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Die Zeit tut das, was sie kann, sie vergeht.

von Alexandra

Bahnhofstraße 18, 99330 Geratal OT Gräfenroda


Vor 50 Jahren musste die Gräfenrodaer Turmuhrenfabrik um ihren Gründer Heinrich, dessen Sohn Friedrich, seinen Enkel Wilhelm sowie Urenkel Walter Kühn ihre Tore schließen. Eine erinnerungswürdige Retrospektive.

Ab dem Jahr 1816 wurden über vier Generationen hinweg auf dem Gelände dieser renommierten Firma in der Bahnhofstraße 18 Schmiede-und Schlosserarbeiten ausgeführt, es wurden Uhren aller Couleurs gebaut. Aus der Vielfalt der Fabrikationen sei eine hervorgehoben: Einer, der sein Arbeitsleben dort getan hat, entwickelte 1872 eine Kartoffelreibemaschine, der Schlosser Hermann Lefler.

Das Gredo war jedoch die Entwicklung von „Kühnsche Turmuhren aus Gräfenroda“. Dem Walddorf an der Wilden Gera wurde damit industrielle Blüte beschert. Ein Handwerksbetrieb in 156 Jahren über mehrere Staatsformen zu manövrieren, das waren und sind bis heute Pionierleistungen. Eine beachtenswerte Zahl ihrer Nachlässe schlagen immer noch in Thüringen, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, sind zu besichtigen, zu bewundern. Es sind Meisterleistungen der Handwerkskunst. Die Kühns haben der Technik, die unseren Lebensrhythmus bestimmt, Gesichter gegeben.

Ein Autorenteam, alle drei eng mit ihrem Geburts-und Heimatort Gräfenroda verbunden, machte sich vor ca. 10 Jahren auf Spurensuche nach der Kühnschen Familien-und Firmengeschichte. Das Buchwerk wurde 2016 zu Ehren der Werkstattgründung 1816 herausgegeben. Über Fünfhundert Zeitmesser werden in Wort und überwiegend farbigen Bildern vorgestellt. Sie vereinen sich in ca. 670 Fotos mit Auskünften von Uhrenthusiasten und Zeitzeugen und bilden somit ein Ensemble, das in seiner Signifikanz ein wirtschaftlich-kulturhistorisches Zeugnis der besonderen Dichte darstellt. An die einhundertneunzig Kühn-Uhrwerke sind immer noch in einem tadellosen Zustand und absolvieren ihre Dienste in guter Qualität. Wohl auch deswegen, weil sie von geschickten Händen und einer großen Portion an Idealismus für die „Uhrsache“ gehegt und gepflegt werden. Ehrenwert ist die Pflege des Uhrwerks im Wehrturm des Schlosses von Elgersburg: 1821 vom Gründer Heinrich eingebaut, geht es heute noch nach der Kühnschen Bauweise und tut somit 201 Jahre seine Dienste. Einige seiner Artrelikte stehen wohlbehütet in Einhausungen im Ruhestand und sind wenigstens zu bestaunen, einige jedoch fristen ein klägliches Dasein, andere sind für immer verschwunden…

Erich Kloss, der letzte Pächter, nach Helmut Heinz, und dem Tod von Hedwig Kühn (1971), Witwe von Walter Kühn, musste 1972 die Fabrikuhr anhalten, die Maschinen zum Stillstand bringen. Den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen konnte er nicht trotzen; es rentierte sich nicht mehr, Turmruhren in Gräfenroda zu bauen. Die Löschung des geschätzten Handwerkbetriebs ist im Handelsregister Arnstadt vermerkt. Wertvolle Archivalien, wie Firmenbücher und Briefwechsel sind seither verschwunden, unauffindbar, wohl in diffuse Kanäle getriftet. An eine Wahrung resp. Verwahrung hatte damals, 1989/1990 im Strudel der politischen „Wende“, offensichtlich niemand in Gräfenroda gedacht. Ungehindert konnten am 1.7.1990 Vertreter vom Turmuhrenarchiv Bad Cannstadt im ehemaligen Betriebsgelände „forschen“ und kassieren.

Das Uhrwerk im Giebel des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses der Kühns war 2016 noch sichtbar. Ob es heute noch so ist, konnte, trotz mehrfacher Versuche den Besitzer des Hauses zu erreichen, nicht erfragt werden. Es wurde im Jahr 1911 eingebaut, das Firmenschild weist die Nummer 361 aus. Ein Blick nach oben im Vorrübergehen erinnert für einen Wimpernschlag an große Handwerkskunst aus einem kleinen Dorf.
Manchmal hat es nicht nur den Anschein, als würde die Zeit angehalten werden.

Rotraut Greßler


(Vergl.: Greßler, Rotraut; Schwientek, Ursula; Siefert, Harald: Kühnsche Turmuhren aus Gräfenroda. Eine Chronik mit Bestandsaufnahme von 1816 bis 1972.
Zahlr. farbige Abbildungen. Gräfenroda und umliegende Orte, Band 3. 227 S. Eine Orte-Übersichtskarte. Waltershausen und Gräfenroda 2016. (Rotraut Greßler)


Bildrechte: Ursula Schwientek (2016)

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