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Zeitfenster der Geschichte – Der Lütscher Heinrich Reuß

von Alexandra

Erinnern möchten wir heute an Heinrich Reuß. Er gehört wohl zu den bekanntesten „Lütschern“. Diese Ausführungen stützen sich vor allem auf die vielen Beiträge und Hinweise in den Heimat=Glocken und auf Notizen im Nachlass von Herman Anders Krüger. Auf verschiedenen, erhalten gebliebenen Bildern, die ihn immer wieder auf den Wiesen des geschleiften Ortes Lütsche zeigen, kommt die Liebe zu seinem Geburtsort Lütsche zum Ausdruck. Einige überlieferte Schnärzchen, die manchmal noch in geselliger Runde erzählt werden, zaubern noch heute ein Lächeln in die Gesichter und sind oft Anlass, weitere heitere Geschichten in Gräfenrodaer Mundart hinzuzufügen. Bilder belegen, dass er auch bei den in den 30ger Jahren stattfindenden Lütschefeiern anwesend war.

Heinrich Reuß wurde am 18.10.1840 geboren. Sein Vater war der Holzhauer Johann Carl Heinrich Christian Reuß. Seine Mutter, Wilhelmine geborene Kellner, stammte von Dörrberg. Alle „Reußen“ sind miteinander verwandt und gehen auf den „holländischen Soldaten“ Heinrich Reuß zurück, der in Cammerberg bei Manebach geboren und mit Elisabethe Katharine Töpferin verheiratet war. Sie entstammte einer der ältesten Lütscher Familien.

In den Jahren vor der Auflösung des Dorfes, welche 1859 begann, durchlebten die Einwohner von Lütsche die ärmlichste  Zeit. Auch die Unruhen von 1848 änderten daran nicht viel. In dieser von Not, Sorgen und auch Hunger geprägten Zeit wuchs Heinrich heran und lernte so schon sehr früh das Elend kennen. Er musste, wie alle Lütsche- Kinder die  „Grundschule“ (Stephanschule) besuchen.

Bis zu seinem 11. Lebensjahr wohnte die Familie in Lütsche. Dann siedelte sie nach Dörrberg über, in den Geburtsort der
Mutter. Gründe für diesen Umzug waren wohl die große Wohnungsnot in Lütsche und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Familie lebte fortan in dem Haus, dass heute als Dörrberg Nr. 7 adressiert ist.

Mit 12 Jahren wurde Heinrich aus der Schule „gekauft“. Dieses „Freikaufen“ wurde nur selten gewährt. Die betroffenen Familien mussten vor einer Kommission nachweisen, dass sie in größter Not und Armut lebten. Heinrich ging von da an mit seinem Vater in den Wald. Er arbeitete bis zu seinem dreiundachtzigsten Lebensjahr in den staatlichen Wäldern als  Holzhauer und Wegewart.

Die Erinnerungen an seine Kindheit in der „Schleifhütte“, wie das Dorf Lütsche auch genannt wurde, hielt er hoch. Bei einem seiner Spaziergänge durch das geschleifte Dorf traf Heinrich Anfang der zwanziger Jahre den Schriftsteller und Politiker Herman Anders Krüger. Aus dessen nicht veröffentlichten „Lebenserinnerungen“ und Tagebüchern ist ersichtlich, dass Schilderungen von Reuß in dem 1924 erschienenen Roman „Verjagtes Volk“ eingeflossen sind. Aus diesen ersten Treffen wurde wohl so etwas wie Zuneigung oder Freundschaft. Auch in späteren Jahren und auch nach Fertigstellung des Krüger- Häuschens 1929, kam es zu weiteren Gesprächen. Diese Vertrautheit übertrug sich auch auf die Nachfahren und Verwandten von Heinrich Reuß. Sie hatten und haben bis heute immer ein wachsames Auge und eine helfende Hand
für das von Krüger im Jahr 1929 gekaufte Grundstück.

Aus seinen Erinnerungen heraus erklärte Heinrich allen Interessierten, Wanderern oder bei den sogenannten Lütsche-treffen die Gegebenheiten und die Lage der ehemaligen Häuschen.

