob an VE Gebäuden oder in der Volksbildung oder im privaten Bereich haben wir nicht zuletzt unseren ortsansässigen Handwerksbetrieben – Ronald Schlundt und Hans Bickel – zu verdanken. Sie sind immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.

Erholungswesen

1983 konnten im Bereich Erholungswesen erhebliche Werte geschaffen werden:

  • Aufstellen von 5 Waldschenken durch den Bürger Hubert Sauerbrey
    (Wert 5 TM)
  • Anschaffung von 15 Ruderbooten für den Campingplatz Lütsche
    (Wert 25 TM)
  • malermäßige Instandhaltung und Herrichtung aller Gebäude auf dem Campingplatz
    (Wert 5 TM)
  • Instandsetzungs- sowie Aufräumungsarbeiten durch Camper infolge von Baumaßnahmen der Wasserwirtschaft, die Schadholzaufbereitung und Holztransporte – 1200 Stunden
    (Wert 18 TM)
  • Stabilisierung der Trinkwasserversorgung auf dem Campingplatz durch neue Quellfassung
    (Wert 11 TM)
  • Der Bürger Horst Freytag pflegt das ganze Jahr über die kleine Parkanlage in der Teichstraße zur Freude der Einwohner und Urlauber in Frankenhain

Schadholzaufbereitung

Die staatliche Auflage der Gemeinde Frankenhain = 770 rfm

Für hervorragende Leistungen bei der Beseitigung der Schneebruchschäden im Thüringer Wald wurde der Gemeinde Frankenhain Urkunde des Rates des Kreises verliehen.

Wettbewerb „Schönstes Betriebsgelände“

Anlässlich des 34. Jahrestages konnten folgende Bürger und Kollektive ausgezeichnet werden:

  1. Das Kollektiv HOG-Gaststätte „Lilie“ versorgt über viele Jahre  unsere Bürger und Urlauber in Frankenhain gastronomisch. Aussprachen mit Bürgern und Urlaubern, insbesondere FDGB-Urlaubern, dokumentieren, dass vom Kollektiv eine ausreichende, ordentliche und saubere Verpflegung durchgeführt wird. Die Erfassung der Küchenabfälle erfolgt kontinuierlich. Über viele Jahre arbeitet das Kollektiv  ohne Inventurdifferenzen. Das Gebäude im Inneren wie auch die Außenanlage machen einen gepflegten Eindruck.
  2. Die Anwohner der Kleinen Waldstraße setzen über Jahre ihre Straßen instand, insbesondere aber sind ihre Initiativen bei der Beseitigung der ehemaligen Hohle, durch Aufräumungsarbeiten und der damt verbundenen Bergung von Schrott sowie das selbständige Schaffen einer kleinen Grünanlage mit selbstgebauter Ruhe- und Sitzecke hervorzuheben. (Schönster Wohnbereich 1983)
  3. Die Familie Kreisl, Querstraße 6 zeigte Einsatzbereitschaft bei der Instandsetzung und Modernisierung des Wohngebäudes, durch das Abbrechen und Wiederaufbauen der Nebengebäude sowie der Wartung und Pflege der Außenanlagen, besonders der Herrichtung des Gartens. Dadurch konnten wesentliche Voraussetzungen zur Selbstversorgung mit Obst und Gemüse geschaffen werden. Darüber hinaus erwarb sich der Bürger Rudi Kreisl hervorragende Verdienste für das Einschneiden von Schadholz für gesellschaftliche Organisationen und für die Selbstwerbung der Bürger, die das Holz dringend zur Realisierung ihrer Bauvorhaben benötigen. (Schönstes Wohngebäude 1983)
  4. Der Bürger Georg Stenzel ist fast auf jedem Bau unserer Gemeinde oder der Bevölkerung zu finden. Besonders schätzen die Eigenheimbauer seine technischen Kenntnisse und die Leistungen, die er bei ihnen durchführt. Darüber hinaus setzt er seine Kraft in unserer FFW ein, damit diese ihre Aufgaben allseitig erfüllt. (Urkunde für patriotische Leistungen)

1984

Im 35. Jahr der Gründung der DDR wurde in unserer Gemeinde die Gedenkstätte der „Märzgefallenen“ auf dem Friedhof umgestaltet. Der Gedenkstein wurde versetzt, so dass der Platz eine schönere Ansicht erhielt. Während der Ehrung kann jeder Teilnehmer der Veranstaltung die Gedenkstätte in ihrer Gesamtheit überblicken. Dank und Anerkennung bei der Umgestaltung gebührt hier den Frauen des DFD und dem Rat der Gemeinde, die tatkräftig geholfen haben.

Durch die Kommunalverträge mit den Betrieben, deren Erholungseinrichtungen einen Standplatz auf unserem Campingplatz haben, ist es uns gelungen, im Ort eine neue Bushaltestelle zu errichten. Diese dient als Unterstellmöglichkeit für die Reisenden in Richtung Arnstadt, Crawinkel bzw. Zella-Mehlis. Durch diese konnte des Weiteren das Ortsbild wesentlich verschönert werden.

Die Trinkwasserversorgung für unseren Ort erfolgt aus 4 Quellen. Die Ortslage umfasst einen Hoch- und Niederdruckbereich. Zur Stabilisierung des Trinkwassers für unsere Gemeinde wurde durch Geologen die Möglichkeit einer Tiefenbohrung ins Auge gefasst. Mit dieser wurde dann auch im Mai 1984 begonnen. Jedoch blieb das gewünschte Ergebnis aus. 6,3 m³ / h beträgt die Menge, die in das Ortsnetz gepumpt werden kann. Im gleichen Atemzug begann der VEB WAB mit der Reinigung des Hochdruckes. Die Inkrustierung wurde beseitigt, wodurch ein besserer Wasserdurchlauf gewährleistet werden konnte.

Am 7.10.1984 konnte dann zum 25. Jahrestag der Gründung unserer Republik eine positive Bilanz gezogen werden. Mit Gesang, Sport, Spiel, guter Laune und dem Blasorchester aus Kolin wurde im Ort Frankenhain der Geburtstag der DDR würdig begangen.

1985

Zum Gedenken an den Todesmarsch der KZ-Häftlinge Buchenwald durch unseren Ort wurde auf dem Plan eine Stele errichtet. Nach 4 Wochen Bauzeit konnte sie eingeweiht werden. Dank und Anerkennung für die aktive Mitarbeit gilt dem VEB Schraubenwerk, dem VEB(G) Schotterwerk, dem VEB(K) Tiefbau Gräfenroda und den Mitarbeitern des Rates der Gemeinde. Die Einweihungsrede sprach Genosse Fritz Schörnig. Zu dieser Feierstunde wurden alle Einwohner geladen. Die musikalische Umrahmung übernahm das Jugendblasorchester Gräfenroda. Die POS „Theodor Neubauer“ sorgte für Rezitationen.

Als größte „Mach-Mit“-Initiative 1985 in unserer Gemeinde kann der Straßen- und Gehwegebau genannt werden. Die Bürger Walter Reutermann, Paul König und Hans Diener waren die rüstigen Rentner, die sich beim Verlegen der Platten eifrig betätigt haben. Durch sie wurde die ganze Hauptstraße verschönert. Im Bereich Plan wurde vor dem Wohnhaus Plan 8 die Gartenmauer neu gebaut und auf dem Bürgersteig Platten verlegt. Für 1986 sind Blumenschalen geplant, die die neu geschaffene Mauer noch verschönern sollen.

Vor der Gemüseverkaufsstelle wurden am Eingang Platten verlegt, die Trittstufen neu vergossen und eine Blumenschale aufgestellt. Durch die umfangreichen Maßnahmen zur Verschönerung unseres Ortes konnten wir mit dem Titel „Schönster Ort des Kreises“ ausgezeichnet werden.

Neben den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen für die Bürger und Urlauber gab es auch ein großes Kinderfest am 1.6.1985, welches veranstaltet wurde von der Ortsgruppe des DFD. Sie hatten alle Kinder des Kindergartens Frankenhain und Crawinkel zu einem großen Kinderfest eingeladen. Die Kinder verlebten einen schönen Vormittag bei Musik, Tanz, Spiel, Theater, Kaffee und Bowle. Der „Kater Murts“ war auch dabei. Er war die Schlüsselfigur im Spiel. Es gab viel zu lachen und die DFD-Frauen hatten viele schöne Geschenke für die Kinder. Am Nachmittag gab es noch Torte mit Schlagsahne. Alle Beteiligten, vor allem aber die Kinder denken noch gern an diesen Tag zurück.

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Geraberg, Geschwenda, Gossel, Gräfenroda und Liebenstein) zur „Landgemeinde Geratal“

Geraberg

1246
Eine wahrscheinlich erste urkundliche Erwähnung erfährt das heutige Geraberg im Jahre 1246. In einer Schenkungsurkunde vermacht ein wohlhabender Erfurter Gottesmann der Kirche St. Marien auf dem Berg mehrere Ländereien, darunter den neuen Weinberg in Gera.

1351
Eisengruben und Eisenhammer werden erwähnt, damit gab es auch schon sog. Hammerschmiede

1437
Die Elgersburg „samt Zugehörigen“, also auch der Ort Gera, gelangen in den Besitz der Herren von Witzleben.

1515
Die Kirche zu Gera wird zur Hauptkirche für die Orte Roda, Manebach, Elgersburg und Angelroda.
Gera zählt 85 Häuser und ca. 300 Einwohner.

1530
Gera wird evangelisch.

1569
Am Arlesberg wird ein Forsthaus gebaut. Dies ist gleichzeitig die Gründung des Ortes Arlesberg.

1610/11
Bergleute siedeln im Bereich der Arlesberger Bergstraße.

1636
Die Pest, verbunden mit großer Hungersnot, wütet in Gera.

1641
Ein erstes Schulgebäude wird erwähnt (jetziges Thermometermuseum). Einen Schulmeister gab es schon länger (ca. 1515)-Unterricht fand im Pfarrhaus oder in der Schenke statt.

1650
Gera zählt 350 und Arlesberg 35 Einwohner.

1665
Erstmals wird in einer Amtsbeschreibung der Abbau von Braunstein im Arlesberger Revier erwähnt.

1666
Auch in Geraberg wurden Frauen als Hexen verbrannt

1699
Das heute noch stehende Pfarrhaus wird gebaut.

1710
Auf dem Gelände des alten Eisenhammers wird die Geraer Papiermühle gegründet.

1749-1750
Die jetzige barocke St. Bartholomäus-Kirche wird gebaut.

1791 bis ca. 1860
erste Hauptzeit des Manganerz-Bergbaus

1827
Im damaligen Rattmanschen Wohnhaus Nr. 149 wird die zweite Schule gebaut.

1828-1847
Straßenbau von Gera nach Elgersburg, nach Angelroda und nach Arlesberg.
Von der Pfeifferschen Wohnung bis über das Siptrodtsche Wohnhaus wird eine Wassermauer gebaut.

1846
Hochwasser im Januar

1850
Gera zählt 1000 und Arlesberg 220 Einwohner.

1854
Im Dezember wird Gera von einer Hochwasserflut heimgesucht. Das Wasser stand bis an das Pfarrhaus.

1855
Auf einem Briefkopf der Fa. E. Diemar – Braunsteinwerk – wird erstmals die Braunsteinmühle erwähnt.

1866
Gründung der Feuerwehr

1867
In den Bergwerken um Arlesberg wird viel Braunstein gefunden.

1871
Gründung eines Braunsteinvereins

1876

  • Karl Kellner gründet in Arlesberg eine Thermometer- und Glasinstrumentenfabrik.
  • Fabrikant Just beginnt mit der Kofferproduktion.

1879
Die Bahnlinie Arnstadt-Ilmenau wird fertiggestellt. Der Bahnhof entsteht 1909.

1882
Hochwasser in Gera und Arlesberg

1883
Der Bau einer Porzellanfabrik in Gera ist der Beginn der hiesigen Porzellanindustrie. Besitzer ist Cuno Kautz.

1895
Der Fabrikbesitzer Just baut oberhalb von Gera eine Kofferfabrik.

1886
Gründung der Fa. Keiner, Schramm & Co.

1891
Gründung eines Spielmannszuges.

1896 
Herr Riemann baut eine eigene Porzellanfabrik oberhalb des „Hammers“ (ehem. Edeka-Gelände).

1901
Gründung des Arbeitergesangvereins „Freie Sänger“ und die Arbeitersportbewegung als Nachfolge vom Turnverband.

1906
Bau einer 4. Schule und Einrichtung einer Kleinkinderbewahranstalt im sog. „Neuen Haus“

1907
Unterhalb des Ortes wird eine Gasanstalt gebaut.

1908
Gründung des Sportverein SV 08 Geraberg

1910/11
Bau der Straße Elgersburg-Arlesberg-Geschwenda

1911
Gründung der Kofferfabrik Sauerbrey

1914-1918
1. Weltkrieg. Aus Gera wurden 165 Männer eingezogen.

1917
Ende Januar führte die Gera Hochwasser und richtete Schaden an.

1920
Der Fabrikant Eger baut eine Turbine und erzeugt damit elektrischen Strom.

1921
Gründung der Fa. Anthroposan in Berlin. Später Umzug der Firma nach Geraberg.

1923
Zusammenlegung der Orte Gera und Arlesberg zu Geraberg

1926
Einweihung eines Sportplatzes oberhalb der Glashütte

1930-1932
Hohe Arbeitslosigkeit in Geraberg.

1939-1945
Der 2. Weltkrieg tobt.

1941
ein Kindergarten wird in der ehemaligen Schule am Kirchberg eingerichtet

1946
nach Enteignungen wird das Thermometerwerk Geraberg (TWG) gegründet.

1960
Der Neubau des Thermometerwerkes ist fertiggestellt. Damit entstand das zweitgrößte Thermometerwerk Europas. 1997 erfolgte der Abriss des gesamten Werkes.

1969
Gründung des Musikverein Geraberg

01.07.1971
Der Müllplatz in Geraberg ist beräumt und eingeebnet worden. Diese Arbeiten haben 15.000 Mark gekostet. Der Platz wird nun eingezäunt und ein Platzwart soll die Aufsicht darüber übernehmen.

1981
Am 10. August richtet ein Hochwasser in Geraberg sehr große Schäden an.

1989/90
Die politische Wende verändert Geraberg in der Verwaltung, im Ortsbild und in der Industrie.

2002
Im Januar wird der erste Teil des Geraberger Thermometermuseums eröffnet.

19. 01. 2007
Das Orkantief „Kyrill“ ließ auch Geraberg nicht ganz unverschont. Große Teile des Ortes waren fast 12 Stunden ohne Strom, die Straße von Arlesberg nach Elgersburg war durch umgestürzte Bäume mehrere Stunden unpassierbar. Auf einigen Grundstücken verursachte der Sturm kleinere Schäden.

07. 02. 2007
Unter dem Namen „Geraberger Heimatfreunde e.V.“ fand am Mittwoch die Gründung eines Heimatvereins statt. Seine Mitglieder wollen die Heimatgeschichte weiter erforschen und dokumentieren sowie die Kultur und Tradition im Ort fördern.

09. 03. 2007
Nach gründlicher Restauration wurde der durch das Sturmtief „Kyrill“ in Mitleidenschaft gezogene Kirchturmknopf wieder an seinen Platz gebracht.

20. 04. 2007
Am Montagmittag übergibt Minister Reinholz den Fördermittelbescheid für den Bau des Kunstrasenplatzes. Damit wird noch in diesem Jahr der nicht mehr bespielbare Hartplatz im „Sportpark Geratal“ zu einer ganzjährig nutzbaren Spielfläche für die sportinteressierte Jugend des Ortes und des gesamten Geratales.

21. 05. 2007
Am Mittwoch ist es soweit: Das Freibad Geraberg öffnet für Besucher aus Nah und Fern für eine hoffentlich sonnenreiche Badesaison seine Pforten.

23. 09. 2007
Die „Schwedenhütte“ auf dem „Schwarzen Stein“ in Arlesberg wurde im August 80 Jahre alt. Das stattliche Alter, aber auch mutwillige Zerstörungen und illegales Graffiti-Sprayen hatten ihre Spuren hinterlassen. Mitglieder der Freien Wähler Gerabergs versetzten am Sonnabend den Wanderweg zur Hütte und die Hütte selbst wieder in einen ordentlichen Zustand. Dank dem Bauhof der Gemeinde für die Unterstützung.

