Am 5. Wettkampftag trat der SV 90 Gräfenroda erstmals beim AC Germania St. Ilgen an. St. Ilgen hat eine starke Mannschaft und war von 1986 bis 2019 ununterbrochen in der 1. Bundesliga im Gewichtheben vertreten. Nach einer Neustrukturierung der Liga hat sich St Illgen für einen Neuaufbau in der 2. Bundesliga entschieden. Der Verein gewann zweimal die Meisterschaft der Gewichtheber-Bundesliga (1992 und 1998).
Gräfenroda hatte eine Vielzahl an Ausfällen zu beklagen. So konnten u.a. Angelina Stenzel und Andre Langkabel nicht antreten.
Aber es gibt Tage im Gewichtheben da scheint unmögliches möglich zu sein und das ist es was das Gewichtheben ausmacht. Der SV 90 Gräfenroda fuhr am 24.01. nach St Illgen um sich so gut wie möglich zu verkaufen und um die Punkte im Reißen und vielleicht im Zweikampf mit nach Hause zu nehmen.
Es entwickelte sich ein dramatischer Kampf, nach jedem Heber wechselte die Führung und die Gräfenrodaer wuchsen über sich hinaus. Nach dem knappen Sieg im Reißen gewannen sie auch mit 0,1 Punkten Vorsprung das Stoßen und insgesamt mit 600 zu 583,2 Relativpunkten den Wettkampf mit 3 zu 0.
In Gruppe 1 gingen die 3 bärenstarke Mädels vom SV 90 an den Start. Lotta Frank schaffte 3 gültige und erreichte im letzten Versuch 60 kg. Mit 45,5 Relativpunkten wurde sie die Beste der gesamten Gruppe 1. Auch Carina Gerlach in Ihrem ersten Kampf für den SV 90 wuchs über sich hinaus und erreichte drei gültige. Damit gelang ihr eine Leistungssteigerung um 3 kg. Franziska Erbert meisterte nach 65 kg auch die 69 kg im zweiten. Lediglich die 73 im dritten Versuch waren noch zu schwer. Mit 8 gültigen von 9 Versuchen lag Gräfenroda in Führung und St Illgen hatte mit dem mehrfachen WM und EM Teilnehmer Robby Behn und Sophie Eichkorn starke Gegner in Gruppe 1 aufgeboten. In Gruppe 2 begann Simona Jerabkova mit 80 kg stark. Ausgerechnet Marc Pfeiffer patzte beim ersten sodass die St Illgner mit dem starken Ukrainer Kara, Moritz und Milli vorbeizogen. Das konnte auch Bartecek mit 125 kg nicht verhindern. St Illgen witterte jetzt seine Chancen Moritz steigerte um 8 kg gültig, Milli um 6 und Kara um 4 kg. Das war kurzzeitig die erneute Führung auch nachdem Pfeiffer die 110 im zweiten Versuch meisterte. Erst Bartecek mit 130 brachte Gräfenroda wieder in Führung. Jerabkova zeigte Nerven und schaffte den zweiten und dritten Versuch nicht. Aber da war ja wieder Pfeiffer. Mit einer erneuten Steigerung um 6 kg auf 116 lies er den starken St Illgnern keine Chance mehr.
Gräfenroda gewann das Reißen mit 231 zu 214,3 Relativpunkten aber St Illgen war bärenstark im Stoßen.
In Gruppe 1 mussten die jungen Wilden alles riskieren. Lotta Frank schaffte sehr starke 68 kg im letzten Versuch. Carina Gerlach trumpfte groß auf und schaffte ebenfalls drei gültige und 67 kg im letzten.
Franziska Erbert wollte dem in Nichts nachstehen und schaffte ebenfalls 3 gültige mit 85 kg im letzten. Trotzdem führte St Illgen mit 173,5 zu 152,5.
Eigentlich war das Stoßen schon fast verloren. Zumal jetzt die starken Germanen Moritz, Milli und Kara kamen. Aber Gräfenroda steigerte und steigerte in großen Schritten und keiner war ungültig. Jerabkova wurde immer stärker und mit 3 gültigen und 108 im letzten führte sie Gräfenroda heran. Bartecek wuchs mit 160 und 166 im zweiten ebenso wie Pfeiffer mit 135 und 140 kg über sich hinaus. Jetzt standen nur noch 3 auf der Bühne mit Ihrem letzten Versuch Pfeiffer, dann Kara und als letzter Bartecek. St Illgen führte im Stoßen mit 11,9 Punkten. Eigentlich der Sieg oder doch nicht? Gräfenrodas Pfeiffer drehte jetzt vollends auf und steigerte um 8 kg auf 148!
Und in der vollen Halle in Leimen wurde es still alle schauten gespannt nach vorn und Pfeiffer quälte sich mit letzter Kraft nach oben. Und dann geschah etwas das alle ungläubig staunen lies. Ein perfekter Ausstoß und Gräfenroda glaubte jetzt an das Wunder. Kara sichtlich beeindruckt scheiterte an 160 kg. Jetzt stand Bartecek da mit 170 kg. Schafft er das halten die Nerven und vor allem hat er genügend Kraft dafür. Es gelang Gräfenroda ging mit 0,1 Punkten im Stoßen in Führung und alle lagen sich jubelnd in den Armen. Gräfenroda gewann auch das Stoßen mit 369 zu 368,9 Relativpunkten. Gewichtheben kann so schön und spannend sein. Und auch hier ein Novum für Gräfenroda alle 18 Versuche im Stoßen waren gültig.
Gräfenroda gewann damit auch den Zweikampf mit 600 zu 583,2 Relativpunkten.
Bester Heber wurde Kara mit 131 Punkten vor Pfeiffer mit 116 und Jerabkova mit 110.
AC Germania St Illgen – SV 90 Gräfenroda 0: 3 (583,2:600)
(Reißen 214,3 : 231 / Stoßen 368,9: 369)
Einzelergebnisse SV 90 Gräfenroda
- Lotta Frank 93 Relativpunkte (52.5 kg Körpergewicht/128 kg Zweikampf-60 kg Reißen/68 kg Stoßen)
- Franziska Erbert 97 (62,9/154/69/85)
- Carina Gerlach 77 (56,2/120/53/67)
- Simona Jerabkova 110 (72,9/188/80/108)
- Jakub Bartecek 107 (97,52/300/130/170)
- Marc Pfeiffer 116 (72,5/264/116/148)






