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Exkursion der Sektion Mitteldeutschland der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft e.V. (DMG) zum Deutschen Thermometermuseum Geraberg

von Alexandra

Die Gruppe der DMG-Sektion Mitteldeutschland vor der Elgersburg (Foto: Jens Hertwig).

Ein wichtiger Teil des jährlichen Programms der Sektion ist eine Exkursion zu einer meteorologisch interessanten Stätte in Mitteldeutschland. Dieses Jahr fiel die Wahl auf das Deutsche Thermometermuseum in Geraberg.

Geraberg – ca. 50 km südlich von Erfurt – hat eine lange Tradition in der Herstellung von meteorologischen Messinstrumenten. Seit 1873 wurden hier Fieberthermometer hergestellt. Gründe für diese Ansiedlung waren die Verfügbarkeit von Holz und Sand und somit Glas, sowie das Vorhandensein von Arbeitskräften. Das Thermometerwerk Geraberg (TWG) hatte bis zur Stilllegung rund 2000 Beschäftigte – übrigens vorwiegend Frauen – und belieferte den Weltmarkt in nahezu Monopolstellung. In der Blütezeit wurden ca. 1400 verschiedene Thermometertypen gefertigt. Auch heute noch ist die Herstellung – mittlerweile quecksilberfreier – Fieber-Thermometer ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region.

Das Thermometermuseum wurde auf Initiative von einstigen Beschäftigten des Thermometerwerks in Eigenarbeit seit 1999 aufgebaut. Es befindet in einem ehemaligen Schulgebäude im Ortskern und zeigt die Historie der meteorologischen Messtechnik mit Schwerpunkt auf Temperaturmessungen. Sehr ansprechend werden die Meilensteine der Messtechnik dargestellt, auch die klassischen Messungen von Druck und Feuchte werden bis hin zu den technischen Details erläutert. Ob ein Sturmglas von Robert FitzRoy, dem Gründungsdirektor des britischen MetOffice, tatsächlich fünf Tage im Voraus Stürme vorhersagen kann, war ein angeregtes Thema hinterher beim Kaffee.

Die Arbeit an der Herstellung der Thermometer wurde sehr anschaulich und eindrücklich vom Ehrenmitglied des Förderverein Deutsches Thermometermuseum Geraberg e.V. und inzwischen 86-jährigen Helga Schneider (siehe Foto) vermittelt. Sie hatte Anfang der 1950er Jahre ihre Lehre begonnen und war bis zur Einstellung des Betriebs im Werk tätig. In Präzisionsarbeit im Akkord wurden dort von einer Angestellten 300 Thermometer am Tag in zahlreichen einzelnen Produktionsschritten hergestellt. Die höchste Qualitätsstufe, die Thermometer für meteorologische Messungen, wurden offenbar häufig zurückgestellt, eben weil dafür mehr Aufwand nötig war und weniger Thermometer pro Zeit hergestellt werden konnten.

Umrahmt war der fachliche Teil von einer Wanderung durch den Thüringer Wald mit dem Schloss Elgersburg (siehe Foto) als Ausgangspunkt entlang des Urwaldpfads und des Thüringer Klimawegs, wo wir mit dem ehrenamtlichen Initiator dieser Informationseinrichtungen auch Anregungen für die anstehende Neugestaltung einbringen konnten. Die Gelegenheit zum Austausch unter den Teilnehmern entlang des Weges hat wieder einmal das Netzwerk zwischen den Meteorologinnen und Meteorologen von DWD, der akademischen Welt und der Praxis befruchten können und neue gemeinsame Ideen hervorgebracht. Besonderer Dank gilt der Gemeinde Geratal und dem Schullandheim Geraberg für die logistische Unterstützung. Die original Thüringer Bratwurst zu Mittag hat natürlich auch dazu beigetragen, dass wir die Exkursion in sehr guter Erinnerung behalten.

Erläuterungen zur Thermometerherstellung durch Helga Schneider im Deutschen Thermometermuseum (Foto: André Zorn).

Johannes Quaas, Armin Raabe und André Zorn

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