18. 06. 2008
Der neue Markt des EDEKA-Hessenringes „neukauf-Markt-Schulze“ auf dem Gelände des ehemaligen Themometerwerkes wurde heute offiziell eröffnet.

24. 09. 2008
In Anwesenheit prominenter Vertreter aus Politik und Wirtschaft wurde heute der 1. Spatenstich am Industriegebiet „An der A71“ vollzogen.

31. 10. 2008
Auf Initiative der „Geraberger Heimatfreunde“ wurde ein historischer Sandsteinbrecher am Anfang des Braunsteinweges (am Arlesberger Kreisel) aufgestellt.

02. 04. 2009
Nach dem Brandunglück in der Arnstädter Straße, bei dem zwar keine Menschen ernsthaft verletzt wurden, aber einige Bewohner ihr gesamtes Hab und Gut verloren, leisten Geraberger Hilfe und Unterstützung.

07. 05. 2009
Zum Gedenken an Christian Heinrich Rinck (1770 – 1846) findet am Sonntag um 16.00 Uhr in der St. Bartholomäus Kirche ein Konzert mit dem Geraberger „Liederkranz“ und Orgelwerken von Rinck statt.

14. 05. 2009
Mit einer „Nacht des Thermometers“ startet das Deutsche Thermometermuseum in den Internationalen Museumstag 2009. Bereits am Sonnabend ab 18.00 Uhr erwartet die hoffentlich zahlreichen Besucher ein abwechslungsreiches Programm, das dann am Sonntag um 10.00 Uhr u.a. mit Vorträgen fortgesetzt wird.

20. 05. 2009
Der Musikverein Geraberg feiert am kommenden Wochenende mit einem Musikfest seinen 40-sten Gründungstag. Alle Freunde der Blasmusik können sich auf erlebnisreiche Veranstaltungen freuen.

26. 06. 2009
Nur eine Vision oder bald Realität: Der Welt größtes Thermometer steht in Geraberg!?
Der Förderverein des Thermometermuseums warb auf einer Informationsveranstaltung um Interessenten und Unterstützer für diese zukunftsträchtige Idee.

15. 07. 2009
Das neue Industriegebiet „An der A71“ wurde heute zwei Monate früher als geplant eingeweiht. Damit stehen ab sofort insgesamt neun Hektar Nettofläche für Investoren zur Ansiedlung bereit.

31. 07. 2009
Als erstes Projekt des Konjunkturpaketes II im Landkreis wurde heute in Anwesenheit von Vizelandrat Rainer Zobel das sanierte Dach der alten Geraberger Schule übergeben.

05. 08. 2009
Ein Wahrzeichen der Partnerschaften zwischen dem hessischen Lahnau, dem englischen Wincanton und Geraberg wurde gestern in Anwesenheit von Vertretern der Orte vor dem Rathaus in Lahnau enthüllt.

19. 12. 2009
Es hat lange gedauert, aber gestern war es soweit: Die automatische Schrankenanlage wurde in Betrieb genommen.

11. 01. 2010
Auch wenn die Schneekatastrophe vom vergangenen Wochenende die Region weitestgehend verschonte: Der diesjährige Winter hat den Ort fest im Griff. Ein Dank an die Mitarbeiter des Bauhofes, die immer rechtzeitig die Straßen, Wege und Plätze von der „weißen Pracht“ befreien.

08. 02. 2010
Der Winter hat auch unseren Ort weiter fest im Griff. Der Bauhof fährt jetzt von einigen Straßen und Plätzen den vielen Schnee ab . . .
Platz für neuen Schnee?!


mit Unterstützung der Fa. VERSCH Baustoffe beim Abtransport der Schneemassen
in der Gehlberger Straße
Foto: Manfred Neubauer

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Frankenhain, Geschwenda, Gossel, Gräfenroda und Liebenstein) zur „Landgemeinde Geratal“

Geschwenda

Nach der ältesten Gesamtdarstellung von Geschwenda von um 1840 handelte es sich bei dem Ort vor der Industrialisierung um ein dominierendes Gut, eine Kirche und wenige kleine Häuser. Bei den Bewohnern handelte es sich nicht um eigenständige Bauern, sondern um Gutsarbeiter.

Alles in allem dürfte Geschwenda als Wirtschaftshof der „Alteburk“ spätestens Ende des 11. / Anfang des 12. Jahrhunderts mit der Errichtung der hochmittelalterlichen „Alteburk“ entstanden sein. Rein hypothetisch muss der Ausbau des Wirtschaftshofes als Herrensitz, auf dem später ein massives hohes Haus nachweisbar ist, im 13. Jahrhundert erfolgt sein, bevor man die „Alteburk“ vermutlich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts aufgab und ihre Funktion von einem Berg des Thüringer Waldes auf das tiefer gelegene Hochplateau verlegte.

Die Ersterwähnung von Geschwenda

Graf Günther von Käfernburg d. Ä. und seine Gemahlin Adelheid bekennen am 6. November 1301, dass die Streitigkeit zwischen ihnen und dem Abte Berthold beigelegt sei, indem sie die Zusage wiederholen, die Rechte des Abts in und um Arnstadt nicht beeinträchtigen zu wollen. […]

Urkunde zur Ersterwähnung
„Wir Günther, von Gottes Gnaden Graf von Kevernburg der Ältere, legen in diesem Schreiben fest, daß mit Einverständnis unserer lieben Frau Frau Adelheid und mit gutem Willen aller unserer Erben als Schenkung förmlich vermacht haben unserem Herren Berthold, Abt von Hersfeld und seiner Kirche alle Eigentumsrechte, welche uns und unseren Stammvätern im Orte Geschwenda und Gräfenroda von alters her gehören. Wir unterstellen und teilen diese Dörfer selbst mit allen Rechten, aller Gerichtsbarkeit, Nutzen, Einkommen und Ehre gänzlich mit allen ihren Zubehörungen und Ausdehnungen dem Herrn Abt selbst zu und der Kirche zu Hersfeld, empfangen diese Dörfer selbst mit allen Zubehörungen, wie gesagt ist, aus den Händen des vorgenannten Herrn Abt als genanntes Lehen zurück. Wir wollen, dass unsere Erben immer wieder das genannte Lehen zurückerhaten mögen von dem Herrn Abt, welcher zur Zeit sein wird und von der Kirche Hersfeld. In dieser Sache haben wir diese unsere Verfügung schriftlich gegeben und mit unserem Siegel fest versiegelt.
Datum im Jahre 1302, 16. Februar“.
(nach gregorianischen Kalender 17. Januar)

Quelle: Meiland, Ernst  (1890-1973) und Müllerott, H. E. „Archäologie und Historie von Geschwenda im Schwarzburgischen – Festschrift zur 700 Jahrfeier der Ersterwähnung in 3 Teilen – Erster Teil“

1302
Urkundliche Ersterwähnung von Geschwenda („Gyswende“). Die von Plattenberg.

1360
Die von Lichtenberg auf Geschwenda wurden genannt.

1367
„zum Geswende“

1381
„zum Geschwende“

Quelle: Groteloh, Ralf und „Die Verfasser“; „Geschwendaer Lesebuch 1302-2002“ 

1525
In alten Unterlagen aus der Ortschronik wurde schon 1525 eine Gemeindeschänke erwähnt.

1616
Entstehung der ersten Dorfschule in Geschwenda; Schulmeister Simon Becker von Mulberg (Mühlberg); Die Schulmeister waren auch in unserem Heimatort Angestellte der Kirche, sie waren zunächst Kantor und Organist. Da diese Tätigkeit zu
wenig Beschäftigung und Einkommen bot, unterrichteten sie außerdem die Kinder. […] In welchem Gebäude die Kinder damals unterrichtet wurden, ist nicht bekannt. Die erste urkundlich erwähnte Schule befand sich in der Kirchgasse zwischen Pfarrhaus und Kirche. Sie wurde 1743 durch den Einsturz des Kirchturms völlig zerstört. 1750 wurde sie wieder aufgebaut und bis 1887 als Schule genutzt.

1647
Orgel von Sebastian Witzschel aus Seeberg, Prospekt von Heubach

1665, 1667
Hexenverbrennungen;
Am 15. August 1665 wurden auf der „Hexenkeite“ drei „Hexen“ verbrannt und am 06. September 1967 zwei weitere. Der einen wurde Gnade erwiesen, indem sie erst enthauptet und danach verbrannt wurde. […]
So wurde auch Barbara Häfner aus Geschwenda durch Adolf Georg  von Lichtenberg der Hexerei angeklagt. Der Schöppenstuhl zu Jena hat nach tagelanger Folter von der „Inqusitin“ ein „Geständnis“ erpresst und „Dem gestrengen festen Adolf Georgen von Lichtenberg zu Geschwenda, unserenm günstigen, guten Freunde“ das Todesurteil bestätigt, der es dann vollstrecken ließ.
Diejenige, die zuerst mit dem Schwert hingerichtet wurde, war Ottilie, Hans Erdenbergs Weib. Das „Gnadengesuch“, sie zuerst zu enthaupten, war vom Freiherrn von Lichtenberg bei der Gräflichen Herrschaft in Arnstadt eingereicht worden, da die „Hexin“ schon zu altersschwach wäre.

1688
Bau des Pfarrhauses, heute ältestes Gebäude des Ortes

Quelle: Groteloh, Ralf und „Die Verfasser“; „Geschwendaer Lesebuch 1302-2002“ 

1707
Trennung Gräfenrodas von Geschwenda (kirchlich)

1741-47 (1750)
Bau der Kirche

1743
Einsturz des neuen Kirchturms;
Die alte Schule in der Kirchgasse wurde völlig zertrümmert. Die dort auf dem Dachboden ausgelagerte alte Orgel ebenso. Glücklicherweise geschah dieser Einsturz zur Mittagszeit, als sich weder Schüler noch Lehrer im Gebäude befanden. Der Einsturz geschah während einer Baubesichtigung.

1745
Röder ließ neue Gutsgebäude errichten; das alte Schloss blieb abgerissen

ca. 1747
Innenausmalung der Kirche durch Wunderlich aus Arnstadt

1760
Der katholische von Bellmont wurde Gutsbesitzer

04.10.1777
(Eintrag in das Tegebuch von Johann Wolfgang von Goethe)
„Früh 4 Uhr über Burg (Elgersburg), Arlesberg, Dörrberg, Frankenhain, Weizenhaus (hier handelt es sich sicher um die im 18. Jahrhundert vom Förster Johann Friedrich Waiz gegründete Siedlung“Friedrichsanfang“), Gräfenhain …, man reitet durch die Schneidemühlen, Neuendorf, Georgenthal, bei der Kirche zwischen Catterfeld und Altenbergen vorbei, dieKirche bleibt rechts, auf Friedrichroda, Winterstein, Ruhla, Wilhelmsthal.“ – Wilhelmsthal hieß bis zum Jahre 1711 Winterhausen. Herzog Johann Wilhelm zu Eisenach ließ ein Lustschloss erbauen und nannte es Wilhelmsthal. Nach seinem Tode wurden die Baute vernachlässigt. Erst der neue Landesherr Ernst August gab 1741 den Auftrag an den Landesbaumeister Krohne, das Schloss zu erneuern.
Goethe, der nach seinem Ritt durch das Geschwendaer Territorium in Wilhelmsthal übernachtete, schrieb an Frau von Stein: „In Wilhelmsthal ist mir’s zu tief und zu eng.“ – Die nächste Nacht wohnte er im Stadtschloss in Eisenach. Auch hier gefiel es ihm nicht, denn er schrieb wieder an Frau von Stein: „Das Haus hier habe ich nicht gern, ich wohne hinten hinaus.“ Danach gastierte er auf der Wartburg. Dort gefiel es ihm.
Respekt, Respekt, Goethe und Geschwenda. Ob er „Schwäng“ im Vorbeireiten wirklich gesehen hat?“

1829
Geschwenda viel zurück an den Oberlehnsherren, den Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen

1843
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Geschwenda;
Ein im alten Spritzenhaus (heute Parkplatz des Meilandhauses) gefundenes Schild  trägt in Goldschrift auf rotem Grund die Jahreszahl 1843, offenbar das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr. Eine bestätigende amtliche Urkunde besteht nicht.
In einem Bericht über einen Großbrand in Arnstadt im Jahre 1829 wird die Mitwirkung der Geschwendaer Feuerwehr beschrieben.

1844
Gründung des Gesangsvereins „Geschwendaer Lerchen“

1846-1852
Acht Familien wanderten nach Amerika aus;
Am 13. August 1846 reste M. Schramm aus Geschwenda mit seine rEhefrau Elisabeth, geborene Huck, und vier Kindern nach AMerika aus. Ihnen folgten am 26. März 1852 Kaspar Gröckel, Christian Marker mit Frau und Kindern sowie der ledige einundzwanzigjährige Gottfried Eschrich. Am 25. April 1852 traten Heinrich Heyer mit Frau und Kind sowie der ledige August Greßler die Reise an und am 10. Mai machte sich der Schmied Friedrich Freitag auf den Weg in die „Neue Welt“.

1848
Die Gemeinde Geschwenda kaufte das Gut
Bis 1848 lag die Verwaltung des Geschwendaer Gutes wieder direkt in den Händen des Fürstenhauses von Schwarzburg-Sondershausen. Im genannten Jahr 1848 erkaufte Geschwenda durch geschicktes Verhandeln des Bürgermeisters Eduard Grosse die Selbständigkeit gegenüber dem Fürstenhaus.

1850
Geschwendaer auf dem ersten Arnstädter Wollmarkt;
Am 17. Juni 1850 war der erste Arnstädter Wollmarkt.Schafhalter aus 51 Ortschaften, auch aus Geschwenda, verkauften ihre Wolle.

1852
Straßenbau von Geschwenda bis an die Ortsgrenze von Angelroda;
Im gleichen Jahr trat nach einer Missernte eine Hungersnot ein.  Zur Unterstützung schickte das Komitee des Hilfsvereins Arnstadt 23 Maß gute Kartoffeln zum Samen, 300 Pfund gut gebackenes Brot und 3 Taler zur Heilung und Speisung der Kranken.

1855

  • Nervenkrankheit herrscht in Thüringen; von Neujahr bis zum 21. Mai verstarben 24 rüstige Personen in Geschwenda
  • Gründung der „Schützengesellschaft 1855 Geschwenda e. V.“

1870

  • Brand des Goethehäuschens auf dem Kickelhahn
  • drei Geschwendaer werden zum Deutsch-Französischen Krieg eingezogen
  • die Gemeinde schaffte eine neue Kirchturmuhr an

1871
Sängerfest des „Sängerbundes vor dem Walde“; Die Festansprache hielt der Bundesvorsitzende, Herr Apotheker Colberg aus Gräfenroda. In dessen Haus hat später August Trinius gewohnt und an seinem „Thüringer Wanderbuch“ geschrieben.

1872
Blatternepidemie in Thüringen, mit mehreren Toten in Geschwenda

1873
Massenepidemie im Sommer; lange Schulschließungen; in Geschwenda sterben 14 Kinder

1880

  • Umdeckung des Kirchdaches; bei dieser Gelegenheit wurde der Turmkopf abgenommen und neu vergoldet, welcher am 20. November wieder neu aufgesetzt wurde
  • Im Festgottesdienst, von Pfarrer Eduard Heinrich Christian Krieghoff gehalten, findet die Einweihung der renovierten Frauenstände und der fast gänzlich erneuerten Orgel statt.
  • Geschwenda hat 256 Haushaltungen und zählt 1237 Einwohner; Haupteinnahmequelle ist die Fertigung von Rosenstäbchen (Stengelchen). Viele Bürger müssen auswärts zur Arbeit gehen, z. B. in die Porzellanfabriken Plaue, Gräfenroda, Ilmenau, Stützerbach sowie in die Nadelfabrik nach Ichtershausen. Andere finden lohnenden Verdienst beim Bahnbau Erfurt-Ritschenhausen.

1880-1881
Als erster Geschwendaer erlernte Oskar Bartholome das Handwerk eines Thermometerbläsers (in Arlesberg);
Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass in diesem Jahr Oskar Bartholome, geb. 1867 (Jerchfried), als erster Geschwendaer den Beruf eines Thermometerbläsers  in Arlesberg erlernte.