Am 15. Dezember 1872 heiratete Heinrich Reuß die aus Gera stammende Henriette Luise Hartwig. Gera ist der untere Ortsteil des heutigen Geraberg. In dieser Familie gab es sieben Kinder bzw. Stiefkinder. Heinrich und seine Frau Luise lebten bis zu ihrem Tod mit ihrer Tochter Minna und deren Ehemann Emil Strobel, später auch mit dem Enkel Karl Strobel und dessen Frau Berta, in oben angegebener Adresse.

Das Ehepaar Heinrich und Luise Reuß feierten am 15. Dezember 1932 das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit. Vom
Reichspräsidenten v. Hindenburg, Landrat Papst und Bürgermeister Fröhlich wurden Glückwünsche und Geschenke überbracht. Oberpfarrer Dr. Engert überbrachte Segenswünsche des Landeskirchenrates. Jeder Jubilar erhielt ein wertvolles Gesangbuch im Namen der Kirchgemeinde. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch das Musikcorps und den Arbeiter Gesangverein „Frohsinn“. Nur wenige gemeinsame Jahre waren dem hochbetagten Ehepaar noch vergönnt. Das hohe Alter und verschiedene Krankheiten machten ihnen das Leben schwer.

In den Heimat=Glocken von 1936 Nr. 16 ist zu lesen.
† Frau Luise Reuß, Dörrberg ist im 88. Lebensjahr in die Ewigkeit heimgerufen worden. So ging sie vor dem 96–jährigen Greise heim. Viel Schweres hat sie getragen und die Altersbeschwerden drückten sie sehr, so war der Tod eine Erlösung. Aber doch tut es uns leid um den alten Mann, der seine Gefährtin sucht, mit der er fast 64 Jahre verbunden war. Sie ruhe
in Frieden!

Nur wenige Monate später feierte der Nestor Heinrich Reuß, wie er genannt wurde, seinen 96. Geburtstag. Durch die zunehmenden Altersbeschwerden und nach dem Tod seiner Frau hat sich die Freude auf seine Geburtstagsfeier wohl in Grenzen gehalten. Körperliche Spannkraft und sein Lebenswille ließen nun rapide nach. So kann man nach zwei Monaten in den Heimat=Glocken Nr. 50 von 1936 folgendes lesen:
Nun ist auch der älteste Einwohner, Heinrich Reuß, im Alter von 96 Jahren in die Ewigkeit eingegangen. Am 18. Oktober 1840 war er in Lütsche geboren und dann mit den Eltern nach Dörrberg gezogen. Ein Menschenalter stand er im staatlichen Dienst als Wegebauer und Holzhauer. Lange Jahre gehörte er dem Dörrberger Gemeinderat an, und nach der  Eingemeindung dem Schulvorstand Gräfenroda. Lange Jahre saß er auch in der hiesigen Kirchenvertretung. Er war
„unser Heinrich Reuß“, den alle gern hatten. In den letzten Monaten litt er sehr unter den Altersbeschwerden. Nun hat auch ihn der Tod erlöst.

Heinrich Reuß starb am 9.12. 1936. Er war zu dieser Zeit nicht nur der älteste Einwohner Gräfenrodas, sondern auch der Älteste, der je im Dorf Lütsche geboren wurde. Hier erfahren wir auch, dass er sich in den 85 Jahren, die er in Dörrberg lebte, immer in vielfältiger Weise für diesen Ort einsetzte. In der Sonderausstellung zum Dorf Lütsche, welche 2014 in der
Heimatstube in Frankenhain aufgebaut worden ist, wird liebevoll an ihn erinnert. Seine besonderen Kennzeichen, die geschulterte Schrotsäge und die lange Tabakpfeife in der Hand, zeigen ihn in einer lebensgroßen Figur. Es sind Leihgaben aus dem persönlichen Nachlass von Heinrich Reuß.

 


Die ältesten noch lebenden Lütscher bei einer Lütschefeier in den 30ger Jahren mit Heinrich Reuß in der Mitte.

Heidemarie und Helmut Hendrich

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