1884

  • Fürstin Marie hat der Gemeinde eine Haushaltungsschule einrichten lassen, die unseren Konfirmandinnen Gelegenheit geben soll, später einen geordneten Familienhaushalt zu führen.
  • Am 5. August herrschte auf dem Thüringer Wald ein heftiges Hagelwetter und ein großes Wasser, so dass ein Wagen von Adolf Bussemer („Böcke Adolf“), der im Wassergraben auf dem Rasen stand, bis an die Brücke geführt und diese durch die Stauung des Wassers halb fortgeschwemmt wurde.

1886

  • Gründung des Arbeiter-Turnvereinsdas
  • Gasthaus „Thüringer Wald“ wird erbaut; damals Gast- und Logierhaus; Inhaber und Besitzer war Wilhelm Schneider

1887
Einweihung der Alten Schule. Der Unterricht fand auch noch in zwei Sälen des sogenannten Schlosses statt.

1891

  • Turnfest in Geschwenda
  • Gründung eines Spielmannszuges unter dem „Dach“ des Arbeiter-Turnvereins

06.01.1894
Am Geschwendaer Nachthimmel wurde eine mehrere Sekunden andauernde Feuerkugel beobachtet – ein Meteorit von prächtigem Glanz.

1898
Geschwenda erhält eine Hochdruck-Wasserleitung

1899
Oskar Wallendorf begann seine Lehre als Thermometerbläser (in Geschwenda);
Er war der erste Lehrling, der in Geschwenda als Thermometerbläser ausgebildet wurde.

Quelle: Groteloh, Ralf und „Die Verfasser“; „Geschwendaer Lesebuch 1302-2002“ 

1900
Zwei Geschwendaer in China (Boxeraufstand)
Während des sogenannten Boxeraufstandes in China wurde am 20. Juni 1900 der deutsche Gesandte , Freiherr von Ketteler, ermordet. Das veranlasste den deutschen Kaiser, Truppen nach China zu entsenden. […]
Zu dem Truppenkontingent , das in See stach, gehörten auch zwei Geschwendaer Bürger. Es waren Albin Neubauer, der nach seiner Rückkehr nur noch „Chinakämpfer“ genannt wurde, und Artur Wallendorf, der Sohn des Bürgermeisters Robert Wallendorf.

1904
Einrichtung der Fahrpost

1905

  • Gründung eines Kolonialwarenladens durch Hugo Heyer; war bis 1950 ein echter „Tante-Emma-Laden“; daraus wurde von 1950 bis 1990 der „Treppchen-Konsum“
  • Gründung der Wetterhäuschenfabrik von Günther Frankenberger; Wetterhäuschen wurden in die USA, nach England, Belgien, die Niederlande, Frankreich, Italien, Norwegen und Schweden exportiert; 01.04.1946: neuer Geschäftsführer: Helmut Triebel; Ausweitung des Exportes auch nach Kanada, Irland, Luxemburg, Spanien, Österreich, in die Schweiz, nach Griechnland, AUstralien und Ungarn (jeden Monat einen Eisenbahnwagen voll); Angliederung des Betriebes an die PGH Holzwarenhersteller (01.07.1972) und an den VEB Holzbauelemente Gehren (im April 1972); nach der Wende wurde der Betrieb von Familie Triebel zurückgekauft und die Produktion wieder aufgenommen; 1998 aus Altersgründen an die neue Inhaberin Nancy Knorr abgegeben

1909
1909 wurde die Firma „Orben, Knabe & Co“ gegründet. Sie stellte Zierporzellan her, das reißenden Absatz fand und vor allem in die  „kapitalistischen“ Länder (USA, Norwegen, Holland, England, Schweden, Italien) geliefert wurde. In den 60er Jahren beschäftigte dieser Betrieb 60 Facharbeiter. Leider kam 1972 das AUS, welches auf die inkompetente Wirtschaftspolitik der SED zurückzuführen ist. Von 1972 bis 1990 wurden in diesem Gebäude Schreibmaschinenkoffer hergestellt. 1999 wurde das Gebäude in ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt 13 Wohneinheiten umgebaut.

01.04.1910
Heimatdichter Ernst Meiland (geb. 11.05.1980 in Arnstadt, gest. 10.11.1973) beginnt als Lehrer in Geschwenda. Er blieb bis zum 16.10.1934. […]
In Geschwenda war er der „Käseernst“ – weil er so gerne Käse aß – als Lehrer, Schulleiter, Kantor, Organist, Vorsitzender des Schützenvereins, Schriftführer des Gemeinderates und als ständiger Mitarbeiter unserer Heimatzeitschrift „Heimatglocken“ für die Orte Geschwenda, Gräfenroda und Frankenhain tätig. […]
Abschied nehmend hat er vom „Weißen Stein“ aus einen der schönsten Rundblicke Thüringens empfunden.

1910
Die Straßen erhalten selbstständige Hausnummern

1914-1918
I. Weltkrieg, aus Geschwenda fielen 54 Einwohner

1918
Gründung der „Glasbläserei Schneider“ durch Edmund Schneider

1919
Der Nachtwächter Hermann Gottschall stellte seinen Dienst ein. Sein Ruf erklingt nicht mehr:
„Hört Ihr Leut und laßt Euch sagen,
unsre Glock hat zehn geschlagen!
Zehn Gebote setzt Gott ein
gib, daß wir gehorsam sein!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch Deine Güt und Macht
gib uns eine gute Nacht!“

1920

  • Bildung des Staates Thüringen
  • Die Geschwendaer Werktätigen folgen nicht nur geschlossen dem Aufruf zum Generalstreik, sie beteiligen sich auch mit 40 Mann an der Niederschlagung der Reichswehreinheiten während des Kapp-Putsches in Gotha.
  • Ein Pfund Heidelbeeren kostete im Juli 8.000 Mark, im August 30.000 Mark. Im November kosteten 1 Pfund Brot 260 Milliarden Mark, 1 Pfund Zucker 230 Milliarden Mark, 1 Pfund Fleisch 3,2 Billionen Mark und 1 Pfund Butter 6 Billionen Mark.

1922
Bildung des Kreises Arnstadt

1925
Anschluss an das Thüringer Kraftwerk Gispersleben (elektr. Strom)

05.08.1925
Eröffnung des „Besonderen Lädchens“ durch Willi Kummer; Handel mit Gärtnereibedarfsartikeln; später Kolonial- und Holzwarengeschäft; außerdem war es das erste Geschäft im Ort, das Fischwaren verkaufte (Spitzname: „Haarengsbänd’cher“), aber auch selbst hergestelltes Sauerkraut, saure Gurken und später zunehmend alle möglichen
Lebensmittel und Getränke (Der Gerechtigkeit wegen muss allerdings erwähnt werden, dass Leopold Dornheim in der „Kleinen Gasse“ […] der erste Fischverkäufer in Geschwenda war. Er bot seine Fische auch im Straßenverkauf an und war
demzufolge eigentlich der erste „Heringsbändiger“.

1926

  • Eröffnung der Hausarztpraxis von Dr. Alfred Fuhrmann im Hause des Schneidermeisters Hermann Krannich am Steg 7; Prägend für unseren Ort von 1926 bis 1966 (mit einigen Unterbrechungen) war der „praktsche Alfred“. Wie in Geschwenda üblich hatte auch Dr. Fuhrnmann sofort seinen Spitznamen und seine Frau, die aus der Geschwendaer Braugasse stammte, war demzufolge die „Doktersch-Grete“. Dr. Fuhrmann hatte auch das benachbarte Angelroda mit zu versorgen, und das ging anfangs mit Pferd und Chaise, das Pferd fand im Stall von Bäckermeister Constant Bussemer Unterkunft. 1929 wurde in der Ilmenauer Straße 13 (heute Geraberger Straße) neu gebaut, ein ansehnliches Haus mit Wohnung, Praxis und Kureinrichtung für Kneippsche Anwendungen, sogar ein Röntgenraum war vorhanden. Dr. Fuhrmann erfüllte mit einigen Unterbrechungen bis 1966 bei Tag und Nacht seine ärztlichen Pflichten. Von da an übernahm Herr Dr. Harry Grey die Praxis. Er übernahm im Haus der Familie Dr. Fuhrmann das
    Inventar der hausärztlichen Praxis, erweiterte die Physiotherapie durch Einbau einer Unterwassermassage. […] Sein Hauptanliegen war die Schaffung einer Apotheke für seine Patienten, damit sie, insbesondere im Winter, nicht mehr „über den Berg mussten“.
  • Gründung der Firma Frankenberger & Geiler Geschwenda (Koffer aus Geschwenda – ein Qualitätsbegriff); 1926 hatte die Firma 10 Beschäftigte und stellte nur Lederkoffer her. Später wurde die Produktion auf Sperrholzkoffer (KAbinen-, Schrank- und Handbügelkoffer) umgestellt. Nach 1945 wurde aus Kleinstanfängen neu begonnen; Artilleriebeschuss hatte einen Teil der Produktionsräume zerstört. […] 1948 wurde die Produktion wieder eingestellt und notgedrungen Lederprothesen gefertigt. Im selben Jahr begann die Herstellung von Kunstlederkoffern mit ständig steigender Produktion. 194 wurde mit Hacke und Schaufel in Eigeninitiative ein neues Produktionsgebäude gebaut und danach auch Gerätekoffer für VEB Optima Erfurt hergestellt. DIe Beschäftigtenzahl stieg auf 50 Mitarbeiter. 1961 wurde „von oben“ die staatliche Beteiligung verfügt, die Firma hieß jetzt „Fa. Frankenberger & Geiler KG“. […] Nach einem weiteren Umbau im Jahre 1968 hatte der Betrieb 60 Mitarbeiter. Dann kam der „schwarze“ 17. April 1972! Partei und Regierung verstaatlichten den Betrieb! Jede Handlung in den Firmen unterlag der staatlichen Kontrolle! Alles gipfelte darin, dass 1976 ein weiterer großer Zusammenschluss der alten Firmen „Fa. Frankenberg & Geiler“, „PGH Koffer Geschwenda“, „Fa. Walter Dornheim Geschwenda“ und „Fa. Just Geraberg“ stattfand und nun die Firma „VEB Thüringer Kofferfabriken Geraberg/Geschwenda“ entstand, in der nun alles
    zentralisiert ablief. Mit der Wende 1990 erhielten die Firmen das Recht zur Rückübertragung der Betriebe. Aber die anfängliche Euphorie wich bald der Ernüchterung, den inzwischen waren die vorher internationalen Märkte webgebrochen. 1992 mussten die Firmen „Dornheim & Co“, sowie die „PGH Bussemer & Co“ aufgeben, ebenso der Geraberger Betrieb.
  • Gründung einer Limonadenfabrik und eines Fuhrbetriebes mit Pferden durch Wilhelm Brömel; 1952 ging die Limonadenfabrik an Rudi („Brause-Rudi“) und Renate Möller über, die unermüdlich arbeiteten und ihre wohlschmeckende Limonade auch nach Geraberg, Elgersburg, Martinroda und nach Gehlberg sowie zur „Hohen Warte“ und zum „Mönchhof“ lieferten.

1932

  • Brand des Gutes; In der Nacht vom 18. zum 19. Juni Brand des „Gutsschlosses“ – folgende Familien werden obdachlos: Friedrich Knabe, Bernhard Schrickel, Paul Stecklum, Albin Neubauer, Günther Heubach, Linette Brömel, Minna Hofmann, Emil Graf, Ernst Weidner, Heinrich Romeißen, Karl Schneider, Wilhelm Bons und Minna Dornheim.
  • Erbauung eines Badeteiches (Waldbad); 1965 bis 1970 Umbau; mit dem Bau des Terrassencafés und nach der Sanierung der Toilettenanlagen den „letzten Schliff“ bekommen; 1993 Einzäunung

1933
Walther Romeißen („Dicker Steinmann“, „Kuratz“) nahm am Motorradrennen auf dem Gabelbach teil.

1934
Gedicht von Ernst Meiland, „En Schwängern Boedeteich“ wurde anlässlich des Besuches des „Mitteldeutschen Rundfunks“, im Schützenhaus von einer Schülerin der 8. Klasse vorgetragen.

1936
Eröffnung „Haus der Geschenke“ (HO-Lore) in der Arnstädter Straße 3 (auf dem ehemaligen Gelände des Gartenrestaurants vom „Lindencafé“); Im Angebot waren Glas und Porzellan sowie Spielwaren. Schwierigkeiten bei der Belieferung mit den Geschenkartikeln und „Druck von oben“ zwangen 1950 zur Umprofilierung – es entstand die „HO-Lebensmittel“ mit dem üblichen Sortiment vom Käse bis zum Bier. Eine Besonderheit hatte unsere Roselore aber anzubieten, und das ging auf die Initiative von Dr. Fuhrmann zurück: In dieser „HO“ gab es Lebensmittel für Diabetiker. (Meist beschränkte sich das Angebot wegen Lieferschwierigkeiten auf Fillinchen und Sauerkrautsaft). Am 31. August 1990 hat unsere „HO-Lore“ ihr letztes Stück Butter verkauft.

14.08.1936
Neugründung der „Freiwilligen Feuerwehr“ durch Wehrführer Otto Kümmerling

1937
Bäckerei von Constant Bussemer (befand sich damals oberhalb der Gaststätte „Zum Roten Hirsch“ brannte ab; wurde danach im Wohnhaus an der Ecke „Große Gasse“ neu erbaut und von Elli und Robert Bussemer betrieben. Bis zu ihrer endgültigen Schließung im Jahre 1984 wurde diese Bäckerei als Familienbetrieb von Tochter Alice mit ihrem Ehemann Hugo Heyn weitergeführt.

1939-1945
II. Weltkrieg

1939
Unser Kirchturm erhält in diesem Jahr ein neues Uhrwerk mit vier Ziffernblättern. Schneidermeister Emil Kummer („Kaiser“) und Willi Bartholomäus schenkten dies unserem Heimatort. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte unser Kirchturm nur ein Uhrwerk mit einem Zifferblatt.

1944
Nach dem Attentat von Stauffenberg im „Führerhauptquartier“ wurden in der Aktion „Gitter“ ehemalige Funktionäre teilweise inhaftiert. Aus Geschwenda waren 15 Männer betroffen.

1945

  • Die Amerikaner beschießen unseren Heimatort mit Artillerie – kein Personenschaden.  Sachschaden entstand am Haus der Taubert’s Ida, am Betrieb Gräser & Bartholome (Schneidemühle). Verschiedene Granaten schlugen im Feld in der Nähe des Dorfes ein, so an der Lehne, am Bienenweg und auf den Wiesen am Wolfskummer.
  • 11. April: Einmarsch der Amerikaner in Geschwenda. Die Straßen Kickelhähnchen und Roter Hügel bis zur Einmündung Mühlweg mussten geräumt werden., da dort die Amerikaner Quartier bezogen. In Hof un dGarten des Grundstückes von Ralf Kiesewetter (Neue Sorge) wurde das erste Kriegsgefangenenlager eröffnet.
  • 12. April: Der Weitertransport der Kriegsgefangenen in Richtung Bad Kreuznach erfolgte am 12. April. Der Krieg war beendet. Nach Kriegsende kamen Kriegsverbrecher vor die Gerichte der Besatzungsmächte. Aber es gab auch Verhaftungen und Einweisungen ins ehemalige KZ Buchenwald durch ehemalige Antifaschisten. Ein Opfer war Hermann Kummer aus Geschwenda.

1948
Vom Gartenzaun zum Weltmarktführer im Rodelschlittenprogramm: KHW GmbH Geschwenda
1948 begannen 26 kleinere Holzhandwerkbetriebe mit der Herstellung von Pfählen, Zäunen, Tapetenleisten, Einzelmöbeln, Leitern, Balkonkästen u. a.; 1958 gründete sich die PGH „Holzwarenhersteller im Thüringer Wald“ mit der Hauptproduktion: Skier, Turngeräte, Liegestühle und Laufgitter. Insbesondere die Skiproduktion wurde perfektioniert und errang Weltgeltung! 1970 beginnt die PGH „Holzwarenhersteller im Thüringer Wald“ mit der Kunststoffproduktion, vorrangig Spritzguss mit Montagekapazität. Dies erforderte ständigen Um- und Neubau des Betriebes, gleichzeitig mit der Schaffung von sozialen Einrichtungen im Betrieb sowie modernen und schönen Ferieneinrichtungen an der Saaletalsperre und an der Ostsee für die Mitarbeiter. 1972 wurde auch aus der PGH „Thüringer Wald“ ein VEB, der schließlich 1976 an das Kombinat „Sportgeräte Schmalkalden“ angegliedert wurde. Dabei erweiterte sich das Produktionsprofil auf die Herstellung von Kinderskiern, Kinderrodel und Sitzschalen. Bis 1989 hatte der Betrieb bereits 290 Beschäftigte. Dass es nach der Wende 1990 nicht zu einer „Bruchlandung“ der neu zu gründenden „Kunststoff- und Holzverarbeitungs-GmbH“ kam, war dem engagierten Leitungsteam des Betriebes mit dem Geschäftsführer Dieter Fischer an der Spitze zu verdanken. Heute ist der Betrieb Marktführer mit dem Sortiment Rodelschlitten und entwickelte als Weltneuheit ein Rodelschlittenprogramm, dass durch Innovation und einzigartiges Design besticht und z. Zt. 103 fleißige Mitarbeiter beschäftigt. (Stand 2002)

1949

  • Gründung der DDR
  • Gründung des VEB Bekleidungswerk Geschwenda; wurde 192 an HERKO Sonneberg angeschlossen (HERKO = Herrenkonfektion); 1957 gehörte das Bekleidungswerk Geschwenda zum Bekleidungskombinat Erfurt

1950
Bau des „neuen“ Kindergartens am jetzigen Standort; Der Kindergarten wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut, sowohl im Gebäude selbst als auch in den Gartenanlagen. […] Letzter Bauabschnitt war die Neugestaltung des Eingangsbereichs. (Stand 2002)

1952
Zugehörig zum Kreis Ilmenau und zum Bezirk Suhl (bis dahin Kreis Arnstadt)

28.08.1952
Mit der Neubildung der Kreise und Bezirke gehört unser Heimatort Geschwenda jetzt zum Kreis Ilmenau und Bezirk Suhl – bis dahin gehörten wir zum Kreis Arnstadt.

04.07.1953
Der Lehrling Karl-Günther Wagner wurde auf freiem Feld in der Geschwendaer Flur vom Blitz erschlagen.

1954
In der Konsum-Gaststätte bildete sich am 04. März das LPG-Gründungskomitee. 18 Kollegen erklärten sich bereit, der sich bildenden LPG mit insgesamt 6,33 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche beizutreten. Mit der Wende kam auch für die LPG das Ende.

1955
Glockenweihe in Geschwenda, durchgeführt vom damaligen Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim

06.10.1955
Eröffnung der ersten Kinderkrippe in der Gothaer Straße 8. Geschwenda in Mindelheim/Bayern; 1991 Etablierung in Geschwenda; 1997 im Gebäude der ehemaligen PGH Glaspräzision

1958

  • Gründung der Firma PGH „Glaspräzision Geschwenda“ in der Gothaer Straße in Geschwenda mit eigenem Export und etwa 150 Mitarbeitern. 1981 wurde der Betrieb dem VEB „Thermometerwerk Geraberg“ angeschlossen. Der einst eigenständige Geschwendaer Betrieb überlebte die Wendezeit nach 1990 nicht.
  • Gründung der PGH „Keramik“
  • 28.05.1958: Letzter Tag der Lebensmittelkarten
  • Gründung der PGH Bau und Ausbau „Neues Leben“ („Rote Kelle“)

01.04.1958
Die PGH „Stahlbau Einheit“ entsteht in der Gaststätte „Thüringer Wald“; Nach Aufnahme weiterer Mitglieder entstand eine
leistungsfähige PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) mit 22 Genossenschaftlern.
1959 kam die Schlosserei Willy Bartholomäus mit 6 Beschäftigten dazu. 1961 wurde die damalige PGH „8. Mai“, bestehend aus den ehemaligen Firmen Hermann & Alfred Abendrot und Robert Hopf, übernommen. Die PGH „Stahlbau EInheit“ entwickelte sich unter ihrem Vorsitzenden Heinz Kummer schnell zu einem leistungsfähigen Unternehmen mit 300
Beschäftigten. Produziert wurden Hochbaukonstruktionen, fahrbare Hebebühnen, Stahlmasten für die Braunkohleindustrie, Förderbänder und Serienartikel wie Tischgestelle für Schulmöbel. Die Menschen fühlten sich mit ihrem Betrieb verbunden, auch im geselligen Zusammenleben bei Waldfesten, Sportveranstaltungen und Betriebsausflügen. 1972 kam die schicksalhafte Fehlentscheidung der SED zur Verstaatlichung der PGH, und damit ging die Ära des industriellen Aufschwungs zu Ende. Trauriger Höhepunkt dieser Zeit war der plötzliche Tod des Betriebsdirektors und Firmengründers Heinz Kummer am 11.02.1974, der wegen seiner fachlichen Kompetenz insbesondere wegen seiner menschlichen Vorzüge im ganzen Dorf geachtet war. Die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 stellte auch unseren Stahlbetrieb vor Probleme, die mit der Umstrukturierung zu einer GmbH & Co. KG zu tun hatten. Aber der schwierige Weg durch die „Wendezeit“ gelang! Um so unverständlicher war der plötzliche finanzielle Einbruch des Unternehmens Anfang des Jahres 1998 sowie die hastige Beantragung der Gesamtvollstreckung. Seither führt eine Auffanggesellschaft die betrieblichen Geschäfte. Sehr erfreulich ist, dass der Betrieb unter sekundärer Führung und gegen harte Konkurrenz z. Z. „schwarze Zahlen“ schreibt und seiner Belegschaft damit eine hoffentlich auch weiterhin
sichere Existenzgrundlage bietet. (Stand 2002)

1960
Gründung der Frauengruppe der „Freiwilligen Feuerwehr“

1961
Bau des Sportlerheims der Sektion „Dienst- und Gebrauchshundewesen“ Geschwenda (Hundehütte)

1962
Erste Gemeinschaftsantenne auf dem Rasen (besseres Westbild!)

07.10.1967
Einweihung des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwhr Geschwenda in der der Geraberger Straße (damals Ilmenauer Straße)

03.07.1971
Beim Bau der neuen Straße „Weißer Stein“ in Geschwenda haben Anlieger mehrere Einsätze geleistet. Am vergangenen Wochenende waren bereits 30 Anlieger an diesen Arbeiten beteiligt. Die Helfer schaffen die Voraussetzungen, um am Montag die Teersplittdecke aufzubringen. Der Straßenneubau geht auf Eingaben der Bürger zurück. Sie sind jetzt dabei, ihr Anliegen gemeinsam mit dem Rat der Gemeinde zu verwirklichen. Bei der Aufbringung der Teersplittdecke werden die Anlieger ebenfalls wieder mit Hand anlegen.

1972
Entstehung der Firma „Textilspulentechnik Geschwenda“

1979
Die zentrale Arbeiterversorgung (ZAV) wurde am 23. Juli eröffnet, die mit Hilfe aller Geschwendaer Betriebe geschaffen wurde und täglich 1100 Essen bereitstellt.

1980
An der Olympiade in Moskau nimmt Werner Heyer in der Sportart 50 km-Gehen teil.

1985
Am 23. Juni besuchten ca. 9000 Gäste den ersten Geschwendaer Jahrmarkt auf dem Kickelhähnchen – ein voller Erfolg für die Organisatoren.

1989/1990
Politische Wende und Einheit Deutschlands; Zugehörigkeit zum Ilm-Kreis und zum Freistaat Thüringen

01.09.1990
Gründung der Firma „Jens Bussemer“ in der Gartenstraße

11.12.1990
Der Heimat- und Fremdenverkehrsverein Geschwenda e.V. gründet sich im damaligen Lindenkaffee. Die 26 Mitglieder gaben sich eine Satzung und eine Vereinsstruktur mit der Vorsitzenden Karin Dornheim, den Stellvertretern Andreas Zühlke und Helga Belau. Zur Geschäftsführerin wurde Constanze Hertam gewählt. Seither sind zahlreiche aktive Mitglieder bemüht, den Verein zu gestalten und für den Ort ihr Bestes zu geben.

13.12.1990
Gründung der Firma „Finestra Fensterbau GmbH und Co. KG Geschwenda“ in der Frauenhoferstraße

1992
Gründung der Firma „Instituform Kunststoffrohrtechnik GmbH“

1994
Zur Präsentation der Geschwendaer Geschichte und zur Vermittlung der Traditionen unserer Region wurde die Heimatstube im Ortszentrum eingerichtet. Fast 600 Exponate als Leihgaben unserer Bürgerinnen und Bürger stehen seit 1994 zur Ansicht und der Verein nutzt diese Räumlichkeit als Fremdenverkehrsbüro sowie als erste Anlaufstelle für Besucher des Ortes. Dank der Unterstützung der Gemeinde und dem Wohlwollen aller bisherigen Bürgermeister kann diese Heimatstube bis heute durchgängig betrieben werden.

1995
UST-Neubau in Geschwenda (Ausbau einer Großfertigung für Halbleiter-Gassensoren und Temperatursensoren sowie die Erstellung eines Konzeptes für intelligente Sensormodule mit zugeschnittener Sensorik und Speziallösungen); 1996: Erfolgreiche Markteinführung des Sensorelements zur Luftklappensteuerung; außerdem werden spezielle NH3-Sensoren, Sensoren für Pestiziddetektion und für die Detektion des Filterdurchbruches in Gasmasken gebaut

1999
Verlegung des Firmensitzes „Designe Kristall“ von Ilmenau nach Geschwenda; Umbenennung zu „Design Kristall“; Gefertigt werden neben der bestehenden Marke „Brückner Kristall“ […] weiterhin hochwertige Glasobjekte, welche speziell nach Kundenwünschen angefertigt werden.

Quellen:
Groteloh, Ralf und „Die Verfasser“; „Geschwendaer Lesebuch 1302-2002“

2002
700 Jahre urkundliche Ersterwähnung des Ortes Geschwenda

Quelle: Groteloh, Ralf und „Die Verfasser“; „Geschwendaer Lesebuch 1302-2002“ 

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Frankenhain, Geraberg, Gossel, Gräfenroda und Liebenstein) zur „Landgemeinde Geratal“

Gossel

Nach neuesten Forschungsergebnissen im Mainzer Urkundenbuch ist die erste urkundliche Erwähnung Gossels bereits im Jahr 1143 erfolgt!

Die Faktenlage ist im Wesentlichen folgende:
Die alte Überlieferung ist ein Bedingungsgefüge mit der Anfangsbehauptung der einstigen Existenz eines Nonnenklosters. Zur Frage der Klosterexistenz bleibt nur übrig, sie – pauschal – vor Anno 1100 zu suchen. Warum nicht?
Die urkundliche Erwähnung Gossels im Jahre 1170 als „Guslo“ steht dem nicht entgegen, sie besagt doch nur, dass diesseits dieser „Markierung“ gesicherte Nachrichten vorliegen, während das Dasein des Ortes davor im Dunkel liegt.

Der zentrale Teil des neuen Wappens stellt einen Mann mit einem Muschelhut dar – der Heilige Jacobus von Compostela. Des weiteren sind drei goldene Kugeln und drei Kreuze zu sehen.
Die Figur stellt den Heiligen Jacobus von Compostela dar. Die Legende führt diesen Jacobus auf den Jünger Jesu zurück. Er habe längere Zeit in Spanien gepredigt. In der Folge entstand dort allmählich eine herrliche Kathedrale und die Stadt Santiago de Compostela. Dieses Santiago wurde etwa vom 9. Jahrhundert an zum berühmten Wallfahrtsort, der berühmteste des Mittelalters nach Jerusalem und Rom. Diese Wallfahrten waren allgemein eine bedeutende kulturelle Erscheinung, deren Dimension und Abläufe wir heute kaum noch nachvollziehen können. Bei den Santiagopilgern hatte sich im Laufe der Zeit das Brauchtum herausgebildet, ihre Wallfahrt äußerlich zu dokumentieren:

Nach Erreichung ihres Zieles sammelten sie an der relativ nahen Atlantikküste Muscheln und befestigten sie an ihrer Kleidung. Die Muschel am Hut brachte somit für Gossel des Rätsels Lösung. Da der Heilige Jacobus der Schutzheilige der Pilger und Wallfahrer war, gibt es eine direkte Beziehung zur alten Gosseler Überlieferung. Sie spricht von einstiger Klosterexistenz, von Wallfahrtsstreit und Kreuzsetzungen. Mit ihrer Entscheidung für diesen Heiligen wollten wohl unsere Vorfahren das Andenken an die frühe bewegte Vergangenheit des Ortes wach halten. Das Bildnis des Jacobus wird somit zu den Stützen der Überlieferung zu rechnen sein, ist archivarisch aber nicht belegbar.

Die drei goldenen Kugeln stehen als Attribute des heiligen Nikolaus und symbolisieren eine früher einmal existierende Kirche. Die Überlieferung spricht von der Existenz eines Nonnenklosters.

Nach der alten Aussage standen die (ehemals) sieben Kreuze (für sieben erschlagene Waller) gut 300 Schritte vom Kloster. Zur Existenz der Kreuze ist zu sagen, dass ein viertes bis um 1840 anstelle des Baumes stand.
Nach überlieferten Erzählungen sei dieses zerschlagen worden.

Das Zwischenstadium „bey den Vier Creutzen“ belegt schon die Gemeinderechnung aus dem Jahre 1662, während noch 1679 der ursprüngliche Name „bey den Sieben Creutzen“ verwendet wird.

Zwischen 1977 und 1981 wurden mehrfach publizierte Grabungen angestellt. Dort wurden eindeutig in Verlängerung der Reihe der stehenden Male drei Löcher mit einer Häufung loser liegender Feldsteine gefunden: Die Lochstellen der drei fehlenden Kreuze (der Baum vertritt ja das vierte Kreuz). Also waren es ehemals sieben! Das ist wohl das deutlichste Indiz für die Überlieferung. Zudem wurde danach das eingehauene Kreuz im jetzt ganz feldwärts stehenden Mal als symbolisch für alle bezeichnet, da es einst in der Mitte stand und Gemeinsamkeit, gemeinsamen Ursprung und Anlass symbolisierte.

Im Zusammenhang mit den Kreuzen wäre auch noch der Flurname „An der Kreuzgelänge“ (Ackerlagenbei den Kreuzen liegend) zu erwähnen. Er wurde um 1620 schon vielfach benutzt. Ein möglicher Klostergang (Fluchtweg) in Richtung „Neue Grube“ müsste erst nachgewiesen werden.

Johann Nikolaus Hanff

  • geboren 25. September 1663 in Gossel
  • gestorben Weihnachten 1711 in Schleswig
  • Hanff ist der Sohn des Wechmarer Gastwirtes und Gemeindevormundes Andreas Hanff, er wurde zu Gossel geboren, weil sein Vater dort eine Pachtgastsstätte für ein Jahr betrieb, ab 1668 besuchte er die Wechmarer Schule.
  • Er ging bei seinem Onkel Markus Hanff, dem Domorganisten zu Regensburg, in die Lehre und wurde 25-jährig Organist in Hamburg. 1692 wurde er Domorganist in Eutin und folgte 1711 dem Ruf als Domorganist nach Schleswig. 7 Choralbearbeitungen von ihm sind erhalten geblieben, er zählt neben Dietrich Buxtehude zu den bedeutendsten Vertretern der hansischen Orgelkunst.

Scherlitz, Joh. Valentin (1732-1793)

  • geb. 1732 in Gossel, erste Schulstelle im Hessischem, Hoforganist in Gotha nach A. Kellner
  • gest. 1793
  • Kompositionen: Konzerte (Handschriften in Tabarz, Kantaten)

Brunnen
Unterlagen geben um 1640 sieben öffentliche und 63 private Brunnen an, d. h. fast jedes Haus besaß einen Brunnen. Der Stolz der Gosseler war der (1888 zugefüllte) Klingelbrunnen. Seine Einbeziehung in das Gehöft Nr. 4 geschah erst nach dem Großbrand 1849/50. Der Brunnen war fast 40 Meter tief und soll sich nach unten kaminartig erweitert haben. Lange Zeit befand sich auf dem späteren „Turnplatz“ ein Teich (eine Schwemme).

Brauhaus
Gebäude des jetziges Schenksaales (Saalbau um 1900). „… wird in 14 Tagen ein Erfurter Malter Maltz gebrawet“. Wenn das Bier auch dünner war, es wurden erhebliche Mengen konsumiert. Zu bestimmten Anlässen bekamen auch die Schulkinder Bier.

Gemeinde-Backhaus
Am heutigen Platze. „Wird auf einmal 2 Arnstädter Maaß Korn gebacken, ohngefähr 3 oder 4 mal die Woch“. Die „Besatzungen“ von Brauhaus (gekoppelt mit Schenke), Backhaus sowie die Hirten wechselten häufig und wurden oft von auswärts ausgesucht.

Berufe
Im 17 Jh. sind angegeben (1667): 1 Hufschmied, 2 Leinweiber, 1 Metzger, 2 Schneider, 1 Zimmermann, 1 Maurer, 1 Fleischhauer, ferner 10 Heckenbinder und Teichgräber und 24 Anspänner und 41 Hintersättler. Bezüglich der letzteren sind sonst noch spezifiziert: Landwirte (agricola), Fuhrleute, Schubkärner, auch Waldarbeiter, Kleiber, Reffträger. Für 1667 werden 404 Einwohner angegeben.

Dorfverantwortliche
Zweitweise ist im 17./18. Jh. von einer Zwölfer Vormundschaft die Rede (Zwölfertisch in der Gemeindeschenke). Neben den Schultheißen fungieren die Heimbürgen (in weiter zurückliegenden Zeiten hatten sie Funktion als „Schulzen“), die Gerichts-Schöppen, die Inspectores disziplini, weitere angesehene Personen: die Steiner, die Hirten, die Schützen (Gemeindediener) u. a. wegen jeder Kleinigkeit musste gegen Gebühren die Erlaubnis der Behörden eingeholt werden.

Frondienste
Sie waren erheblich und in Statuten bzw. Vorschriften festgelegt bzw. nach Bedarf bestimmt; z. B. für die Herrschaftliche Jagd, für das „Fürstliche Vorwerck“ in Holzhausen, zu Schloßbauarbeiten in Gotha, zur Wache in Ichtershausen bzw. örtlich zum Wegebau usw.
Zu einer großen Jagd 1736 bei Stutzhaus muss Gossel (Goßel) allein 18 Pferde und 24 Mann für mehrere Tage stellen. Genau eingeteilt waren die Frondienste der zum Amt Wachsenburg gehörenden Ortschaften auf dem „Fürstlichen Vorwerck“ in Holzhausen. Goßel (Gosla) muss z. B. um 1628 dort mit 35 Pferden fronen und 71 Acker pflügen („ein Goßler Ackerhält sich in 160 Ruthen, die Ruth aber 20 Schuh“) dazu kamen noch Handfrone.

Seuchen
In den Kirchenbüchern ist nachzulesen, dass auch Gossel nicht von Seuchen verschont geblieben ist. So heißt es, dass 1611 die Pest und 1871 die Blattern die Menschen in dem Ort Gossel heimsuchten. Die vorhandenen Sterberegister weisen desweiteren eine relativ große Kindersterblichkeit aus.

Almosen
Relativ viele Almosen (kleine Geldbeträge)zahlte die Gemeinde im Laufe des Jahres an die vielen durchziehenden Bettler, an vom Brand Geschädigte, an wegen ihres Glaubens Vertriebene, an verwundete ehemalige Soldaten usw.

Gemeinde-Bußen
Eine Einnahmequelle der Gemeinde waren auch die Bußgelder. Die Gemeinderechnungen weisen Gebühren, meist einen bis mehrere Groschen, aus. Z. B. für Grasen in fremden Äckern, für nicht erlaubtes Befahren von Flurstücken, für Mitnahme umgebrochener Bäume, für Nichteinhaltung von Vorschriften an den Gemeindebrunnen, für Beschimpfungen im Backhaus, für schlechtes Verhalten in der Schenke, für nicht vorschriftmäßiges Bierbrauen u.a.

Ältere Jahreszahlen im Mauerwerk
An den Privathäusern mit den Hausnummern 119 und 75 sind die Jahreszahlen 1569 bzw. 1617 (markanter Torbogen) zu finden. Am ehemals Seeberschen Gehöft, Hausnummer 33 ist möglicherweise die Zahl 1587 (?) lesbar. Das Gehöft war vielleicht der in Erzählungen überlieferte Leithof (wohl Geleitshof). Die Zahl 1028 an der inneren Kirchhofsmauer (gegenüber dem Heizhäuschen) und die Möglichkeit einer Zahl MC… im kleinen Kirchgässchen (unterer Sandstein) sind noch zu untersuchen.

Nachbargeld
Die alten Gemeinderechnungen sagen aus, dass z. B. im 17. und 18. Jh. ein Neuzuziehender eine Gebühr, das sogenannte Nachbargeld, zahlen musste. Das waren zweitweise 4 Mfl (Meißner Gulden), eine relativ hohe Gebühr.

Feste
Für Feste (Hochzeiten, Taufen usw.) hatten die Herrschaften Vorschriften (Beschränkungen) erlassen, da das „gemeine Volk“ ja nicht so feiern und prassen sollte, wie sie selbst. Festliche Anlässe waren, neben den kirchlichen Festen und er auch im 30jährigen Kriege gefeierten Kirmes, die Flurzüge, das Hegemahl (Beziehung zur Jagd), die Verlesung (Abhörung der jährlichen Gemeinderechnung), die Rügegerichte (ernsterer Anlass: Verhandlung leichterer Vergehen), die verschiedenen Visitationen usw.

Schädlingsfang
Die Gemeinde zahlte kleine Beträge z. B. für getötete und abgelieferte Hamster und Sperlinge. Das Taubenhalten war lange Zeit genehmigungspflichtig, die Taubenschläge wurden regelmäßig besichtigt.

Feldmeisterei
Eine erhebliche Feldmeisterei, zugleich Abdeckerei, Aufkauf alter Pferde u. ä. befand sich im Bereich Schreibersgasse-Tambuchstraße. Diese Tätigkeiten übten lange die Familien Bambs (1640: Andreas Bams, Feldmeister) aus. Hiermit gekoppelt war leider auch das traurige Amt des Scharfrichters, auch Nachrichter genannt. Leider war auch die Mitwirkung an peinlichen Verhören, Prozessen, Folterungen damit verbunden.

Abgaben
Zu unterscheiden waren die nach den Zeiterfordernissen erhobenen Steuern und die lange Zeit festen erheblichen Abgaben. Zu letzteren gehörten das Geschoss (Steuern auf Grundbesitz); ein Kühegeld, welches in früher Zeit in natura d. h. Kühen geliefert werden musste. Später war auch Geld möglich. Ähnlich war es mit einer größeren Zahl sogenannter Rauchhühner. Weitere Abgaben waren Erbzins, das Gerichtsgeld (Finanzierung des Gefängnisses und der Insassen), das Hackegeld und die Abgaben an die Kirche (Decem).

Lehntage
Meist in Holzhausen, später dann in Ichtershausen abzugelten. Vorlage und Ablösung der Tausch- und Kaufbriefe; Abtragung der Lehngelder.

Turmknopf/Turmfahne
Die Anbringung erfolgte 1692 bzw. 1693. Ein Chronist gibt an, dass bei Anbringung des Turmknopfes 1692 schriftliche Nachrichten und Münzen eingelegt wurden. Bei der Öffnung 1966 wurden aber nur Materialien von 1846 gefunden. Danach müssten die anderen Dinge bei früheren Öffnungen herausgenommen worden sein. Die Turmfahne zeigt ein Pferd als Symbolfigur. Gleichenstein gibt 1720 an: „Der Knopf auf dem Kirch-Thurme wurde 1689 bei … Thurmbedeckung mit einer Weischen Haube aufgesetzt und sambt etlichen damals gangbaren Münzen und schriftliche Nachricht darein gelegt“. Eine Gemeinderechnung gibt an, dass Goßler 1692 wegen dem Turmknopf in Ichtershausen waren.

Momentaufnahme 1737
Amtmann Erhard meldet, dass einige preußische Werber verbotener Weise in Goßel einige junge Leute geworben haben. Man solle fleißig aufpassen. Die Werber melden … Die Handwerker sind aufeinander eifersüchtig, gegenseitige Beschwerden … 11 Gossler müssen auf dem „Fürstlichen Forstamt Zella“ wegen Waldverbrechen erscheinen… Es wird viel gegen „Curpfuscher und Balsamträger“gewettert … Vorschriften wegen „richtigen Brauens, auf 1 Malter Maltz mehr nicht als 3,5 Eymer Bier gebrauet“. Brauer, Brauknechte, Müller u. a. wurden verpflichtet. … Verordnungen gegen das Raupen-Geschmeiß, gegen „Raub-Schützen und Wildpreth Diebe“, gegen Vereinzelung der Äcker u. a. … Einwohner: 567.

Freiwillige Feuerwehr
Das Gründungsdatum wurde bisher nicht ermittelt. Es muss vor März 1864 liegen, da zwei Protokollbücher ab 1864 Nachrichten enthalten: 7.12.1866 Feuerwehrmannschaft beansprucht Kittel für Übungen; 5.10. 1868 Verhandlung eines Streits zwischen Feuerwehr- und Druckmannschaft. Gustav Linde, „Obercommandör“, Heinrich Rolapp, Oberfeuerwehrmann … Das Protokoll trägt 21 Unterschriften; 11.2.1869 Quittung über Spritzenreparatur; 12.8.1973 Teile von alter Spritze verkauft; 1878 Anschaffung eines Mannschaftswagens … Überörtliche Hilfe bei Bränden war schon früher organisiert. Alte Quittungen belegen, dass Gosseler mit Pferden und Spritze bei Bränden in Nachbarorten halfen. Es waren Feuerläufer eingeteilt, die zu den betroffenen Orten oft staunenswerte Strecken zurücklegten.

Pappelgruppe
Die vor Jahren aus Alters- und Gefahrengründen gefällte Pappelgruppe im „Oberland“, lange Zeit neben dem Kirchturm Gosseler Wahrzeichen, wurde im November 1812 gepflanzt.

Gemeindeschenken
Vor Jahrhunderten ist stets nur von der Schenke die Rede. Es ist anzunehmen, dass das in der Überlieferung genannte Wirtshaus ebenfalls auf heutigem Platz stand. Die Schenke, viele Jahrhunderte Gemeindebesitz, wird 1903 an den Wirt Uhlworm, Plaue, für 38000 Mark verkauft, 1904 geht sie für 40000 Mark an die Schierholzsche Brauerei über.

Flurbereich, Grenzstreitigkeiten
Da die Vorgänge in der Flur für das Dorf zentrale Bedeutung hatten, ist es verständlich, dass es häufig zu ernsthaften Streitigkeiten kam. Dies betraf Streitereien zwischen den Gosselern, aber auch häufig Streit mit Nachbardörfern. Und dies alles, obwohl von den Verantwortlichen strenge Verhaltensregeln, auch Bußgelder, festgelegt waren.
Die Flurzüge waren vorgeschriebene Flurbegehungen mit Überprüfung der Grenzsteine, Feststellen von Unregelmäßigkeiten (die dann amtlich geregelt wurden). Diese Umzüge waren oft jährlich, manchmal auch mehrjährig. Es gab dabei auch Streitereien. An den Grenzen wurden Abordnungen der Nachbardörfer empfangen. Oft waren Musikkapellen dabei. Nach Beendigung fand natürlich auch Essen und Trinken statt. Wenn man so will, war es auch ein Dorffest. Pfarrer Ottonis führte jahrelang einen Privatstreit gegen die Edelleute von Witzleben (Burg Liebenstein). Er beschwerte sich beim Kurfürsten, weil ihm angeblich von Männern des Ernst von Witzleben Korn (Garben) von seinen an der Grenze liegenden Äckern gestohlen worden war. Es musste dann erst rechtlich geklärt werden, wem die Äcker gehörten.

Steinbrüche
Die kurze Blütezeit der Gosseler Steinbrüche begann 1905. Die Initiative hatten Berliner Firmen, die zeitweise 200 Arbeiter (auch Ausländer) beschäftigten. In dieser Zeit sei in den Gastwirtschaften viel getrunken worden. Die Gosseler Steine wurden aber auch schon vorher gern verwendet, z. B. bei den Bauarbeiten an der Liebfrauenkirche Arnstadt, zur Bahnüberführung am Wollmarkt Arnstadt u. a. Die Steinbrüche im Steingraben (Übungsplatzgrenze) sind schon in Erbbüchern 1594 erwähnt, möglicherweise sind es die ältesten. Ob die legendären Gosseler Steinkreuze von hier stammen ist ungeklärt.

Linsenanbau
Zeitweise war Gossel bekannt (etwa bis 1950/55) durch Linsenanbau, in früherer Zeit auch durch Fohlen- und Ferkelaufzucht.

Wüstung „Dorfschaft“
Beziehungen zur „Dorfschaft“ an der Flurgrenze zu Plaue sind wenig untersucht. Über Mauerreste wurde berichtet, der Name „Auf der Dorfschaft am Backofen“ wird schon bezüglich eines Grenzstreites 1532-1576 erwähnt. Ein stark verfallener Brunnen liegt auf Gosseler Seite im Gebüsch. Es scheint heute festzustehen, dass die Bezeichnung „Dorfschaft“ das Überbleibsel eines Sammelnamens „Die Dorfschaften“ ist: Vielleicht die Zusammengehörigkeit von „rode“ Dörfern zu einer alten Vogtei. Unsere „Dorfschaft“ hatte vermutlich einen „rode“ Namen. Das Dörfchen kann schon zwischen 1300 und 1400 wüst geworden sein.
Ursachen? Der Plauesche Chronist Georgi nahm Seuchen (Pest) an, es können aber auch wirtschaftliche Gründe wie: schlechte Ernteerträge, Wassermangel, kriegerische Einflüsse u. a. eine Rolle gespielt haben. Über Beziehungen zu Gossel wissen wir nichts, über eine Aufteilung der Flur zwischen Gossel und Plaue auch nicht.

Größenangaben von Gemeindehäusren (um 1800)
Ein Schenkhaus mit Zubehör 45 Ruthen begreifend … und ein Spritzenhaus 1,75 Ruthen lehnet der Kirche … Ein Brauhaus 5 Ruthen nebst der Braugerechtigkeit lehnet die Kirche … Ein Schäfer- und Schützenhaus 11,5 Ruthen nebst einem Garten dabei von 9,5 Ruthen lehnet der Kirche … 3/8 Ar 7 Ruthen Garten neben Catharina Hartmann gehöret den jungen Burschen und ist ein Vermächtnis. Dieser Burschengarten, Teil des heutigen Schulhofes (mittlerweile Kindergarten-Außengelände), Schulgartens und Spritzenhauses, wird schon weit vor 1800 erwähnt. Die noble Stifterin konnte namentlich noch nicht ermittelt werden. Am 3. Ostertag wurden noch kurz nach dem letzten Kriege Zinsen davon von der Jugend in der Schenke vertrunken. … Ein Hirtenhaus von 17,5 Ruthen nebst einem Garten von 9,5 Ruthen lehnet der Kirche …

Verluste in 2 Weltkriegen
Die Inschriften am 1926 errichteten Kriegerdenkmal vor der Kirche weisen für den 1. Weltkrieg 42 Gefallene/Vermisste aus. Für den 2. Weltkrieg sind auf der Gedenktafel in der Kirche 39 Personen erfasst. Dabei sind die vielen, die Schäden an ihrer Gesundheit erlitten, vorzeitig starben, Invaliden wurden oder sich schwer durchs Berufsleben quälten, kaum erfassbar. Nicht genannt sind diesbezüglich auch die Angehörigen der ehemaligen Umsiedler, die Leben und Gesundheit einbüssten. Kurt Bäumler wurde am 10.4.1945 durch Beschuss des Dorfes getötet, seine Mutter erheblich verletzt.

Sonstiges
Im 18. Jh. ist z. B. viel von nächtlichem Stehlen und Einbrechen, auch von Zigeunern die Rede. Letztere hatten ihren Unterschlupf oft im Tambuch. Weiter wird z. B. 1735/36 von Straßenräubern, auch von „herum vagieren der liederlichen Dirnen“ gesprochen. Namentlich genannt werden Justina von Ohrdruff, Elisabetha Margaretha von Ingersleben. Ehebruch wird mit Landesverweis geahndet, auch „Hurerey“. Als solche galt z. B. das Verhältnis einer Ledigen mit einem verheirateten Mann. Strafen waren hier z. B. zwei Stunden Prangerstehen und Landesverweis. Um 1850/60 ist von häufigen Auswanderungen nach Amerika, auch nach Ichtershausen und anderen Industrieorten die Rede (der Niedergang des stolzen Gosseler Frachtfuhrwesens war hauptsächlich durch das Aufkommen der Eisenbahnen bedingt). Von militärischer Einquartierung wird oft (und nicht nur in Kriegszeiten) berichtet. Vom Bau fester Straßen in Richtung Crawinkel bzw. Arnstadt finden sich um 1860 Nachrichten. Wahrscheinlich ist hier der Ausbau, die Befestigung der alten Wege gemeint. Ein Bauregulativ in einer Neufassung von 1820 bestimmte Einzelheiten über die Finanzierung bei Neubauten und Reparaturen an Kirche, Kirchhofsmauer. Eine Chorordnung von 1856 ist noch vorhanden. Um 1889 wird von der Gründung von Raiffeisen Darlehnskassen- und einem Gemeindeverein gesprochen. Das elektrische Licht flammte am Gründonnerstag, dem 13. April 1922, erstmals auf (Ortschronik Pfarrarchiv).

Quelle: „825 Jahre Gossel – 1170-1995“, Gemeindeverwaltung Gossel (Pfarrer F. Blüthner, G. Eckardt, E. Henning, Dr. G. Krizsmanek, H. Trutschel, R. Unger)

Mit dem Neubau der POS Crawinkel ging die Selbständigkeit der Schule in Gossel zum 1.9.1967 zu Ende. Die Gosseler Schüler der Klassen 4-8 mussten ab diesem Zeitpunkt zum Unterricht nach Crawinkel. Lediglich die Klassen 1-3 blieben als Übergang in Gossel. Dadurch fanden die Schulräume in Gossel auch noch weiterhin Verwendung und zwar bis zum Jahr 1978.
Die durch die Schulverlagerung nach Crawinkel aufgetretenen Probleme und Eingaben führten zu einer für Gossel wichtigen Entscheidung: Bau der Zufahrtsstraße vom Jonastal nach Gossel.

Die Zufahrtsstraße wurde 1968 grundlegend ausgebaut und befestigt und zum Schulbeginn am 1. September für den Busbetrieb nach Gossel freigegeben. Das für diesen Straßenbau erforderliche Pflastermaterial (2000 Tonnen Großpflaster) musste in den Wintermonaten 1967/68 überwiegend in den Abend- und Nachtstunden unentgeltlich durch die Gosseler Bürger am Bahnhof in Crawinkel entladen und von der LPG nach Gossel transportiert werden.

In den Jahren 1972 bis 1977 wurden folgende Straßen im Ort befestigt und ausgebaut:

  • Pflasterung der Hauptstraße
  • Bitumenaufbringung Kirchgasse/Pfarrgasse
  • Pflasterung der Arnstädter Straße
  • Bitumenaufbringung Crawinkler Straße

Das Pflastermaterial für diese Straßen erhielten wir aus der Stadt Arnstadt. Mit Hilfe der Gosseler Bürger wurde das Material in der Bahnhofstraße, Erfurter Straße und Stadtilmer Straße ausgebaut und ebenfalls von der Genossenschaft nach Gossel transportiert.
Zur Verbesserung des Umweltschutzes und Sanierung des Trinkwasserschutzgebietes „Arnstadt-Schönbrunn“ wurde 1988 die Abwasserbehandlungsanlage, bestehend aus drei Oxydationsstreifen, fertig gestellt. Der Wertumfang betrug etwa eine halbe Million Mark.
Mit der Anlage ist die Voraussetzung gegeben, dass das gesamte im Ort anfallende Abwasser (außer dem oberen Bereich der Crawinkler Straße – Ecke Feldstraße bis Ortsausgang) durch Sauerstoffeintrag biologisch behandelt wird. Die Anlage hat eine biologische Reinigungsleistung von 75 Prozent.

An den der Gemeinde zur Verwaltung übertragenen fünf Wohngebäuden (mittlerer bis schlechter Bauzustand) wurden Werterhaltungsmaßnahmen entsprechend der finanziellen Möglichkeiten durchgeführt, die zur erhaltung der Gebäude notwendig waren.
So wurden an allen Gebäuden neben den laufenden Kleinreparaturen Dächer und Fenster erneuert, Fassaden beschiefert u. v. m. Alle Gebäude wurden bis zum Jahr 1988 durch An- und Einbau von Bad und WC modernisiert.

Mit der Eröffnung der Kinderkrippe am 9. Juni 1955 war die Voraussetzung gegeben, dass auch die Kleinstkinder des Ortes untergebracht und  betreut werden konnten. Die Kinderkrippe (die fünfte im Kreis Arnstadt) zog in das Gebäude Hauptstraße 125 ein. Mit dem bereits bestehenden Kindergarten war damit die Unterbringung für alle Kinder im Vorschulalter in Gossel gesichert und die Gewähr dafür gegeben, dass alle Mütter ihrer beruflichen Beschäftigung nachgehen konnten.

Quelle: „825 Jahre Gossel – 1170-1995“, Gemeindeverwaltung Gossel (Pfarrer F. Blüthner, G. Eckardt, E. Henning, Dr. G. Krizsmanek, H. Trutschel, R. Unger)

Ein Rundgang durch die Gemeinde zeigt, was in den Jahren nach der Wende alles entstanden ist.
Das Ergebnis intensiver Bemühungen der Gemeindeverwaltung um den Ausbau der Straßen und Gehwege hat sichtbare Früchte getragen. Es wurden erhebliche Mittel seitens der Gemeinde, aber auch Fördermittel von Bund und Land eingesetzt. …

Die Kindertagesstätte, eine wichtige Einrichtung im Ort, wurde 1991 umgebaut. Der Grund hierfür war die Zusammenlegung von Kindergarten und Krippe.

Leider nicht zu erhalten (eine zeitlang baupolizeilich gesperrt) war das Backhaus. Nach seinem Abriss wurde dieser Platz befestigt und mit Hochbeeten und Bänken versehen. Ein schöner Platz, um zu verweilen.

Ein besonderes Schmuckstück im Ort ist die „alte Schule“ (heutiger Kindergarten). Mit viel Aufwand wurden 1992 der Innenbereich sowie die Fassade malermäßig instand gesetzt. Seither blickt „der Mann mit dem Muschelhut“ im neuen Glanz auf Gossel. Im Laufe der Jahre 1993 und 94 wurden verschiedene Rekonstruktionsarbeiten in dem Gebäude vorgenommen. …

Nach langwierigen Verhandlungen ging die Gemeindeschenke in das Eigentum der Kommune über. …

Ein großer Erfolg war die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm. Sowohl die Gemeinde als auch die Bürger profitierten von den hier bereitgestellten Fördermitteln. Die Arbeit von vier Jahren wurde 1994 durch die Verleihung des Titels „Schönstes Dorf im Altkreis Arnstadt“ gewürdigt.

Pfingsten 1989 beging die Feuerwehr ihr 120jähriges Bestehen. Im Vorfeld dieses Festes waren eingehende Gründungsrecherchen nötig. Diese zeigten dass die FFW-Gossel Vorreiter aller Feuerwehrfeste im Altkreis Arnstadt war. Fünf Jahre später, Pfingsten 1994, wurde das 125jährige Bestehen der örtlichen Feuerwehr gefeiert. Jung und Alt war auf den Beinen und feierte mit einer großen Anzahl von Besuchern dieses gelungene Fest. Höhepunkt war der Festumzug mit Schaubildern. Dank der selbstlosen Einsatzbereitschaft aller Feuerwehrmitglieder wurde dieses Jubiläum zu einem unvergesslichem Erlebnis.

Im Rahmen der Möglichkeiten  wurde auch kulturell einiges bewegt. So gab es unter anderen Veranstaltungen wie Kinderweihnachtsfeiern, Maibaumsetzen, Skatturniere und Nachtrodeln. Es gründeten sich eine Jagdgenossenschaft und die AWO. Ein Leckerbissen der besonderen Art ist ein seit 1994 im Rahmen des „Thüringer Orgelsommers“ alljährlich stattfindendes Konzert in der Kirche zu Gossel. …

Quelle: „825 Jahre Gossel – 1170-1995“, Gemeindeverwaltung Gossel (Pfarrer F. Blüthner, G. Eckardt, E. Henning, Dr. G. Krizsmanek, H. Trutschel, R. Unger)

In fast 2000 Parzellen war die landwirtschaftliche Nutzfläche der GEmarkung Gossel nach dem Krieg zersplittet. Oft waren die einzelnen Flächen nicht größer als 0,2 bis 0,3 ha. So musste mit viel Mühe dem kargen Gosseler Boden das Notwendigste zum Leben der über 120 landwirtschaftlichen Betriebe abgerungen werden.

Am 18. Juli 1952 vereinigten sich 10 Gosseler Bauern unter Leitung von Hugo Schraumann und bildeten die erste LPG im damiligen Kreis Arnstadt. Doch auch für diesen neuen Betrieb mit anfangs knapp 50 ha Fläche war der Anfang schwer und Erfolge der mühsamen Arbeit stellten sich nur langsam ein.

Im Frühjahr 1960 mussten auch in Gossel alle Bauern den Weg in die Genossenschaft gehen, obwohl nicht überall die Bereitschaft für diesen Schritt bestand. So traten am 31. März 1960 in einer Versammlung in der Gaststätte „Erholung“ 101 einzelbäuerliche Betriebe in die bestehende LPG „Thomas Müntzer“ ein.

In den Folgejahren waren zeitweise bis zu 180 Gosseler in der LPG tätig, verdienten hier ihren Lebensunterhalt und schufen sich die Voraussetzungen für eine Alterssicherung, die es vorher nicht gegeben hatte.

Umfangreiche Bauarbeiten kennzeichneten die Jahre von 1960 bis 1970. Mit der Errichtung neuer Rinder- und Schweineställe war die Voraussetzung gegeben, die Arbeit zu konzentrieren und zu erleichtern. Die bäuerlichen Wirtschaften und Ställe wurden aus dem Dorfinneren in die Außenbereiche verlagert, sodass sich Gossel zu einem ansehnlichen Dorf entwickeln konnte.

Wesentlich trug dazu auch der Straßenbau 1973/74 bei, der nur durch den monatelangen hohen Einsatz und die zahllosen unentgeltlichen Transport- und Arbeitsleistungen der LPG-Mitglieder möglich wurde.

Entsprechend der Entwicklung in der DDR wurde im Jahre 1976 auch in Gossel Pflanzen- und Tierproduktion getrennt. Von nun an erfolgte die Bearbeitung der Felder durch die 3200 ha große LPG „Lütsche“ Crawinkel, deren Fluren sich von Siegelbach über Plaue bis Gräfenroda und Crawinkel erstreckten. Etwa 40 dt Getreide wurden je Hektar in dieser Zeit geerntet.

1985 wurden die Tierproduktionen Gossel und Crawinkel vereinigt, um auch hier größere Konzentrationen zu erreichen. Der Tierbestand dieses Betriebes betrug 1989 1800 Rinder, 2000 Schweine und über 1200 Schafe. Die Milchleistung erhöhte sich auf 3750 Liter pro Kuh.

Mit der Wende kamen neue Anforderungen auf die Landwirtschaft unter den Bedingungen der Marktwirtschaft zu. Als erstes besannen sich die Mitglieder aus Gossel auf eine Betriebsorganisation, in deren Mittelpunkt das Dorf und die heimische Gemarkung stand. Doch keines der Mitglieder wollte wieder allein arbeiten, eine gemeinsame Arbeit in der Landwirtschaft sollte bestehen bleiben.
So wurde 1991 die „Agrargesellschaft Gossel mbH“ gebildet, deren Flächen von den Bodeneigentümern gepachtet wurden und die die Gemarkung Gossel mit ca. 750 ha umfassen. …

Quelle: „825 Jahre Gossel – 1170-1995“, Gemeindeverwaltung Gossel (Pfarrer F. Blüthner, G. Eckardt, E. Henning, Dr. G. Krizsmanek, H. Trutschel, R. Unger)

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Frankenhain, Geraberg, Geschwenda, Gräfenroda und Liebenstein) zur „Landgemeinde Geratal“

Gräfenroda

1289 
Ersterwähnung des Ortes Gräfenroda
Gräfenroda ist ein alter Waldort. Seine Geschichte reicht in das frühe Mittelalter zurück. Bereits 1289 wird Gräfenroda urkundlich erwähnt. In der Zeit des Hochfeudalismus muss der Graf Günther VIII von Käfernburg den Ort an das Abt des Kloster Hersfeld verpfänden. Die Verpfändungsurkunde wurde von Kaiser Rudolf I von Habsburg am 22.11.1289 auf dem Reichstag zu Erfurt bestätigt. Dieser Vertrag wurde am 6. Nov. 1301 abgeändert. An Stelle von Gräfenroda traten die Orte Wolfezen, Gosla, Bytstele und Frankenhain mit dem Wald zwischen der „Windischen Gera“ und der Ohra. – Gräfenroda war damals ein stilles Walddörfchen, dessen Einwohner in der Hauptsache vom Wald und dem mit ihm zusammenhängenden Gewerbe lebten. Sie waren Holzfäller, Harzscharrer, Kienrußbrenner, Harzsieder, Steinbrecher, Ziegeleiarbeiter und Fuhrleute.
In der Landwirtschaft lagen die Verhältnisse ungünstig. Die kleine Flur warf nicht viel ab, sie gab kaum die Möglichkeit, das „Jahr-Brodt“ zu bauen. Die besten Flurteile gehörten zum Hofgut, das sich im Besitz feudaler Herren befand.

Quelle: Stephan, Walter „Ortschronik Gräfenroda“ (etwa 1960)

1349
Gräfenroda wurde von der Pest heimgesucht. Durch das friedliche Tal zogen raubende und mordende Söldner der verschiedenen Parteien und Mächtegruppen. Besonders von den Schweden werden schreckliche Dinge berichtet. Die geistige und seelische Not war fast noch größer als die physische.
Schlimm war der Aberglaube, der unsere Menschen befiel und in Angst und Schrecken versetzte. Die Hexenprozesse brachten viele Unschuldige auf den Scheiterhaufen.

Quelle: Stephan, Walter „Ortschronik Gräfenroda“ (etwa 1960)

1553
Gräfenroda tritt dem ev. Luth. Glauben bei. Der erste evangelische Pfarrer war Jeremias Schneider, der Gräfenroda und Geschwenda gleichzeitig zu betreuen hatte.

1588
Die erste Schule, das heutige evangelische Pfarrhaus in der ehemligen Kirchgasse, wird errichtet

1596
Ein Teil des Waldes auf der Burg wird abgeholzt, gerodet und in einzelne Äcker aufgeteilt. Die einzelnen Stücke wurden dann unter die 83 Familien verlost.

1618(-1648: 30jähriger Krieg)
Der 30jährige Krieg brachte auch Gräfenroda Not und Elend. Fünfzehn Häuser sowie zahlreiche Stallungen und Nebengebäude fielen den Flammen zum Opfer.
Doch allmählich erholte sich der Ort von den Kriegsfolgen. Ein bodenständiges Gewerbe begann sich zu entwickeln. Kienrußhütten, Pechhütten und eine Ziegelei entstanden. Aber auch das Harzscharren, das Fällen von Brenn- und Nutzholz, die Herstellung von Holzfässchen („Kienrußbüttchen“) sowie das Fracht- und Holzfuhrwesen, das die Gräfenrodaer oftmals bis nach Hamburg und ins Holländische führte, gewährten ihnen einen bescheidenen Lebensunterhalt.

1630
Die Pest, der „Schwarze Tod“, brach aus und griff rasend schnell um sich. Von etwa 450 Einwohnern starben 363 an dieser heimtückischen Seuche.

14.08.1671
Der gräflich-schwarzburgische Förster Hans Baltasar Harras erlegte auf dem Kamm des Waldsberges einen Bären, wovon der 1954 neu gesetzte Bärenstein Zeugnis ablegt (H.B.H. mors ursi, 14. VIII 1671).
Der Originalstein wurde bei der Holzabfuhr beschädigt, der Kopf mit der Inschrift befindet sich im Ohrdrufer Heimatmuseum.

16.09.1690
Der fürstlich-sächsische Förster Johann Valentin Grahner wird von seinem Vetter, Kaspar dem Läufer, im Walde am Schneekopf in „Verkleidung eines Hirsches Gestalt unversehends allhier erschossen worden“.
Rudolph Baumbach, der Sänger des Thüringer Waldes hat dieses Ereignis in einem Gedicht gewürdigt („Da, wo die Tat geschehen am Waldesrain, steht heutzutage noch der Jägerstein“).

1692
Der Forstknecht Andreas Gundermann baut das historische Schulzenhaus und gründet damit den Ort Dörrberg. Die Gundermanns werden Erbförster.

1696
Am Sieglitzkopf wird eine Glashütte erbaut. Der heutige Glashüttenplatz am Löffelbühl kurz vor Oberhof rührt noch aus dieser Zeit her. Infolge des zu großen Holzverbrauchs musste sie bald wieder abgerissen werden.

Quelle: Stephan, Walter „Ortschronik Gräfenroda“ (etwa 1960)

1702
Errichtung des „Flößgrabens“
Ein anderes großes Ereignis war die Anlage des sogenannten „Flößgrabens“ unweit des Kehltales bei Oberhof durch die Lütsche bis nach Luisenthal durch den Gothaischen Berghauptmann Christian von Utterodt. Dieser Flößgraben hatte die Aufgabe, am Kehltalsteich beginnend, die Hölzer unserer Wälder bis nach Luisenthal zur Eisenschmelzerei zu flößen. Der Flößgraben ist ein technisches Kulturdenkmal ersten Ranges. Heute ist der Graben verfallen und nicht mehr als solche zu erkennen. Der 23 km lange Weg ist heute als beliebter B-Wanderweg bekannt.
Der ausgebrannte Stein (35 m lang, 4 m breit und hoch) auf dem Tragberg ist noch gut erhalten.
In den Jahren seines Bestehens von 1702-1719 wurden insgesamt 13858,5 Klafter geflößt, das wären heute etwa 50000 m3. Wenn man damit allein die Baukosten, die etwa 50000 Taler betragen haben, vergleicht, so liegt die Unwirtschaftlichkeit klar zutage. Aus diesem Grund und wegen der großen Reparaturen, die ständig zu leisten waren, ist der Graben nach 1719 nicht mehr benutzt worden.

1705
In Gräfenroda wird der hervorragende Komponist und Organist Johann Peter Kellner, ein Schüler und Freund Johann Sebastian Bachs, geboren. Kellner war von 1727 bis 1772 Schuldiener und Kantor in unserer Gemeinde und hat das musikalische Leben in Gräfenroda ungemein gefördert. Aber seine Bedeutung für die Entwicklung unserer Musikkultur reicht noch viel weiter. Seine Sammlung Bach’scher Kompositionen lässt erkennen, in welchem Maße er nicht nur als Mittler des Lebenswerkes Johann Sebastian Bachs diente, sondern auf dieses Werk anregend einwirkte.

1787
Das erste Schulgebäude Gräfenrodas (heutiges Pfarrhaus) wird baulich erweitert.

1816
Gründung einer Turmuhrenfabrik durch Heinrich Kühn in der Bahnhofstraße

1855
Im Ried wird die Holzwarenfabrik der Gebrüder Kühn errichtet.

Dezember 1856
Heinrich Dornheim begründete mit der Erbauung einer Tonwarenfabrik in der Bahnhofstraße 79 die Terrakotta-Industrie in Gräfenroda und gab damit den Anstoß zur Entwicklung eines neuen Erwerbszweiges in unserem Ort und darüber hinaus.

1874
Gründung einer weiteren Tonwarenfabrik in der Waldstraße (ehemaliger Kinderhort)

1875
Philipp Griebel und Christian Hildebrand bauen in der Hölle eine weitere Tonwarenfabrik. Es folgen Ernst Heißner, August Heißner und Louis Romeiß.

1881
Auf dem Grundstück von Heinrich Dornheim entsteht die Porzellanfabrik Dornheim-Koch und Fischer.
Mit der Einführung der Terrakotta- und Porzellanindustrie hat sich Gräfenrodas wirtschaftliches und gesellschaftliches Gesicht sehr verändert. Die Ton- und Porzellanarbeiter waren die ersten modernen Lohnarbeiter des Ortes.

31.07.1882
In unserer Flur begann der Bahnbau, der wesentlich zur Entwicklung Gräfenrodas als Industrieort beitrug.
In der Zeit von 1881 bis 1884 wurde die Strecke Erfurt-Ritschenhausen durch die Eisenbahndirektion Magdeburg errichtet. . Am 7.2.1882 erfolgte der Durchschlag des Brandleitetunnels, 3033 m lang, ebenso des kleinen Tunnels, 100 m lang. Über 100 Bahnarbeiter fanden zu dieser Zeit, z. T. mit ihren Familien, Unterkunft.

01.08.1884
Die Hauptstrecke Erfurt-Ritschenhausen wurde an den Verkehr übergeben. Der Hauptbahnhof Gräfenroda steht auf Liebensteiner Flur, weil sich die Gräfenrodaer Grundstücksbesitzer geweigert hatten, das erforderliche Areal zur Verfügung zu stellen.

15.02.1890
„Nach langem Harren und Hoffen“ wurde die Haltestelle Dörrberg eingerichtet.

01.03.1891
In der Gräfenrodaer Flur wird mit dem Bau der Nebenstrecke Gräfenroda-Ohrdruf begonnen, sie bildete die Fortsetzung der schon seit 1876 bestehenden Strecke Gotha-Ohrduf.

1891
In der „Obermühle“ von Oscar Mell wird eine Prozellanfabrik errichtet, die später von Wilhelm Heene fortgeführt wird.
Schultheiß wurde seit 1891 Schreinermeister August Graf. Die Arbeitermehrheit im Gemeinderat bestand aus eingetragenen Mitgliedern der SPD und aus Sympathisierenden, wie dem Oberholzhauer Hermann Schmidt (Bediensteter im herzoglichen Forst), der als Gemeindevertreter und Aufsichtsratsmitglied im Konsum-Verein sich konsequent für die Interessen der Arbeiterschaft einsetzte.

01.11.1892
Die 18,40 km lange Bahnstrecke von Ohrdruf nach Gräfenroda wird dem öffentlichen Verkehr übergeben.
Die Haltestelle im Ort erhielt den Namen „Gräfenroda-Herrenmühle“. Für Gräfenroda bedeutete die neue Nebenstrecke einen großen Gewinn. Seine verkehrstechnische Verbindung zum Süden und Norden wurde nun unmittelbar hergestellt und trug wesentlich zu seiner individuellen Entwicklung bei. Ebenso mit dieser Entwicklung verbunden ist das Glaswerk. Es hat sich seit seinen Anfängen (4. Dez. 1870) vom Waldhüttenbetrieb (damals noch mit Holz geheizt) zu einem leistungsfähigen volkseigenen Betrieb entwickelt, der dazu auserkoren wurde, in Kürze mit der Produktion des bekannten „Jenaer Glases“ zu beginnen. Zur Aufnahme dieser Produktion, bedingt durch die technisch-physikalischen Eigenschaften dieses Glases sowie dessen Herstellung, waren große Veränderungen und Neubauten notwendig. Sie werden dem VEB Glaswerk bis zum Jahre 1964 ein neues Gesicht geben.

1893
Reichstagswahl
In Gräfenroda wählten von 321 abgegebenen Stimmen 210 den Vertreter der SPD, den Reichstagskandidaten Wilhelm Bock (Gotha). Zu einer ersten Bewährungsprobe der jungen Arbeiterpartei am Ort wurde der große Streik der Porzellanarbeiter bei der Fa. Wilhelm Heene in der sogenannten Obermühle (12/1990 bis 04/1901).

1897
Gründung des Arbeitergesangsvereins „Frohsinn“ durch die Arbeiterpartei

Quelle: Stephan, Walter „Ortschronik Gräfenroda“ (etwa 1960)

Dezember 1900
In der Porzellanfabrik von Wilhelm Heene bricht ein großer Streik aus, der sich bis zum April 1901 hinzog. Im Dezember 1900 versuchte der Fabrikbesitzer die führenden Kollegen der Porzellanarbeiterverbandes und der Arbeiterpartei aus seiner Porzellanfabrik (ehelmals VEB „Keramik“) auf die Straße zu setzen und die kraftvolle Entwicklung der Arbeiterbewegung durch Terror aufzuhalten. Der Streik rief die gesamte Arbeiterschaft am Ort auf den Plan und wurde durch die Sozialdemokratische Partei unter den Verband der Porzellanarbeiter nachhaltig unterstützt. Sozialdemokratische Abgeordnete des Reichstags und des Landtags weilten in Gräfenroda und sprachen zu den Streikenden, unter ihnen der bekannte Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bock und der spätere Präsident des Gothaischen Landtags Heinrich Wolf aus Tambach.

April 1901
Den im Dezember 1900 ausgebrochenen Generalstreik, schlossen sich auch andere Tonwarenbetriebe an. Dies zwang schließlich den Fabrikbesitzer Wilhelm Heene zur Zurücknahme seiner Anordnungen und Entlassungen. Inzwischen aber hatten sich viele dieser Arbeiter und führenden Funktionäre der Arbeiterschaft zur Neugründung eigener kleiner Handwerksbetriebe zusammengeschlossen und arbeiteten selbständig.
Andere fanden ein Unterkommen im Konsumverein als Lagerhalter oder Geschäftsführer, wie z. B. Karl Fröhlich (geb. 1872), der bis zu seinem Tode (1949) der Konsumgenossenschaft vorstand, oder Karl Nagel, der jahrzehntelang in der Ortskrankenkasse tätig war. Beide gehörten mehr als ein Vierteljahrhundert dem Gemeinderat als aktive Kommunalpolitiker an.

1939-1945
II. Weltkrieg
Wie der 30jährige Krieg und der erste Weltkrieg, so brachte auch der zweite Weltkrieg viel Leid über die Einwohnerschaft und legte der industriellen Entwicklung ernste Hemmnisse in den Weg. Eine große Anzahl von Gebäuden wurde durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt, bzw. völlig zerstört. Acht Brücken wurden von den deutschen Truppen auf dem Rückzug zerstört. 178 Söhne und Väter kehrten nicht wieder zurück und fast ebensoviel blieben vermisst.
Am 03.04.1945 ist mit dem ersten amerikanischen Luftangriff unser Heimatort unmittelbarer Kriegsschauplatz geworden. 11 Tote waren zu beklagen, dazu eine Reihe Schwer- und Leichtverletzter.
Am 05.04.1945 liegt unser Ort unter amerikanischem Artilleriefeuer.
Am 08.04.1945 ist wieder ein schwerer Luftangriff amerikanischer Jagdbomber in der Ortsmitte (Waldstraße, Lindenplatz, Anspielgasse II).
Am 10.04.1945 gegen 23 Uhr liegt der ganze Ort unter schwerem Artilleriefeuer. Unermesslicher Schaden entsteht, in der Hintergasse und in der Bahnhofstraße wüten Brände. Volkssturm und Feuerwehr sind machtlos. Das Portal der Theodor-Neubauer-Schule in der Ohrdruferstraße wurde durch Volltreffer zerstört, das Glaswerk erhielt 19 Volltreffer durch Granaten und zahllose Zerstörungen durch die Bordwaffen der Tiefflieger.
Am 11.04.1945 wurde Gräfenroda von Angehörigen der USA-Armee besetzt. Die überwiegende Mehrzahl der Einwohnerschaft legte sofort Hand an, um Herr der Zerstörung und der Not zu werden. Dank des entschlossenen Aufbauwillens der Arbeiterschaft konnten die meisten Betriebe schon nach kurzer Zeit die Produktion aufnehmen.
Am 01.07.1945 wird der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der KPD Ortsgruppe Gräfenroda, Hermann Gärtner, als Bürgermeister eingesetzt. Die sowjetischen Truppen übernehmen anstelle der inzwischen abgezogenen Amerikaner die Administration und leiten die antifaschistisch-demokratische Ordnung ein. Unsere volkseigenen Betriebe entstehen, die Arbeiterklasse steht überall an vorderster Front, um die Not und das Elend des totalen Zusammenbruches zu bannen und dem deutschen Volke auch in unserem Ort eine bessere Zukunft zu erarbeiten.
Am 01.10.1945 wird laut Befehl des Oberkommandanten der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Marschall Schuckow, der Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen in der (sg.) sowjetisch besetzten Zone aufgenommen, freilich mit unbelänglichen Kräften und Mitteln.
Die meisten Schulen hatten unter der Kriegseinwirkung sehr gelitten, viele waren völlig zerstört und sämtlicher Lehrmittel beraubt. Es fehlte an Räumen, zumal sich die Kinderzahl durch den Zuzug kinderreicher Familien aus dem Osten nahezu verdoppelt hatte. Die bisherigen Lehrkräfte jedoch waren wegen ihrer früheren Zugehörigkeit zur NSDAP nicht mehr tragbar und wurden größtenteils aus dem Schuldienst entlassen. Manche Lehrer hatten gleichzeitig das Ordinariat von zwei Klassen zu übernehmen. Fast alle Lehrmittel waren verschwunden, nur wenige noch in einem brauchbaren Zustand. Erst nachdem 1946 zahlreiche „Neulehrer“ von den neu eingerichteten Pädagogischen Fachschulen nach achtmonatiger Ausbildung kamen, konnte jede Klasse ihren Ordinarius erhalten.
In den Fabriksälen der Fa. Eckardt und Menz wurden Klassenräume eingerichtet, auf dem Hofe der damaligen Theodor-Neubauer-Schule (heute Grundschule „An der Burglehne“) wurden Baracken aufgestellt und auch die Räume im Hintergebäude des damaligen Postamtes wurden wieder schulischen Zwecken dienstbar gemacht.
Seit Frühjahr 1946 übernahm die Leitung der Schule der aus Berlin kommende Rektor Fritz Zielke, der später Schulrat im Berliner Ostsektor wurde. Er hat sich um den Ausbau unserer Schulen und besonders um die Weiterbildung der Neulehrer große Verdienste erworben.
Im Februar 1947 wurden die noch vorhandenen „Altlehrer“ entlassen, außer der Lehrer Stephan, der 1933 vom Naziregime gemaßregelt worden war und erst 1945 wieder in den Schuldienst eingestellt wurde. Er hatte gemeinsam mit dem Lehrer Otto Leopold die Leitung der Schule nach Zusammenbruch übernommen.
Das neue Lehrerkollegium wurde in vielen Konferenzen, Sitzungen und Tagungen mit den neuen Aufgaben vertraut gemacht und in pädagogischen Arbeitstagungen fachlich geschult. Aufgrund des neuen Berufsenthusiasmus konnte bereits 1948 mit dem Aufbau der Zwölfklassenschule begonnen werden. Fünf Jahre später wurde die damalige „Theodor-Neubauer-Schule“ zur selbständigen Oberschule erklärt. Die Leitung übernahm der hierorts geborene Neulehrer Artur Nüchter, der seit 1946 an der hiesigen Grundschule tätig gewesen war. Durchschnittlich 140 Schüler, davon 75% Arbeiter- und Bauernkinder, aus Gräfenroda und den umliegenden Orten eigneten sich hier ein gutes Allgemeinwissen an und konnten sich die mit Unannehmlichkeiten verbundenen Fahrten zur Arnstädter Oberschule ersparen. Die Grundschule wurde von der Oberschule getrennt und führte unter der Leitung des 1948 aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Neulehrers Wilmut Dreßler ein eigenes Dasein. In der Lehrergewerkschaft arbeiteten die Kollegien beider Schulen gemeinsam am Aufbau neuer pädagogischer Prinzipien, die im Hinblick auf die übrige gesellschaftspolitische Entwicklung notwendig wurden.

07.03.1953
Der Chefarzt Dr. Kammermeyer wurde republikflüchtig. An seiner Stelle trat am 14.4.1953 Dr. med. Gottweiss, vorher Leiter
des Landambulatoriums Stadtilm.

28.09.1955
Anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Peter Kellner wurde während einer vom Deutschen Kulturbund veranstalteten J. P. Kellner-Festwoche eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Kellners (leider bereits abgerissen) in der ehemaligen Kirchgasse feierlich enthüllt und das Lebenswerk dieses großen Musikers in einer Gedenkschrift besonders gewürdigt.

1958
Pfarrer Roggenschuh verließ die Gemeinde, um zu seiner in der Bundesrepublik wohnenden Familie zu ziehen. An seine Stelle trat Ende des Jahres 1958 Pfarrer Hans-Joachim Blankenburg, von Dienstedt kommend.

01.09.1958
Einführung des polytechnischen Unterrichts, was auch für die hiesige Schule viele neue Aufgaben mit sich brachte. Die Schüler der Klassen 7-10 müssen den Unterricht in der sozialistischen Produktion in den drei volkseigenen größten Betrieben am Orte sowie im Staatsforst, in der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG) sowie in der Ländlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Neuer Weg“ ableisten.

16.11.1958
Volkswahl; In den volkseigenen Betrieben gingen zahlreiche Produktionsverpflichtungen ein, um dadurch ihre Verbundenheit mit dem Arbeiter- und Bauernstaat zu bekunden. Bereits vor 7 Uhr hatte sich vor den Wahllokalen eine Reihe von Wählern eingefunden, um möglichst die ersten zu sein, die ihre Stimme den Kandidaten der Nationalen Front gaben. Zu den ersten Wählern zählte die 93 Jahre alte Frau Karoline Graf aus der Goethestraße, die von den Jungen Pionieren mit einem Blumenstrauß und einem Handwagen ofenfertigen Holzes freudig überrascht wurde. 99,54% der Wahlberechtigten von Gräfenroda stimmten für die Kandidaten der Nationalen Front, nur 15 Einwohner blieben der Wahl fern. Von den aufgestellten Kabinen wurde nur selten Gebrauch gemacht, fast alle Wähler stimmten offen ab.

29.03.1959
Die Jugendweihe, fand am Ostersonntag im festlich geschmückten Saal der HO-Gaststätte „Deutscher Hof“ statt. 48 Knaben und Mädchen nahmen daran teil. Die Festrede hielt der Sekretär der Bezirksleitung der SED Erich Kurt Holzmüller (Erfurt). Die Urkunden und das wissenschaftliche Werk „Weltall, Erde, Mensch“ wurden von Direktor Triebenecker und Lehrer Roland Fischer feierlich überreicht. Jeder Teilnehmer erhielt ferner Blumen aus den Händen der Jungen Pioniere. Die musikalische Ausgestaltung der Feier hatte das Streichquartett Heidenreich aus Suhl übernommen.

05.04.1959

  • Unter den Klängen des Blasorchesters wurde Sonntag morgen 8 Uhr das Nationale Aufbauwerk 1959 durch Bürgermeister Gärtner feierlich eröffnet. Die rd. 40 Teilnehmer verteilten sich auf drei Schwerpunkte: Ausschachtungsarbeiten am Rinderoffenstall, Baugelände der AWG auf der „Langen Else“, Planungsarbeiten und Gräben ausheben auf dem Sportplatz in der „Alten Lache“.
  • Im Saale von Eschrichs Gasthof fand ein gemeinsames Konzert Gräfenrodaer und des Dortmunder Musikern statt; letztere sind Träger des Staatspreises für künstlerisches Volksschaffen. Der Stellv. des Vorsitzenden des Rates des Kreises, Karl Eschrich, und Bürgermeister Gärtner dankten den Mitwirkenden und wiesen auf die Gemeinsamkeit unseres Kampfes für ein atomwaffenfreies, friedliebendes Deutschland hin.
  • Die Freiwillige Feuerwehr wurde auf 40 Mann verstärkt. Alle Kameraden nahmen nicht nur geschlossen an der Breitenausbildung des Deutschen Roten Kreuzes teil, sondern beteiligten sich auch rege am Nationalen Aufbauwerk des Ortes. Bei allen vorgenommenen Übungen erwies sich die Wehr als voll einsatzfähig. Zur Zeit werden im ganzen Ort Brandschutzkontrollen durchgeführt. Bis zum 1.5., dem Kampftag der Werkstätigen, soll die Freiwillige Feuerwehr auf 50 Mann verstärkt werden.

10.04.1959

  • Die 1. Quartalsauslosung im Prämiensparen vom 10.4.1959 ergab einen Gewinn zu 3000 DM, 7 zu je 100 DM, 14 zu je 50 DM, 62 zu je 20 DM und 10 DM, also insgesamt 84 Gewinne zu 5110 DM. Bis zur freien Verfügung über die eingezahlten Sparbeträge stehen die Gelder, insbesondere für den Wohnungsbau (Burgstraße) zur Verfügung. Der glückliche Gewinner der 3000 DM ist der Thermometermacher Erich Nagel vom Kirchhof, der zu den Baulustigen (?) in unserer Gemeinde zählt.
  • Bei der im März durchgeführten Altstoffsammlung sammelten die Schüler der Theodor-Neubauer-Schule 8000 Glasflaschen und 5,5 Tonnen Altpapier.

11.04.1959
fünfjähriges Bestehen der LPG „Neuer Weg“; Sie gehört mit ihrer 48ha großen Nutzfläche (davon 25ha unter dem Pflug) zu den kleinsten Genossenschaften unseres Landkreises, steht aber an Aktivität den größten Genossenschaften nicht nach.

17.04.1959
An einer vom Pionierleiter Siegfried Hendrich ins Leben gerufenen Blasinstrumentengruppe beteiligen sich bis jetzt acht Schüler verschiedener Altersstufen. Es soll auf diese Weise der dringend benötigte Nachwuchs für das Gräfenrodaer Blasorchester herangezogen werden.

18.04.1959
Unter starker Anteilnahme der Betriebe fand auf dem „Felsenkeller“ die Ortsdelegiertenkonferenz der SED statt. Den Rechenschaftsbericht gab stellv. Bürgermeister Emil Schmidt. In der Diskussion sprachen über 20 Delegierte, als Vertreter der Kreisleitung der 2. Sekretär Karl Baumbach (Arnstadt). Als Sekretär der Ortsparteiorganisation wurde das Mitglied des Ortsvorstandes, FDGB-Angestellter Walter Motz einstimmig gewählt.
In einer gut besuchten Einwohnerversammlung gab der Abschnittsbevollmächtige der Deutschen Volkspolizei, Unterleutnant Kießling, einen umfassenden Bericht über die kriminelle und verkehrspolizeiliche Lage im Ort. In der sich anschließenden Aussprache konnten zahlreiche Fragen, von den anwesenden Vertretern der Kriminalpolizei, der Verkehrspolizei, des Pass- und Meldewesens und des Ministeriums für Staatssicherheit geklärt werden.

20.04.1959
Vor einem Jahr wurde hier die erste Produktionsgenossenschaft des Malerhandwerks im Kreis Arnstadt mit 16 Mitgliedern gegründet. 1. Vorsitzender war der Malermeister Erich Eckardt, der am 20.04.1958 im Alter von 41 Jahren verstarb. An seine Stelle trat das Gründungsmitglied Martin Schappach. Die PGH konnte ihre Mitgliederzahl inzwischen auf 20 erhöhen; die Kollegen wollen 1959 die Pro-Kopf-Leistung von 700 DM auf 800 DM steigern. Gegenüber dem alten Plan (1958) und einer Gesamtsumme von 17000 DM sieht der neue den Betrag von 210000 DM vor, die sich in Putzarbeiten u. in Maler- und Reparaturarbeiten aufgliedern.

25.04.1959
Die erste Quartalsauslosung im Prämiensparen für das Jahr 1959 erbrachte für die hiesigen Sparer 84 Gewinne mit insgesamt 5110 DM, darunter 1 Gewinn zu 3000 DM. Der Gewinner ist ein jung verheirateter Thermometermacher, der sich ein Haus bauen möchte, wozu er das Geld gut verwenden kann.

27.04.1959
Wie sehr die Bevölkerung an einem Abschluss eines Friedensvertrages interessiert ist, beweisen die stündlich beim Kreisvorstand des FDGB und beim Kreissekretariat der Nationalen Front eingehenden Schreiben. Auch die Belegschaft des Landambulatoriums Gräfenroda übersandte ein solches Schreiben, in dem es unter anderem heißt: „Wir erklären uns mit der Direktive der Volkskammer einverstanden und fordern von unserer Delegation für Genf, dass diese verwirklicht wird. Durch unsere Unterschrift stellen wir uns voll inhaltlich hinter diese Forderungen. Sie sind gerecht, weil sie den Frieden beinhalten.“

01.05.1959
Am Vorabend des 1. Mai wurde unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft der Maibaum auf dem Lindenplatz gesetzt. Anschließend sangen und tanzten die Kulturgruppen der Mittelschule unter Mitwirkung des Blasorchesters. Starken Beifall erntete die Tanzgruppe der BSG Chemie, die jung und alt mit ihren anmutigen Tänzen erfreute. Bürgermeister Gärtner zeigte die Entwicklung des 1. Mai von 1890 bis zur Gegenwart auf. Der 1. Mai selbst wurde mit Wecken durch den Fanfarenzug der Theodor-Neubauer-Schule eingeleitet. Etwa 2300 Teilnehmer hörten um 13 Uhr die durch Lautsprecher übertragene Ansprache eines Mitgliedes der Kreisleitung der SED auf dem Lindenplatz, in deren Mittelpunkt die Forderung nach Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland stand. Am Umzug durch den Ort beteiligten sich ca. 1800 Einwohner und Mittelschüler. Auf dem „Felsenkeller“ fand ein wahres Volksfest statt. Das Blasorchester spielte im Musikpavillon. Es wurden mehrere tausend Rostbratwürste verzehrt.

Fortsetzung folgt.

Quelle: Stephan, Walter „Ortschronik Gräfenroda“ (etwa 1960)

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Frankenhain, Geraberg, Geschwenda, Gossel und Liebenstein) zur „Landgemeinde Geratal“

Liebenstein

1019
Vermutliche Erbauung der ersten Kirche. Sie war dem Heiligen Johannes gewidmet, wurde „Oberkirche“ genannt und befand sich im Gebiet des heutigen Friedhofes.

ca. 1270
Erbauung der „Burg Liebenstein“ im Auftrag der Grafen Käfernburg/Schwarzburg als Schutzburg, zur Kontrolle der vorbeiführenden Fernhandelsstraßen und als Verwaltungssitz

1282
Erste urkundliche Erwähnung der „Burg Liebenstein“
Bewohner waren die Herren von Liebenstein; später verschiedene Lehensträger und Burgherren aus dem Geschlecht derer von Witzleben

1303
Ersterwähnung von Liebenstein
In der heutigen Ortslage „Hammeracker“ bestand das Dorf Sechselroda und außerdem hatte sich am Fuß des Burgberges bei wehrhaften Hof eine weitere Siedlung entwickelt. Aus beiden entstand in der Zeit von 1381 bis 1434 Liebenstein.

1369
Erwerbung der „Burg Liebenstein“ durch die Wettiner als landgräflicher Besitz
(Es folgen mehrere Verpfändungen.)

1434(-1820)
Belehnung Heinrichs von Witzleben mit der „Burg Liebenstein“
Bis 1829 waren die von Witzleben als Burgherren und Besitzer des Rittergutes zugleich auch Erb-, Lehens- und Gerichtsherren über das Dorf Liebenstein

1435(-1453)
„Unterkirche“ im Auftrag von zwei Fräulein von Witzleben „unten im Dorffe am Berge“ erbaut

1450
Die Grundherrschaft Liebenstein bestand aus 13 Dörfern

1589
Bericht über die „Oberkirche“:
„Die zu Liebenstein haben eine wüste Kirche, darin man teuffet und Beicht sitzt, haben auch die von Adel ihr Begräbnis darinnen, hat böse Dachung und siehet darinnen, wie in einem Saustall: haben hiebvor in allen visitationibus zugesagt, sie im baulichen Wesen zu halten, wird aber nichts daraus“.
Es folgte der Abriss. Die Glocken wurden zunächst an einem Gestell am Berg angebracht.

1610
Errichtung des „Vorderen Schlosses“ auf der „Burg Liebenstein“

1637
Transport der alten Kirchenglocken der ehemaligen „Oberkirche“ zur „Unterkirche“

Mitte d. 16. Jahrhunderts
Ausbau des „Vorderen Schlosses“ auf der „Burg Liebenstein“ zu einem Wohnschloss

1642
Durch den Dreißigjährigen Krieg gab es einige „wüste hofe stehen“ (zerstörte, verlassene Höfe)

1665
Von 45 Häusern waren noch immer acht Häuser und die obere Kirche zerstört

1690
Großer Band, wobei das Pfarrhaus mit allen im Ort vorhandenen Urkunden vernichtet wurde

17. Jahrhundert
beginnender Verfall der „Burg Liebenstein“

1746
Erwerbung eines Teiles der Besitzungen der Familie von Witzleben zu Liebenstein durch Freiherr Heinrich Günther Reinhard von Röder

1750
Etwa 249 Einwohner wohnten in 55 Häusern. Nur die Schafhaltung hatte größere Bedeutung. Die meisten Einwohner arbeiteten auf dem Rittergut oder im Wald.

um 1750
Herrenhaus „Röderschlößchen“ als Wohnsitz erbaut.
Der Freiherrn von Röder bewohnte das Haus jedoch nur bis 1751. In diesem Jahr zog er nach Molsdorf, wo er dann 1756 verstarb.

1768
Übernahme des Röderschen Besitzes von der Witwe Röders durch Ernst Ludwig von Witzleben als Erbschaft

1820
Durch den Tod Johann Ernst von Witzlebens fiel der Besitz des „Röderschlößchens“ an das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.

1830
Einziehung der „Burg Liebenstein“ mit Zubehör durch den Herzog Sachsen-Coburg und Gotha als „erledigtes Lehen“
Die Burg war herzogliches Justizamt von den grundherrlichen Gerichten Elgersburg und Liebenstein.

1835
Auflösung des Rittergutes durch die herzogliche Kammer in Gotha

1841
Neubau der jetzigen Kirche (ehem. „Unterkirche“)
Am 3. Oktober Einweihung im Beisein des Herzogs.

1853
Im Dorf gab es 30 Anspänner

1859-1866
Umbau des „Röderschlößchens“ als Justizamt (mit Gefängnissen)

1867
Verkauf der „Burg Liebenstein“ auf „Abbruch“ und Abtragung der Nebengebäude

1871
Liebenstein hatte 541 Einwohner

1898
Anschluss an die Hochdruckwasserleitung

1912
Umbau des „Röderschlößchens“ mit Teilung des Festsaales

1914-1918

  • Liebenstein hatte im !. Weltkrieg 31 Einwohner zu beklagen (29 gefallen, 2 vermisst)
  • I. Weltkrieg: Ablieferung der großen und der kleinen Glocke der ehemaligen „Oberkirche“
    Die mittlere Glocke wurde später auf das Ehrenmal für die Gefallenen aufgesetzt. Als Ersatz wurden drei Stahlglocken angeschafft.

1920

  • Auflösung des Justizamtes im „Röderschlößchen“
  • Der Ort kommt zum Landkreis Arnstadt

1924
Anschluss an das Elektrizitätswerk Gotha

1937
Liebenstein hatte 792 Einwohner. Das Gemeindegebiet betrug 1261,6 Hektar.

1945
II. Weltkrieg: Wegen Schäden durch Artilleriebeschuss erfolgte die Abtragung des Kirchenturmes.

1947
Übernahme des „Röderschlößchens“ durch die damalige Gemeinde Liebenstein und Nutzung als Gemeindebüro, Heimatmuseum, Bibliothek und Versammlungsgebäude

1961
Neubau des Kirchenturmes (im Auftrag von Pfarrer Harry Anton)

1962
Innenerneuerung der Kirche (Beseitugung der restlichen Kriegsschäden)

1992
Anschluss an die Erdgasleitung

1995
Bau eines neuen Wasserwerke an der „Schwedenschanze“

1996
Übernahme der „Burgruine Liebenstein“ durch die „Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten“ (Land Thüringen) und Beginn grundlegender Erhaltungsarbeiten

1997
– Sanierungsarbeiten im „Röderschlößchen“ (mit Beseitigung der Mauer im Festsaal und Freilegung der Stuckdecke)
– Gründung des „Burgvereins Liebenstein e. V.“ als Förderverein für die „Burgruine Liebenstein“

1999
Fertigstellung der Sanierungsarbeiten an der „Burgruine Liebenstein“

01.01.2019
Zusammenschluss mit fünf weiteren Ortschaften (Frankenhain, Geraberg, Geschwenda, Gossel und Gräfenroda) zur „Landgemeinde Geratal“

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